Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.

Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich Dchurmaghun und Baidschu Nujan, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil verwüsteten, rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis Dschaaferije vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück. Noch im selben Jahre war ein Corps von gleicher Stärke bis Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden. Der armenische Prinz Awak begab sich mit seiner Schwester Thamtha an den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst Alakjuh hiess. Nach dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden. Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten. Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen, antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's, des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre  erschienen die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner, welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden; doch auf die Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de