Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Hamadan.

Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: „Was hast du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und Grösse den Chalifen zu schrecken?“ Baidschu kniete nieder und sagte: „Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen.“ Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der Griechen und Franken zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen und vollendete nun die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen Kuli, Belghai, Kotar und mit den Befehlshabern Bukatimur, Sundschak, Köke Ilka in die Ebene von Hamadan, um dort das Heer zu sammeln. Hamadan, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll. Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der Hidschret; dreihundert Jahre hernach wurde dieselbe von Medawidsch, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später von den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Eingeborene von Hamadan, der Dichter Ibn Chaleweih und Bediesseman, d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:

Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt
Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.

Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen Hariri's zum Muster gedient, sagte:

Wiewohl geboren ich zu Hamadan,
Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;
Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,
Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.

Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe Esther's und Mardochai's, der Arzt zu dem Avicena's, die Mystiker zu dem eines der grössten persischen Dichter, nämlich: Aththar's, des Verfassers der Vögelgespräche und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs des Raths, der Drangsale, der Nachtigallen, der Kantele, der Geheimnisse der Gänse, der Chosroen, der Antworten, der Nöthen, des Auserwählten, des Göttlichen, und Haider's, des Biographen der Heiligen, des ascetischen Werkes der Brüder der Reinheit und anderer mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen. Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder. Seit diesem ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.

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