Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Kaswin.

Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur Uebergabe von Meimundis beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht, und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner auserwählten Geschichte dieses Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft werth. Zuerst baute Schabur hier eine Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: an kesch win, d. i. jenen Winkel schau, und nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort der Namen Keschwin, d. i. Winkel schau, blieb, das heutige Kaswin. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, Mubarekabad, d. i. der gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen Reschidabad erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben. Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach ihm Ssahibabad genannten Viertels. Hierauf vom Dilemiten Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, erneuert, war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch gebaute das besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert später die nach seinem Namen genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen heisst: Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des Paradieses. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu wählen; Musiker aus Chorasan, Geschäftsmänner aus Issfahan, Krieger aus Tebris und Gesellschafter aus Kaswin. Zur Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre Kaswini, der Verfasser der Wunder der Geschöpfe und der einzigen Perle der Seltenheiten, jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und Hamdallah Mestufi, der Verfasser der auserwählten Geschichte und der bessten persischen Erdbeschreibung, so dass persische Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen Kaswin.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de