Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.

Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufgebrochen  und mit fünftausend Fussgängern in Kuhistan, d. i. im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses Girdkjuh, d. i. Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. Girdkjuh, auch Derikunbed, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei; so war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen Kreisberg. Da das Schloss festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den arabischen Abulfeda's, dem persischen Hamdallah Mestufi's und im türkischen Hadschi Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die Schlösser Mehrin, vor dem er Wurfmaschinen aufstellte, Schahdis, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bis Tarim und Rudbar, die er verwüstete, an den Fuss von Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von Schirkjuh machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten. Die beiden Schlösser Schir und Sirkjuh wurden berennt, Mehrin genommen; die Besatzung von Girdkjuh hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben müssen; da sandte der Grossmeister zwei seiner Hauptleute mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei Menn Henna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre durch die nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet.

Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein Gedicht, woraus die Verse:

Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,
Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;
Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,
Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.

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