Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Mostadhi und Nassirlidinillah.

Mostendschid's Sohn und Nachfolger, Mostadhi, d. i. der Erleuchtung Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der Grösse des Hauses Ejub, dem grossen Ssalaheddin, welcher der Herrschaft der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's, sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen Nassirlidinillah's, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen Schlösser der Wesir Ibnol aththar wieder der Macht des Chalifen unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte, entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid Alaeddin von Tirmid, dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich Schihabeddin Suhrwerdi, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen, antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der Astronomen. Sechzehn Jahre hernach flammte eine ganze Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen, eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das den Titel: Geist des Erkennenden führt; aber Nassir war auch ein harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.

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