Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Sahirbiemrillah und Mostanssir.

Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife Sahirbiemrillah, d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile, Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen, wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger Mostanssirbillah, d. i. der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen Ebu Hanife's, Schaafii's, Malik's und Hanbeli's gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen waren zwei und sechzig Plätze für Studenten und zwei für Correpetitoren gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur Mostanssirije, d. i. zur hohen Schule Mostanssir's, war die Kamerije, d. i. die Mondige, eine am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen! ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute, gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen, dann aber die Truppen des Chalifen zu Dakuk, das seiner Naphthabrunnen willen berühmt, geschlagen wurden.

Im selben Jahre richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse Dichter Ismail Kemal von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen, unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der Mystik, des Scheich's Behaeddin Weled, des Vaters Dschelaleddin Rumi's, des grossen mystischen Dichters Omer Ibn Faradh, des grossen Scheich's Schihabeddin Omer Suhrwerdi und des Inders Reten, welcher, der erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren Namen Haschischin, d. i. die Kräutler, erhielten.

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