Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Schlösser der Assassinen.

Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel: Begebenheiten unsers Herrn und Meisters führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner Welteröffnenden Geschichte die verlässlichsten Nachrichten über denselben gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des grossen Arztes Ibn Sina. In welchem Gelehrtenkopf immer solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. Alamut, d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als unbezwingbar ins Auge springen. Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss Schahrud, d. i. der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst Rudbar, d. i. das Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches der Sendrud, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List bemächtigt, dann sich vom seldschukischen Sultan Berkjarok das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten, und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege gelegene feste Schloss von Lembeser. Nebst Alamut, d. i. dem Geyerneste, Girdkjuh, d. i. dem Gürtelberg, und Lembeser, d. i. Ruh' im Kopf, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen der Städte Tun und Kain) in Kuhistan: das von Meimundis, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und Muminabad, d. i. der Bau der Gläubigen, welches seinen Namen und seine Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den Beinamen des neuen Musulman führte, dankt, dessen Name in der heutigen Verstümmelung von Meiomend kaum zu erkennen, und dessen ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt; so auch die des am Berge Demawend gelegenen Firuskjuh, d. i. Glücksberg, und das Schloss Dschenabdar oder Kebajed, welches aber nicht erst von den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden Guders befestigt worden sein soll.

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