Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.

Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von Radgjan, wohin von Merw, Jesrud und Dehistan Wein und Lebensmittel im  Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan. Hulagu befahl, denselben wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu bauen, und dem Wesir Seifeddin die Leitung und Oberaufsicht des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte, welche an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt worden, kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben. Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt, dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach gestorbenen grossen mystischen Scheichs Bestami, dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb, und Ali Ben Medschdeddin Bestami, welcher, berühmt unter dem Namen Mussannifek, d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken. Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten, welcher, in die Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen, um seine Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und sandte abermals vier Botschafter mit dem Begehren, dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen Schlössern, wie Meimundis, Lemsir und Alamut, Zinnen, Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen Firuskjuh, d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh, kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von Girdkjuh und Kuhistan, sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.

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