Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Auch das sollten wir wissen!

„Lüge zerstört den Glauben„. Von Imam Baqir (a.s)

Kinder und Lügen

In manchen Familien wächst das Lügen der Kinder zu einem wahren Problem heran. Das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern wird zerstört, Glaubenswürdigkeit und Zuverlässigkeit schwinden. Stattdessen vergiften Zweifel und Misstrauen den Kontakt zueinander.

Wie viele körperlichen Krankheiten äußert sich auch das Lügen zunächst als banale, nicht ernst zu nehmende Angelegenheit, weshalb in diesem Stadium zu einer „Heilung“ meistenteils nichts unternommen wird. Doch nach und nach reift dieses Leben zu einem wahren Übel heran.

Ist das Lügen eine Gefahr?

Ist das Lügen des Kindes eine Besonderheit seines Charakters? Hat es diese Eigenschaft ererbt, oder ist es vielmehr so, dass es rein und gut geboren und durch seine Umwelt zum Lügen veranlasst wurde?

Wir sollten wissen, dass kein Kind als „Lügner“ zur Welt kommt, sondern das es in Elternhaus oder Schule, das heißt in seiner Umwelt mit der Lüge vertraut gemacht wird. Das Milieu, in dem es aufwächst, lehrt es diese Hässlichkeit.

Dieses erfahren wir nicht nur durch die moderne Erziehungswissenschaft. Islamische Ahadit lassen uns – und zwar schon seit ca. 1400 Jahren – wissen, dass das Kind bei seiner Geburt frei von allem Hässlichen und Schmutzigen ist, dass vielmehr seine Umwelt ihm derlei Unschönes beibringt.

Ursachen der Lüge

Bei körperlichen Erkrankungen bemüht sich der Arzt, die Ursache herauszufinden, um eine entsprechende Therapie beginnen zu können. Auch eine gründliche, rechtverstandene Erziehung erfordert, zunächst einmal nach den Gründen zu forschen, die das Kind zum Lügen veranlassen. Dann erst, unter Ausschaltung dieser Gründe, kann eine „Behandlung“ Erfolg haben.

Negative Vorbilder

Imam Ali (a.s) sagt im Zusammenhand mit der Beeinflussbarkeit und Aufnahmebereitschaft des Kindes:

„Das Herz des Kindes ist wie ein zur Saat vorbereitetes Feld. Das, was in es gesät wird, beginnt rasch zu keimen, zu sprießen und zu wachsen.“

Die ersten Lehrer des Kindes sind in der Regel seine Eltern. Alles, was es von bzw. bei ihnen hört, sieht und erfährt, nimmt es aufgrund seiner hohen Empfänglichkeit und Beeinflussbarkeit auf und betrachtet es als gut und richtig. Es sind daher häufig Vater und Mutter, die ganz bewusst ihr Kind mit der Unwahrheit bekannt machen. Durch Worte, Verhalten, Versprechen, die sie nicht einhalten, Lügenmärchen, Ausflüchte und dergleichen erfährt es, das es ein „Gegenteil“ von Wahrheit und Realität gibt.

Nicht selten sind es also die Eltern selbst, die in ihrer Achtlosigkeit das Kind auf die Alternative „Unaufrichtigkeit, Ausrede und Halbwahrheit“ hinstoßen. Kurz: Eltern und Geschwister und alle, die Umgang mit dem Kind haben, sollten auf ihre Worte, Äußerungen und Handlungen genau achten, damit sie ihm nicht den Weg zur Unwahrheit ebnen.

Angst vor Strafe

Ein weiterer Grund, der das Kind veranlasst, zu lügen, ist Angst vor Strafe. Wenn es wüsste, dass es, wenn es seinen Fehler eingesteht, nicht getadelt und nicht bestraft wird, würde es gewiss nicht bei Unwahrheiten und Ausflüchten Zuflucht suchen.

Auch hier ist leider die Feststellung zu machen, dass es die Eltern, das heißt die Erziehungsbeauftragten selbst sind, die dem Kind keinen anderen Ausweg lassen, als sich in Lügen zu verstricken. Würden sie es geduldig und freundlich auf seine Irrtümer und Fehler hinweisen, ohne es zu beschimpfen und zu strafen, käme es ganz sicher nicht auf die Idee, zu lügen.

Minderwertigkeitskomplexe

Hin und wieder kommt es auch vor, das ein Kind glaubt, „minderwertig“ zu sein oder vermeintliche „Schwächen“ seiner Familie, unter denen es leidet, wettmachen zu müssen. Es bedient sich der Halb- oder Unwahrheit, der „Aufschneiderei“. Auch dieses würde es nie tun, wenn ihm klar gemacht worden wäre, das der Wert eines Menschen bzw. einer Familie nicht vom Geldbeutel, hoher Ämter oder körperlichen Kraft abhängig ist, dass es vielmehr andere, bedeutendere Wertkriterien gibt. Dieses Verständnis rufen wir in unserem Kind hervor, indem wir es auf diese tatsächlichen menschlichen Werte und Qualitäten hinweisen, sie anerkennen und als etwas Gutes und Erstrebenswertes würdigen. Auf diese Weise wird es begreifen, worauf es im Leben wirklich ankommt und nicht auf den Gedanken verfallen, ein trügerisches, irreales Bild von sich und seine Familie schaffen zu wollen.

Was ist dagegen zu tun?

Einige meinen, ihr Kind durch herbe Verweise und Züchtigung vom Lügen abbringen zu können. Eine wahrhaft ungerechte und deplatzierte Methode! Es ist allerdings möglich, dass das Kind durch gewaltsames Vorgehen eingeschüchtert wird, aber geheilt vom Lügen...? Nein, niemals! Ganz gewiss ist eine solch unqualifizierte Maßnahme dem Kind keinesfalls zum Wohle!

Pädagogische Qualitäten beweist der, welcher nach der Ursache für das Lügen des Kindes forscht. Die „Wurzel“ des Übels ist zu erkennen und zu beseitigen. Wie es völlig richtig heißt:

Das Übel ist bei der Wurzel zu packen!

Erst dann, wenn der grund, der das Kind der Unwahrheit in die Arme treibt, gefunden ist, kann er ausgeschaltet werden. Damit wäre dem Kind und uns geholfen, da es sich zur Lüge nicht mehr genötigt fühlt.

Es kann möglich sein, dass das Kind – aufgrund seiner ständigen, negativen Erfahrungen – das Lügen zur Gewohnheit gemacht hat. Da sein Charakter jedoch sehr biegsam und zu formen ist, kann es im Rahmen einer guten, vernünftigen Erziehung von dieser hässlichen Eigenschaft durchaus geheilt werden. Geduld und pädagogisches Können seiner Eltern und Lehrer vermögen Wunder zu bewirken.

Auch hieran sei noch einmal erinnert: „lügen“ ist ein recht gefährliches Leiden, das, wenn es nicht gleich in den Anfängen behandelt wird, äußerst unerfreuliche Nebenwirkungen im Gefolge hat. Das heißt: Es wird nicht allein beim Lügen bleiben. In der Enge getrieben, wird sich das Kind zu noch weitaus übleren Hässlichkeiten hergeben und gerät tiefer und tiefer in den Sog unguter Eigenschaften.

Um ihm dieses zu ersparen, ist es unbedingt wichtig, alles dafür zu tun, um es von der Lüge „Freizueisen“, besser noch, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass es in Unaufrichtigkeit und Betrug Hilfe sucht.

Imam Hassan Askarie (a.s) sagte in diesem Zusammenhang:

„Der Schlüssel zu jenem Haus, zu dem sich Hässlichkeit und Übel Zugang verschafft haben, ist die Lüge. Die Lüge war es, die ihnen die Tür öffnete und sie eintreten ließ.“

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