Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Der Grundstein wird im Elternhaus gesetzt

Persönlichkeit des Menschen

Einem jeden von uns stehen zwei Arten von „Kapital“ zur Verfügung. Einmal das, was uns als „Erbe“ mit in der Wiege gelegt wurde und das wir anzunehmen haben, ob es uns gefällt oder nicht. Und zum anderen das, was wir uns durch Arbeit, Fleiß und durch Nutzung bzw. „Kultivierung“ unseres Erbgutes erwerben. Mit diesen beiden Faktoren, das heißt mit unserem „Erbe“ und dem von uns „Erworbenen“ stehen unser Charakter und unsere Persönlichkeit in engem Bezug.

Die Psychologie sagt, dass das was dem Kind als Erbeigenschaften – körperlichen wie auch geistig Seelischen – mit auf seinen Lebensweg gegeben wird, nichts weiter ist als eine „angeborene“ bzw. „ererbte Veranlagung“, - eine vorerst nur „Potentielle Basis“ ohne Festigkeit und Durchbruch.

Ist zum Beispiel ein Vater (oder eine Mutter) von Natur her fettleibig und zudem von herrischer, erregter Wesensart, so können beide Besonderheiten – sowohl die physische als auch verhaltensmäßige – als Erbfaktoren, als noch ungefestigte Primäre- Veranlagung auf das Kind übergehen.

Kein Zweifel. Wächst das Kind in einem Milieu auf, in dem diese Veranlagung geweckt und gefördert wird, so wird es nach einiger Zeit Ähnlichkeit mit seinem Vater aufweisen. Sind aber Erziehung und Umwelt dergestalt, dass die in ihm ruhenden Erbfaktoren nicht aktiviert und unterstützt werden, so kommen sie auch nicht zum Durchbruch, da sie nicht stimuliert werden und sich somit nicht entwickeln können.

Dieses macht deutlich, von welch gravierender Bedeutung Erziehung und Umwelt für die kindliche Entwicklung sind..., welch entscheidenden Einfluss Elternhaus, Schule und Umgebung auf das Kind nehmen.

Erste Schule

Die erste „Schule“, in der das Kind lernt und gebildet wird, ist das Elternhaus. Jenes Zuhause, in das es hineingeboren wird, in dem es in der Liebe und Fürsorge seiner Eltern heranwächst und die ersten Lernversuche macht.

Um die Bedeutung des Elternhauses zu erfassen, genügt es zu wissen, dass der Grundstein zu „Lernen und Begreifen“ des Menschen hier, in diesem seinem Zuhause gesetzt wird. Und was er in seinem Elternhaus lernt und erfährt, ist die Grundlage zu seiner späteren „Persönlichkeit“. Mit anderen Worten:

Seine ersten „Bildner“ oder „Formergeber“ sind seine Eltern. Das Kind, das diesen von Gott anvertraut wurde – rein, gut und unschuldig – und aufgrund seiner Natur und Wesensart bereit zu Entwicklung und Vollkommung ist, befindet sich also zunächst in der Obhut von Vater und Mutter, die seine Erziehung und „Persönlichkeitsbildung“ einleiten.

Wenn wir vermeiden wollen, dass unser Kind seine ursprüngliche Reinheit und Unverdorbenheit verliert, haben wir von Anbeginn bis zu jenem Zeitpunkt, da es zu einem reifen, gefestigten Menschen herangewachsen ist, auf es zu achten.

Beide, Vater und Muter, sind seine ersten und gleichwohl idealsten Lehrer. Vorausgesetzt, dass sie dieser ihrer gottgegebener Verantwortung in der rechten Weise nachkommen.

Es ist zu empfehlen, dass sie bei der Erziehung ihres Kindes Hand in Hand und nach einem vereinbarten, gemeinsamen Programm vorgehen. Unterschiedliche Erziehungsmethoden als auch Nachlässigkeit bei der Wahrnehmung ihres „Lehramtes“ führen zu unliebsamen Ergebnissen.

Die Eltern haben also nicht nur ihr Kind zu hüten und für sein leibliches Wohlergehen zu sorgen, sondern ebenfalls über die Grundlagen einer optimalen Erziehung Bescheid zu wissen und entsprechend zu handeln. Nur so können sie ihrer großen Verpflichtung gerecht werden und ihre Töchter und Söhne den Weg zu Glück und Erfolg ebnen.

Noch einmal:

Liebe, Fürsorge und Hingabe für das Kind sind wichtig und unerlässlich, doch im Gleichschritt mit „Erziehung und Bildung“.

Hohes Maß an Aufnahme- und Imitationsbereitschaft

Kinder sind erstaunlich empfang- und aufnahmebereit. Dieses ist von hoher Bedeutung für ihre Erziehung und Entwicklung. Das heißt, von klein auf sind seine „Antennen“ auf „Empfang“ eingestellt. Wie ein Videogerät nimmt es auf, was sich seinen Augen und Ohren bietet und registriert sämtliche Eindrücke und Empfindungen.

Was Eltern, Geschwister und Freunde tun und sagen, Schönes und Unschönes.., mannigfaltige Bilder, Begebenheiten und Erlebnisse.

Mit anderen Worten: Das „A“ und „O“ einer erfolgreichen Kindererziehung ist, dass die Erziehenden selbst „erzogen“ sind. Bedienen diese sich eines rohen

 und rücksichtslosen Vorgehens, oder hässlicher Worte und Gesten, so brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kinder ebenso sprechen und handeln.

Vergessen wir darum nie! Das Kind nimmt Verhalten- und Redensweisen seiner Eltern und Bezugspersonen in sich auf und ahmt sie- unbewusst – nach. Das praktische, gute Vorbild seiner Eltern ist ein wichtiges, überzeugendes und durch nichts zu ersetzendes „Erziehungsmittel“.

Das Elternhaus..., schlechtes Vorbild?

Das Kind ist den Eltern „anvertraut“ worden. Von Gott. Eine göttliche Treuhandgabe an Vater und Mutter also. Und: Es kommt rein und gut zur Welt!

Wenn im Laufe der Zeit Verhaltensstörungen sichtbar werden, so haben die Eltern ihr eigenes Verhalten und das Familienmilieu einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Darum, weil die Ursache für das gestörte Verhalten des Kindes in erster Linie darin zu suchen sind. Ganz wichtig!

Ohne sich dessen bewusst zu sein, gehen Vater, Mutter oder sonstige Bezugspersonen in einer Weise vor bzw. sorgen für eine Atmosphäre, die dem kindlichen Gemüt „zusetzen“. Vater und Mutter sind daher verpflichtet, im Interesse einer guten Entwicklung ihres Kindes alles zu tun, um beeinträchtigende Faktoren und Einflüsse zu beseitigen, besser noch, sie von vornherein zu vermeiden.

Kinderängste

Psychologische Studien haben ergeben, dass sich jene unter wissenschaftlicher Beobachtung gestandener Kinder, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, zunächst vor der Dunkelheit nicht fürchten. Erst später begannen sie, in ihr Beängstigendes zu empfinden. Darum, weil ihnen die Ängste „eingeflößt“ worden waren!

Die Verhaltensforschung teilt uns mit: Ein Kind fürchtet sich nicht aus sich selbst heraus vor Dunkelheit. Seine Umwelt „vermittelt“ ihm diese Angst.

Wie wir bereits zuvor schon sagten, sind Maßnahmen, die das Kind in Angst und Schrecken versetzen, um es z.B. zu verwarnen oder zu strafen – einige sperren ihre Kinder beispielsweise in einem dunklen Zimmer ein oder ängstigen es mit Geistern, Gespenstern , tiefen Gruben und grauenvollen Höhlen etc. – völlig undisqualifiziert und sprechen von einem enormen Unverständnis der betreffenden Erziehenden. Mit ihrem Vorgehen führen sie der kindlichen Psyche einen schwer oder gar nicht mehr wieder gut zu machenden Schaden zu.

Nur einmal das Kind in Angst und Panik zu versetzen, genügt, dass es für lange Zeit, bisweilen sein ganzes Leben lang, von dieser Angst nicht wieder loskommt.

Die Eltern haben das Kind zu ermutigen, zu beruhigen, bei der Hand zu nehmen und es mit Dingen, die in ihm Furcht auslösen, vertraut zu machen bzw. sie ihnen zu erklären, - wohlgemerkt: Behutsam, vorsichtig, an der Hand haltend oder ihren Arm geborgen. Niemals aber gewaltsam und rigoros!

Darum, damit es erkennt, das in diesem oder jenem Winkel oder Loch nichts Erschreckendes und keine Gefahr lauern, dass das Märchen vom „bösen , schwarzen Mann“ Unfug ist....

Auf diese Weise helfen sie ihm, seine Ängste zu überwinden und zu einem frohen, unbeschwerten und furchtlosen Menschen heranzuwachsen.

Noch ein Wort zur „Lüge“

Wir erwähnten es bereits: Wenn ein Kind lügt, so ist dieses meistenteils auf Irrtümer seitens der Erziehendem zurückzuführen. Diesweil diese seine guten Eigenschaften fördern müssten, veranlassen sie es durch ihr falsches Vorgehen zu Unaufrichtigkeit. Ein Vater, der sein Kind bei etwas, das es nicht tun durfte, ertappt und genau weiß, das es sich vor seiner „strafenden Hand“ fürchtet, treibt es durch sein diesbezügliches bohrendes Forschen und Fragen in Lügen hinein. Viele Kinder lügen deshalb, weil sie bittere Erfahrungen gemacht haben und den harten Strafen ihrer Eltern aus dem Wege gehen wollen.

Bisweilen ist es auch so, dass es Unaufrichtigkeit in seiner Umwelt gesehen und miterlebt hat und nun ebenso verfährt. Das heißt: Ein geringfügiger Verstoß gegen die Rechte eines anderen, den es miterlebte, eine Ausrede, „Notlüge“ und dergleichen reichen aus, um das Kind zu derlei „Praktiken“ anzuregen. Es gilt also, im Elternhaus für eine gute, gesunde Erziehungsgehstützende Atmosphäre zu sorgen. Das heißt, auf Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit aller ist größter Wert zu legen, damit das Kind Unwahrheit, Heuchelei und Betrug gar nicht erst kennenlernt.

Ein Erziehungswissenschaftler mahnte: „Lehrer, Eltern! Hört auf, euch zu verstellen! Seid in Wort und Tat unbedingt aufrichtig und edel. Darum, damit euer gutes Vorbild auf die euch anvertrauten Kinder Einfluss nehmen kann. Anstelle sie ständig zu ermahnen, ziehe ich es vor, mich in ihrer Gegenwart ganz besonders gut zu verhalten.“

Vater und Mutter sollten statt ewiger Verweise, Empfehlungen und „Predigten“ darauf achten, ihr Kind durch ihr eigenes gutes Vorbild indirekt zu gutem Verhalten zu animieren. Das, was falsch, unrecht, verlogen und hässlich ist, haben sie unbedingt zu meiden. Darin beruht die elemtarste Vorrausetzung zu einer erfolgreichen Erziehung.

Eine Voraussetzung, die jedoch erfordert, dass die Eltern und alle mit der Erziehung Beauftragten selbst „erzogen“ sein und sich im Griff haben müssen, denn, wie ein altes orientalisches Sprichwort sagt:

Wie kann man etwas geben, was man selber nicht hat?

Tatsächlich, wie sollten Eltern, denen ethische, menschenwürdige Grundsätze fremd zu sein scheinen (bzw. gar sind!), ihre Kinder von diesen überzeugen können?!

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de