Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Die Gesinnung des Kindes ist zu veredeln

Mensch und Moral

Wir alle haben wohl schon den scherzhaften Ausspruch gehört:

„Der Mensch ist ein denkendes Tier.“

Eine Auffassung, die seitens so mancher vertreten wird.

Wie dem auch sei: Mit Hilfe seiner Vernunft erkennt der Mensch, wie er seine Bedürfnisse befriedigt und Schwierigkeiten und Probleme meistern kann.

Aufgrund seines ihm von Gott gegebenen Unwesens- man könnte es als „Urwissen„ oder „Unmoral„ bezeichnen – akzeptiert er in seinem sozialen Leben Regeln und Grundsätze, die unter dem Sammelbegriff „Moral„ einzuordnen sind .

Dazu gehören: Respektierung der Rechte anderer, Zusammenarbeit, Tyrannei, Lüge und dergleichen als „Schlecht„ abzulehnen etc..

Bei dem Tier verhält es sich anders. Es gerät aufgrund eines instinktives Gespürs in Erregung und Zorn, nicht infolge von Überlegung oder moralischem Empfinden.

Zweifellos, dieses ethische oder moralische Empfinden des Menschen gehört zu seiner Natur, zu seiner Persönlichkeit. Der dem dies abgeht, ist von seinem menschlichen Niveau hinabgesunken auf ein tierisches.

Es gilt, das moralisch Empfinden wach zu halten und zu aktivieren

Würde, Noblesse und Wertigkeit des Menschen stehen in engem Zusammenhang zu seinem Verhalten, seiner Gesinnung.

Wenn jemand noch so hohe wissenschaftliche Leistungen erbringt, jedoch seine Moral zu wünschen übrig lässt, so ist das ein Zeichen dafür, das seine Persönlichkeit und sein „Mensch-Sein„ nicht zur Entfaltung gekommen sind. Wissen und Können minus Ethik verhelfen nicht zu „menschlicher Qualität“.

Ein Wissenschaftler, der sich um ethische Werte und moralische Grundsätze nicht einen Deut kümmert, wird für die Menschheit kein Gewinn sein, sondern – im Gegenteil – recht schnell Verrat an ihr begehen. Seine Intelligenz ist eher mit dem Messer in der Hand eines Betrunkenen oder aber dem Licht, das dem Banditen den Weg zu den Schätzen zeigt, zu vergleichen. Denken wir doch nur an den Missbrauch, der mit wissenschaftlichen Erkenntnissen getrieben wurde und wird.

Es dürfte jedenfalls allen klar sein, das Wissen, Fähigkeiten und Fortschritt dann dem Menschen bzw. der Gesellschaft zum Wohle gereichen, wenn ethische Werte und menschliche Qualitäten nicht eingeklammert werden.

Das, was dem einzelnen, der Familie oder der Gesellschaft Wertigkeit schenkt und das Leben lebenswert und erfreulich macht, ist das gute, ethische Verhalten, dessen sich einzelnen befleißigen oder befleißigen sollten.., sind die intakten, auf einer menschenwürdigen Moral aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehungen.

Mit Geld und Macht sind Freundschaft, Frieden und Frohsinn nicht erhältlich. Mit derartigem sind die „Herzen nicht zu erreichen“. Wohl aber mit „Menschlichkeit“, mit ethischen Qualitäten. Diese sind es, die die Menschen einander liebenswert machen, sie zu Wohlverhalten veranlassen und eine Gesellschaft ermöglichen, die in sich gesund ist, - eine Gesellschaft, die gegen soziale und moralische Krisen weitgehend immun ist.

Prophet Muhammad (s.a.s.) sprach:

„Mit Geld und Gold könnt ihr die Herzen der Menschen nicht für euch gewinnen, wohl aber mit gutem, ethischen Verhalten mögt ihr ihre Sympathie auf euch lenken.„

Das Herz des Menschen ist nicht so leicht zu erobern. Es ist fester und uneinnehmbar als ein Felsen oder eine Burg. Nur durch eine menschliche, gute Gesinnung wird der Zugang zu ihm möglich.

Erster Unterricht in Sachen Moral

Das Elternhaus ist jener Ort, an dem das Kind den ersten Unterricht in Sachen „Moral„ erhält. Nach und nach wird das, was es dort Tag für Tag sieht, hört und erlebt, zur Grundlage seines eigenen Verhaltens, Sinnens und Trachtens werden. Im häuslichen Milieu erfährt es, was es zu tun und zu lassen hat, was gut ist und was böse, was positiv, was negativ. Und diese ersten Erkenntnisse sind der Grundstein zu seiner ethischen Entfaltung.

Ein Kind, das in einem Elternhaus aufwächst, in dem Lüge und Betrug an der Tagesordnung stehen, wird sich – in den meisten Fällen- zu einem Lügner entwickeln.

Wir dürfen nicht vergessen: Es ist wie ein junger Trieb…,

ein Schössling noch. Das, was es erfährt und lernt, nimmt es auf und so wird es „erzogen“. Wird es in einer lieblosen, brutalen oder korrupten Atmosphäre groß, ist nicht zu erwarten, dass es sich anders entfaltet. Bringen Vater und Mutter ihm keine Liebe, Güte und Freundschaft entgegen, wird er kaum zu einem liebe- und verständnisvollen Erwachsenen heranreifen. Wohlwollen, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft werden für es – so es mit derlei guten Eigenschaften nicht schon in seiner Kindheit und früheren Jugend vertraut gemacht wird – mehr oder weniger bedeutungslos sein.

Zusammengefasst: Das Elternhaus ist die „Grundschule„ zu seiner ethischen Entfaltung. Das, was es dort lernt, ist maßgebend für seine Entwicklung…, Seele und Gesinnung betreffend. Für sein gutes bzw. weniger gutes Verhalten sind Faktoren entscheidend, die dort, in seiner Familie und Umfeld, gegeben und vorherrschend sind. Wenn sich seine Eltern – seine wichtigsten Bezugspersonen und ersten Lehrer – die ja die Stützfeiler seines Zuhauses sind und den „Ton im Haus angeben„, gut verhalten und durch menschliche Qualitäten auszeichnen, ist der erste Schritt zu einer positiven Erziehung getan. Die Vorbedingung dazu, dass sich seine Persönlichkeit gesund und gut entfalten kann, ist damit gegeben.

Vorbilder

An dem Verhalten von Vater und Mutter orientiert sich das Kind. Dieses gilt insbesondere für die ersten Lebensjahre, in denen seine Zukunft noch nicht soweit herangereift ist, gut und schlecht bewusst unterscheiden zu können.

Abgesehen davon hat es seine Eltern gern. Es bewundert sie und möchte – dieses ist oft aus Kindermund zu hören – wenn es groß ist, so sein wie sie. Darum nimmt es sie zum Vorbild und versucht, sie nachzuahmen und sich so zu verhalten, wie sie es tun.

Das aber besagt, dass die ethische Entwicklung des Kindes – praxisnah – im Elternhaus beginnt. Vater und Mutter tun daher gut daran, ihr eigenes Verhalten zu überprüfen und eventuell zu korrigieren, auf das sie ihrem Kinde auch tatsächlich „Vorbild“ sein können.

Allein mit Empfehlungen und Mahnungen ist es nicht getan. Das praktische Beispiel gehört unbedingt zu einer erfolgsversprechenden Erziehung. Kurz: Dem Kind nur von gutem Verhalten und guten Eigenschaften zu erzählen, reicht keinesfalls. Wir haben sie ihm im täglichem Leben, im Umgang mit ihm und unseren Mitmenschen „vorzuleben“. Andernfalls, das heißt wenn wir uns selbst nicht an unsere Empfehlungen und Ermahnungen halten, werden diese das Kind nicht überzeugen können.

Wie beginnen wir?

Seiner Natur und Veranlagung gemäß ist der Mensch ab seiner Geburt bereit und in der Lage, erzogen und geformt werden zu können. Und je eher mit seiner Erziehung begonnen wird, umso erfreulicher ist das Resultat. Vorausgesetzt, das es in der rechten Weise geschieht!

Gemüt und Intellekt des Kleinkindes sind empfänglich für sämtliche Eindrücke und Einflüsse. Sie nehmen alles auf. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die ein Mensch in den ersten Lebensjahren macht und Verhalten und Gesinnung, die er als Kind erwirbt, sind nicht ohne Auswirkung auf sein späteres Leben.

Eine Mutter ging zu einem Weisen und sagte: „Mein Kind ist nun vier Jahre alt. Ab welchem Alter muss ich mit seiner Erziehung beginnen?„

Der Weise antwortete: „ Wenn du damit noch nicht begonnen hast, so hast du sein bisheriges Leben vergeudet. Als du sein erstes Lächeln sahst, hättest du mit seiner Erziehung beginnen müssen!“

Schritt für Schritt

Verhalten und Gesinnung des Kindes reifen – allmählich und nahezu unmerklich – unter dem Einfluss seiner Umwelt heran. Das, was es tagtäglich sagt, tut oder lässt, mag uns im Einzelnen betrachtet unwichtig und geringfügig erscheinen. Gleich einzelner Schneeflocken, die zur Erde fallen. Doch die vielen einzelnen Schneeflocken verbinden sich miteinander, bilden eine Schneedecke, die dichter und dichter wird. Je nach Bedingungen und Gegebenheiten können sie mitunter zu gewaltigen und gleichwohl bedrohlichen Lawinen werden.

Wir alle kennen sie..., jene, die mit einer Zigarette begannen und im Laufe der Zeit zu Kettenrauchern wurden. Zunächst rauchten sie nur so zum Zeitvertreib, mehr oder weniger aus einer Laune heraus. Doch nach und nach gewöhnten sie sich daran. Ihr Zigarettenkonsum stieg an ins Unermessliche. Sie wurden zu „Gewohnheitsrauchern“.

Die ständige, tagtägliche Wiederholung ist es, die zu Gewohnheit bzw. einem guten oder weniger guten Verhalten führt.

Was sagt der Islam dazu?

Der Islam weißt Vater und Mutter verantwortlich für die „Veredelung“ der Gesinnung ihrer Kinder. Diese gut zu erziehen, gehört zu den wesentlichen Pflichten und Aufgaben, die er den Eltern auferlegt.

Väter und Mütter, die diese ihre Verantwortung vernachlässigen und die Erziehung ihres Nachwuchses auf die leichte Schulter nehmen, machen sich aus islamischer Sicht schuldig. Schuldig ihren Kindern gegenüber als auch der Gesellschaft. Deshalb, weil ungeratene Söhne und Töchter nicht nur sich selbst und ihren Familien nicht zum Wohle gereichen, sondern ebenfalls nicht der Allgemeinheit.

Prophet Muhammad (s.a.s.) sagte in diesem Zusammenhang:

„Sorgt euch um die Erziehung eurer Kinder, da ihr diesbezüglich große Verantwortung tragt!“

Und Imam Ali (a.s) sagte:

„Achtet und schätzt eure Kinder und erzieht sie gut!“

Der Islam misst der Moral hohe Bedeutung zu. Dementsprechend empfiehlt er einem jeden, sich um gutes Verhalten und eine gesunde Gesinnung zu bemühen, als auch für ein intaktes, erfreuliches Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrern und Schülern und den Mitmenschen ganz allgemein zu sorgen. Klar und unmissverständlich kommt dieses in folgenden Wort des Gesandten Gottes zum Ausdruck:

„Ich bin berufen worden, um Moral und Tugenden zur Entfaltung zu bringen!“

Der Islam hat mit seinen Weisungen für die Förderung und Festigung des ethischen Fundamentes der Muslime und damit für deren Wohlergehen in dieser als auch jener Welt gesorgt, worin eines der hohen Ziele und Anliegen des Propheten Muhammad (s.a.s.) bestand.

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