Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Dynamisches Denken

Gedankenfreiheit

Die Erziehungswissenschaft misst den Details, den „Verhaltens – bzw. Gesinnungsdetails“ recht hohe Bedeutung bei. Immerhin sind es diese, die das „ethische Fundament“ schaffen.

Dieses ist gut und richtig, doch keinesfalls genug. Anstelle sich auf diese zu konzentrieren und mehr oder weniger nur die einzelnen Verhaltensmomente des Kindes zu verneinen oder zu bejahen, sollte grundlegender vorgegangen werden. Das heißt, in erster Linie sind sein Geist und Denken anzuregen und zu fördern, genauer gesagt, zu kultivieren. Darum, weil sie die Prämisse zu allem sind.

Ganz abgesehen davon gehört zu den Zielen einer rechtverstandenen und –gehandhabten Erziehung, dass das Kind „Denken“, “freies, folgerichtiges Denken“ lernt. Richtiges Denken ist für den Menschen das, was der Treibstoff für das Auto ist. Ohne Treibstoff werden wir das Auto nicht in Gang setzen können. Es wird nicht fahren. Es sei denn, wir würden es schieben oder ziehen. Aber dieses ständig zu tun, ist nicht der Sinn der Sache und würde zudem sehr belastend und ermüdend sein.

Das besagt also: Parallel zur „Detail- Arbeit“ ist das Kind unbedingt mit richtigem, selbstständigen Denken vertraut zu machen.

Ganz allgemein sollte der Mensch ein „denkender“ sein und hinsichtlich aller Angelegenheiten – Einzelheiten oder Allgemeines betreffend – seinen Verstand gebrauchen.

Ohne Zweifel war das Griechenland des Altertums die Wiege der Zivilisation, Philosophie und Kultur und hat diesbezüglich Großes für die Menschheit geleistet. Die Geschichte gibt uns kund darüber, das einer der Gründe für jenen gewaltigen Fortschritt der Griechen jener frühen Epoche in ihrer Erziehungs- und Bildungsmethode zu sehen ist. Im Jahre 475 v. Chr. Bestand diese zwar lediglich aus Lesen, Schreiben und Sport, war aber dergestalt, dass das Denkvermögen des einzelnen schon von klein auf gefördert und angeregt wurde. Im Unterricht gab es kein stupides Auswendiglernen und dergleichen, sondern der Schüler wurde von Anbeginn zu freiem Denken angehalten und dazu, diese Fähigkeit immer mehr zu intensivieren.

Man braucht sich folglich nicht zu wundern, dass es die Griechen waren, die die Demokratie, die „Regierung des Volkes“ begründeten.

Sokrates tat in aller Freimütigkeit und in Anwesenheit des Kadis Kund:

„Leute von Athen! Solange euer Denken und Verstand nicht stark und kräftig sind, übernehmt keine gesellschaftlichen Verantwortungen. Mit schwachen Denken und Verstand ist Land und Volk kein Dienst zu erweisen!“

Eines der Privilegien des Menschen gegenüber dem Tier ist darin zu sehen, dass der Mensch aufgrund seines Denkvermögens die Schwierigkeiten, die sich ihm entgegenstellen, weitgehend zu lösen und seine Lebensmöglichkeiten zu erweitern vermag. Der „denkende“ Mensch ist – anders als das Tier, dass sich dem Milieu, in dem es lebt, anpassen muss, um überleben zu können – in der Lage, seine Umwelt seinen Wünschen gemäß zu gestalten. Zumindest zum großen Teil.

Das aber besagt, dass Würde und Prestige des Menschen in engem Zusammenhang zu seinem geistigen Niveau, der Qualität seines Denkens stehen. Ganz gewiss wird dessen Daseinswert für seines Denkens stehen. Ganz gewiss wird dessen Daseinswert für die Menschheit höher sein, der von dieser Vitalierenden, dynamischen Kraft mehr, sinnvoller und zum Wohle aller Gebrauch macht. Beispiel hierfür sind jene großen Persönlichkeiten, die durch ihre Erkenntnisse und Errungenschaften der menschlichen Gesellschaft wertvolle Dienste erwiesen, weshalb sie von ihr geschätzt und geehrt werden.

Die Eltern sollten also ihr Augenmerk nicht lediglich auf die körperliche Entwicklung und Gesunderhaltung ihres Kindes richten und darüber dessen geistige Entfaltung vergessen, sondern sich vielmehr dessen bewusst sein (und dieses Wissen bei der Erziehung ihres Kindes wirken lassen!), dass die Persönlichkeit und Würde des Menschen zu dessen geistigem Erblühen in direktem Bezug stehen.

Denken und Wollen sind die wesentlichen Faktoren, die den Menschen in der Lage versetzen, sowohl seinen Lebensraum – bis zu gewissen Grenzen allerdings – selbst zu gestalten als auch sich und sein Leben mit diesem in Übereinstimmung zu bringen.

In der Hektik des Computer- und Roboterzeitalters, in dem wir uns befinden, bedarf der Mensch ganz besonders des „Denkens“, das heißt eines richtigen, intakten Denkens. Die geringste Gedankenlosigkeit schon vermag das materielle sowie geistige Kapital der Menschheit in ein Nichts aufzulösen.

Dem Menschen ist dann in seinem „Lebenskampf“ Gelingen beschert, wenn sein Denken gereift ist. Darum, weil er sich mit dessen Unterstützung für den jeweils besseren Weg entscheiden und so „beraten“ und „gestärkt“ nicht aus dem Gleichgewicht gerät oder von Hoffnungslosigkeit übermannt wird, wenn sich die Dinge – anderer Umstände und Einflüsse wegen – einmal nicht so entwickeln sollten, wie er erwartet hatte. Klug ist der, der nach bestem Wissen und Gewissen und aufgrund logischer Überlegungen vorgeht, - eine gute, menschenwürdige Methode. –

Denken, dem ein bestimmtes Motiv zugrunde liegt und mit dem ein konkretes Ziel bzw. Ergebnis angesteuert werden, ist „Überlegen“. Bei komplizierten Erkenntnisprozessen, die über die Grenzen des empirischen Bereiches hinausgehen und logisches Fragen, Antworten, Ordnen und Folgen erforderlich machen, kommt diesem „Überlegen“ bzw. Argumentieren und Schlussfolgern „

Hohe Bedeutung zu.

Ebenso setzt das Bewältigen von Schwierigkeiten und Problemen die Fähigkeit voraus, Zusammenhänge erkennen und vorausgegangene Erfahrungen verwerten zu können, - zu neuen Erkenntnissen und Vorgehensweisen. „Überlegen“ ist also das gezielte Bemühen, durch Fragen, Antworten und fundiertes Schlussfolgern zu konkreten Ergebnissen zu kommen.

Wie die Praxis zeigt, liegen so manchen Verhaltens – und Verfahrensweisen, die im täglichen Leben des einzelnen zu beobachten sind, Überlegungen und Entscheidungen zugrunde, die – bevor er, der „einzelne“, sich dazu entschloss – schon von der Allgemeinheit getroffen wurden. Und das steht wohl außer Frage: Gedankliche Resultate, die in Teamarbeit erzielt wurden, sind in der Regel fundierter und umfassender als die, zu denen ein einzelner kommt. (Darum, weil bei seinen Überlegungen beispielsweise nicht so viele Aspekte beleuchtet und beachtet werden wie bei denen, an denen mehrere Personen beteiligt sind, da diese die verschiedensten Ansichten und Aspekte zur Diskussion stellen.)

Die Algemein- Psychologie vergleicht das menschliche Denken mit dem mechanisch ablaufenden Vorgang eines Getriebes. Ebenso wie eine Uhr (älterer Produktion) aufgezogen werden muss, damit ihr Laufwerk zu arbeiten beginnt, benötigt auch das menschliche denken, „angetrieben“ zu werden, um in Gang zu kommen.

Die Devise lautet: Denken!

In unserer hochtechnisierten Welt, in der Tempo und Hektik das Zepter schwingen, sind logisches Denken und überlegtes, umsichtiges Vorgehen vonnöten. Wie im Fluge verändern sich in dieser schnelllebigen Zeit oft die Gegebenheiten und um richtig erfassen, folgern und reagieren zu können, ist gezieltes, handfestes Überlegen unerlässlich.

Diejenigen, die das nicht gelernt und trainiert haben, werden sich auf die neuen Realitäten nicht so schnell umstellen können und das Nachsehen haben. Darum, weil ihnen das „Umdenken“ schwer fällt und sie folglich nicht wissen, wie sie sinnvoll taktieren und vorgehen müssen.

Wenn wir uns umsehen und umhören, stellen wir bedauerlicherweise fest, dass der heutige Mensch, der an der Schwelle des Raumzeitalters steht, von seiner Fähigkeit, überlegen und logisch schlussfolgern zu können, nur noch recht wenig Gebrauch macht. Das, was ihn beeinflusst und oftmals „unüberlegt“ handeln lässt, sind sinnliche Begehren und flüchtige materielle Vergnügen, denen er nacheilt. Heutzutage dreht sich mehr oder weniger alles um das „süße Leben“, dem alles andere geopfert wird. Es scheint fast so, als ob das materiell gewordenen Dasein den Menschen seiner geistigen Werte und Qualitäten beraubt hätte, so das er nicht mehr in der Lage ist, die Dinge und Gegebenheiten richtig zu analysieren und einzuordnen.

Sokrates war nicht nur ein Philosoph, sondern vor allen Dingen ein Lehrer in Sachen „Moral und Gesinnung“. Er vertrat die Überzeugung, dass das Leid der Menschheit in deren sich immer intensiver und unbändiger äußernden Verlangen und Begierden seinen Ursprung hat, dieweil das wahre Glück nur dann zu erreichen ist, wenn diese gezügelt und nicht maßlos befriedigt werden.

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