Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Erziehungsfortschritte..., wie werden sie möglich?

„Bedingte Reflexe“

In der Verhaltensforschung gibt es ein höchst interessantes Thema, das unter dem Titel „Bedingte Reflexe“ behandelt wird und das sich zum Teil auf die Studien und Thesen des russischen Physiologen Pawlow stützt.

Pawlow gelang es, die „bedingten Reflexe“ festzustellen, in deren Ausbildung (Konditionierung) er das Prinzip jeder seelischen Tätigkeit sah. Sprechen und Denken beispielsweise seien Reflexketten höherer Ordnung, die durch Ausbildung eines zweiten Signalsystem möglich werden.

Um seine Methode des Konditionierens (der Ausbildung „bedingten Reflexe“), die zu einer vielverwendeten Versuchstechnik im Zusammenhang mit Lernexperimenten wurde, ein wenig näher erklären zu können, ist es angebracht, auf sein berühmtgewordenes Tierexperiment hinzuweisen.

Pawlow ließ einen Hund hungrig werden. Als man daraufhin dessen Fressnapf füllte und ihm diesen zeigte, begannen seine Verdauungsdrüsen zu arbeiten. Ohne Zweifel wäre das ohne den Anblick des Fressens nicht möglich gewesen.

Pawlow hatte angeordnet, dem hungrigen Hund das Fressen hinzustellen und gleichzeitig eine Schelle ertönen zu lassen. Dieser Vorgang wurde mehrere Male widerhohlt, bis das der Hund eine erstaunliche Reaktion zeigte. Jedes Mal, wenn die Schelle bedient wurde, begannen seine Speicheldrüsen zu arbeiten, auch wenn er sein Fressen nicht vor ihm sah, das heißt auch wenn ein Futterreiz nicht gegeben war, sondern nur das vormals oftmals mit diesem gekoppelten Signal. Noch interessanter ist das sein Speichelfluss quantitativ ebenso hoch war, als wenn er, im hungrigen Zustand, Fressen vor sich gesehen hätte.

Diese Erkenntnis erweiterte den Horizont der „Lernpsychologie“ gewaltig. Nebenbei: Auch heute in aller Welt gang und gebe gewordenen modernen „Reklame und Werbung“ liegt dieses Prinzip des „Konditionierens“, das heißt also des Ausbildens von Reaktionen bzw. Reflexen zugrunde. Das heißt, man versucht durch „Assoziation“, durch das Einwirken von Reizsignalen auf den Intellekt, das Interesse der Leute für eine Ware zu gewinnen und sie zum Kauf anzuregen. Und wenn auch die Allgemeinheit über „Reklame- Übertreibungen oder gar – schwindel“ im Bilde ist, so gerät sie doch recht leicht in den „Sog“ eines solchen Werbe-Reizes und kauft.

Wie gesagt, auch Lernpsychologie wendet dieses Konditionierungsverfahren an. In dem sie zunächst noch unwirksame (neutrale) Reize mit „unbedingten“ (natürlichen, angeborenen) Reizen koppelt, so dass diese „bedingten, herbeigeführten“ Reize nun ebenfalls wirksam werden. Bei Lernvorgängen mit Tieren und auch Menschen findet dieses Prinzip Anwendung, beispielsweise im Rahmen von Lernspielen, durch die das Kind die Bezeichnungen von Dingen und Gegenständen in Verbindung mit deren Abbildungen erfährt und lernt.

In diesem Zusammenhang sei auch noch auf die „bedingte oder retroaktive Hemmung“ hingewiesen, ein Begriff, der ebenfalls in der Lernpsychologie relevant ist. Das Verlernen erworbener Verhaltensweisen kann- insbesondere bei Kindern (und Tieren)- durch das Vorenthalten von Zuspruch und Bestätigung (das heißt durch „Auslöschung“) oder aber durch Einübung anderer, „unvereinbarer“ Verhaltensweisen (retroaktive Hemmung) herbeigeführt werden.

Wenn das Kleinkind z.B. dazu angeregt werden soll, etwas, das es bisher tat, nicht mehr zu tun, so kann dieses unter anderem durch „hemmende Bedingungen“, die gesetzt werden, erreicht werden. Ein deutliches, wenn auch negatives und keinesfalls pädagogisch wertvolles Beispiel hierfür ist folgendes gesagt:

Es ist Abend. Das Kind soll schlafen, will aber nicht. Die Mutter sagt: „ Schlaf jetzt endlich! Wenn du nicht schläfst, kommt der „schwarze Mann“. Und bei diesen Worten zeigt sie in die abendliche Dunkelheit hinein, die sich draußen, hinter dem Fenster, ausbreitet.

Mit dem Resultat, dass das Kind sich infolge der „negativen“ Bedingung- nämlich, das aus der Dunkelheit fürchtet. Eine Angst, die in seiner Natur nicht begründet ist, sondern durch hemmende Faktoren bzw. Bedingungen ausgelöst wurde. Vorher machte ihm Dunkelheit nichts aus, jetzt aber flieht es sie.

Um dieses Verängstigsein wieder „auszulöschen“, müsste man dem Kind nun die Dunkelheit freundlich und gut darstellen. Zum Beispiel, dass sie dazu da ist, damit es- das Kind, das den ganzen Tag über gespielt hat und müde geworden ist, - sich ausruhen kann, um am nächsten Morgen wieder froh und fit aufstehen und weiterspielen zu können. Denn wenn es hell ist, kann es nicht so gut und erholsam schlafen, wie wenn es dunkel um es herum ist.

Man kann ihm sagen, dass die nächtliche Dunkelheit gut für Mensch, Tier und Vegetation ist und ebenso notwendig wie die Helligkeit am Tage. Man kann ihm von den Sternen und dem Mond die in der Nacht leuchten, erzählen, schöne Märchen usw... so dass es all dieses Schöne und Beruhigende nach und nach mit der nächtlichen Dunkelheit in Verbindung bringt.

Kurz: Viele Möglichkeiten gibt es, um negative Bedingungen durch positive zu ersetzen.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang auch folgender Hinweis sein. Im Koran stoßen wir häufig auf den Begriff: „Handeln“. In einigen Fällen in negativem Sinne, in anderen in positivem.

Negative Bedeutung hat das „Handeln“ dann, wenn damit ein völliges Versinken in materiellen Dingen und Werten gemeint ist.

„Sprich: Das, was bei Gott ist, steht über Zeitvertreib und Handeln“!

Und an anderer Stelle:

„...jene, deren Handel sie von Gott fernhält.“

Dann aber heißt es im positiven Sinne, um den Menschen auf den rechten Weg, den Weg zu Gott zu führen:

„O ihr, die ihr glaubend wurdet“ Ich rufe euch zu einem „Handeln“ auf, der euch vor schmerzlicher Pein bewahrt!“

das besagt:

Gott fordert den Menschen auf, sich Ihm zu fügen, Ihm zu gehorchen, nur Ihn anzubeten etc…, um sich damit gegen Böses und Sündiges zu verwahren und auf diese Weise das Paradies zu „erwerben“. Das heißt: Sündiges nicht zu tun, um des Guten, das Paradies willen. (In weiterem Sinne also ein „Handeln“) .

Mit anderen Worten: In Anwendung des genannten Prinzips werden frühere, negative Verhaltensweisen aufgehoben und durch positive ersetzt.

John Dewey, der populär gewordene Pädagoge, der vom „Arbeitsunterricht“ überzeugt war- einer Lernmethode, bei der der Schüler „selbstaktiv“ beteiligt ist und dessen schöpferischen Kräfte geweckt werden-, vertrat die Ansicht, dass Kinder nicht in Klassenräume „eingesperrt“ sind, sondern das sie vielmehr zu Kreativität und Spiel angespornt werden müssten. Das Spiel gehöre zu den natürlichen Bedürfnissen des Kindes und rege sein selbstaktives Denken und „Erarbeiten“ an.

John Dewey machte sich die Erkenntnis des Konditionierens zunutze und unterrichtete die Kinder sozusagen im Spiel.

Es versteht sich von selbst, dass sich das Kind auf diese Weise- und zwar deswegen, weil es seiner Natur entsprechend gerne spielt- für Unterrichtsthemen, die es im Spiele erfährt. Gewiss eher interessieren wird, als wenn sie ihm lediglich „eingepaukt“ würden.

Im täglichen Leben gibt es Dinge, die wir gern tun würden. Da uns jedoch das, was mit ihnen oftmals verbunden oder „gekoppelt“ ist, nicht behagt, verzichten wir darauf.

Junge Leute beispielsweise wünschen sich ein gemeinsames Leben mit jemandem, den sie gern haben, sie möchten heiraten. Doch oft ist diese so natürliche und wichtige Angelegenheit mit so enormen Schwierigkeiten verbunden, dass sie häufig davon absehen. Wenigstens solange, bis dass sie das, was sich ihnen in den Weg stellt, bewältigen können. (z.B. Probleme bezüglich Wohnung, Arbeitsplatz, Lebensunterhalt).

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