Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Geborgenheit in der „Nestwärme“

Harmonie im Elternhaus....

Die wesentlichste und natürlichste „soziale Institution“ ist die Familie, die zudem- in der Regel- das grundlegendste Zentrum zur Erziehung des Kindes darstellt. Mit anderen Worten: Das Elternhaus. Dieses, das Elternhaus, kann- wir sagten es bereits- sowohl positiven als auch negativen Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben.

Wir wollen uns nun hier der Frage zuwenden, ob sich die eigentliche Aufgabe der Eltern und Familie schlechthin auf das leibliche Wohl des Kindes beschränkt oder aber ob sie tiefgehender ist und sogar noch bedeutendere Dimensionen betrifft.

Wenngleich der Islam auch zu Themen wie Ernährung, Wohnen, Familiengröße und ähnliche materielle Belange wertvolle Empfehlungen gibt und derlei Angelegenheiten als ebenfalls notwendig betrachtet, so weiß er dennoch den wesendlichen und ausschlaggebenden Faktor für das Wohlergehen der Familie in der harmonischen Beziehung zwischen Mann und Frau als auch Eltern und Kindern.

Eingehende wissenschaftliche Studien über den Einfluss zerrütteter Familienverhältnisse auf die Entwicklung des Kindes geben Aufschluss darüber, dass die psychische, geistige und soziale Entfaltung unter derlei Bedingungen stark beeinträchtigt wird.

Noch ein Hinweis: Kinder deren Eltern geschieden sind oder getrennt leben, leiden mehr darunter, als wenn Vater und Mutter gestorben wären!

Gestörte Familienverhältnisse, gestörte Psyche...

Psychiatrische Untersuchungen ergaben, dass der häufigste und wesendlichste Grund für psychische Störungen bei Kindern in zerrütteten Familienverhältnissen zu suchen ist. Getrennt lebende Eltern oder Konflikte und Kontroversen zwischen Vater und Mutter verursachen ernste Schäden in der kindlichen Gemütswelt.

Dort jedoch, wo das Familienleben intakt ist und die Eltern miteinander harmonieren, kann sich das Kind gut entwickeln..., körperlich gesehen wie auch geistig-seelisch. Seine Persönlichkeit entfaltet sich und erblüht immer mehr. Sein Vertrauen zu seinen Eltern, seiner Umwelt und zu sich selbst hilft ihm, Probleme gegenüber nicht zu verzagen. Es ist trotz seines jungen Alters in sich relativ gefestigt, aufgrund seines „gefestigten“ Elternhauses.

Dieses bewirkt zudem, das es in der Lage ist, sein eigenes etwaiges Fehlverhalten frei und offen zuzugeben und zu berichtigen. Ohne Angst und Erregung, in aller Ruhe und Sachlichkeit.

Ebenso wie das Kind einer vollwertigen, ausreichenden leiblichen und geistigen Kost bedarf, um gesund aufwachsen zu können, benötigt es noch einer weiteren „Nahrung“, der „Nestwärme“. Das heißt, es muss sich sicher und geborgen fühlen.

Mit anderen Worten: Das Kind muss sicher sein, das Vater und Mutter einander gern haben, „ein Herz und eine Seele“ sind. Dieses Wissen und natürlich die Gewissheit. Und dieses Gefühl, dieses Geborgen- Wissen, ist die optimalste Nahrung für seine psychische Entwicklung.

In diesem Bewusstsein finden seine geistigen Kräfte als auch seine ethischen Empfindungen, Interessen und Neigungen zu Entfaltung. Im Gegensatz zu jenem Kind, das dieses Geborgenheits- Gefühl nicht hat, dass die Harmonie seiner Eltern entbehrt und sich somit „seines Lebens“ nicht sicher ist. Ständig lebt es in Angst und Sorge, verzerrt sich innerlich in seiner Unruhe und Unsicherheit.

Ein großer Irrtum so mancher Eltern besteht darin, zu glauben, dass ihr Kind von ihren ehelichen Kontroversen, auch wenn sie diese noch so sehr vor ihm verbergen suchen, nichts wüsste. Dieweil es recht gut an dem Verhalten von Vater und Mutter, deren Blicken und überhaupt der gesamten „gespannten“ häuslichen Atmosphäre erkennt, dass der „Haussegen schief hängt“. Es ist nämlich weitaus empfindsamer und „wacher“, als sie in ihrer Ahnungslosigkeit vermuten.

Wahl des Ehepartners

Der Islam hat eine Reihe interessanter Empfehlungen zur Ehepartner- Wahl gegeben. Darum, damit die Familienatmosphäre eine heitere, herzliche und konstruktive sei. Damit sie nicht zur Hölle werde, deren Opfer die Kinder sein würden.

Das bedeutet, das bei der Wahl des Ehepartners überlegt und umsichtig zu Werke zu gehen ist. Leichtfertig sollten keine Ehen geschlossen werden, da dieses zu einem bitteren Aufwachen führen kann und in jedem Fall die Kinder es sind, die am härtesten unter ungesunden Ehe- und Familienverhältnissen oder gar Scheidung zu leiden haben.

Geistige, genauer gesagt: weltanschauliche und glaubensmüßige Übereinstimmung zwischen „ihr“ und „ihm“ sind Voraussetzung zu einer guten Ehe. Diesem Punkt ist unbedingt Beachtung zu schenken, bevor man sich zur Heirat mit „ihr“ oder „ihm“ entschließt. Ehen, die nur aufgrund eines blinden Verliebseins zustande kommen, gehen sehr leicht in die Brüche, da sie „unüberlegt“ geschlossen und die erforderlichen Voraussetzungen nicht bedacht wurden. Dieses aber ist unverantwortlich den zu erwartenden Kindern gegenüber, denen damit die Möglichkeit, in der Nestwärme eines intakten Elternhauses aufwachsen und sich entwickeln zu können, genommen wird.

Aus diesem Grunde betont der Islam, dass sich Mann und Frau zunächst vergewissern müssen, ob diese eben angesprochene Harmonie zwischen ihnen vorhanden ist, bevor sie sich ihr Ja-Wort zu einem gemeinsamen Leben geben.

Anhand folgenden Vergleichs wird uns die Relevanz dieser Voraussetzung deutlich:

Nehmen wir eine chemische Zusammensetzung zwischen zwei Elementen. Je mehr diese beiden Elemente miteinander „verbunden“ sind, umso fester ist ihr Gefüge. So ist es auch mit Ehepartnern. Je einiger sie sich sind, umso haltbarer und unanfechtbar ist ihre Gemeinschaft.

In einem Zitat Imam Ga´far Sadiqs (a.s.) heißt es, dass die Liebe und Freundschaft der Frau für ihren Mann (selbstverständlich auch des Mannes für die Frau) ungeheuer wichtig ist.

Das heißt, „er“ oder „sie“ haben einander „Freunde fürs Leben“ zu sein. Diese Einigkeit und Harmonie zwischen Mann und Frau ist in allen Bereichen ihres gemeinsamen Lebens erforderlich.

Mit anderen Worten: Ein idealer Lebenspartner ist nicht der, der lediglich seinen häuslichen oder außerhäuslichen Pflichten nachkommt, sondern jener, der dem anderen- „ihm“ oder „ihr“ - in Liebe und Freundschaft zur Seite steht, der wirklich ein Lebenskamerad bzw. – eine kameradin ist.

Einem Kind, das in der Obhut von Eltern aufwächst, die einander „Freunde fürs Leben“ sind, sind die besten Vorrausetzungen zu einer guten Entwicklung gegeben.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch, dass der Islam zum Wohle einer guten Ehe und Partnerschaft- ganz abgesehen von Liebe, Freundschaft und Fürsorge füreinander- zu Nachsicht und Geduld untereinander mahnt.

Er fordert „sie“ und „ihn“ auf, einander zu ehren und zu schätzen, niemals aber zu beschimpfen, zu kränken und Rohheiten, Grobheiten und Rücksichtslosigkeiten unbedingt zu meiden.

Höflichkeit, Füreinander- Dasein, ein liebevoller, ehrender Umgang mit Langmut sind es, die der Ehe zu Glück und Bestand verhelfen. Gewalt, Unrecht, Ungerechtigkeit, Betrug und Untreue dagegen sind Dinge, die dem gemeinsamen Leben ungemein schaden. Nicht „er“ und nicht „sie“ dürfen sich derlei „Mittel“ bedienen.

Und da beide - Mann und Frau - in ihrem Ehe- und Familienleben Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft aufzubringen haben, richtet Prophet Muhammad (s.a.s) dieses Wort an sie:

Wenn „er“ angesichts „ihrer“ Unfreundlichkeit langmütig zu bleiben versucht und sich darum ernsthaft bemüht, wird Gott ihn mit der Geduld „hiobs“ stärken und belohnen.

Und wenn „sie“ „seine“ Unfreundlichkeit erträgt, wird Gott sie mit Rang und Wohl der Assia, der Frau des Pharao belohnen.

Aus der Überlieferung (Riwayat, Hadit) erfahren wir folgendes Wort Imam Sadiqs (a.s):

Erträgt eine Frau das unschöne Verhalten ihres Gatten, so wird dieses als „Gihad“ verstanden.

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