Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Hoffnung..., das A und O allen Tun und Lassens

Hoffnung auf das Morgen

Mit der Hoffnung auf das „morgen“ lebt der Mensch. Wenn diese Hoffnung nicht wäre, wie könnte er sein Leben wirklich „leben“? Ohne diese, die Zukunft betreffenden hoffnungsfrohen Perspektiven würden der Lebenswille erlahmen und die Räder sich immer schleppender und träger drehen, bis das sie schließlich stille stünden.

Unsere Bemühungen und Anstrengungen, die wir uns auferlegen und all die Härten und Bitterkeiten, die wir durchstehen..., sie alle sind um eines besseren Morgens willen.

Mütter, die unter Opfern ihre Kinder großziehen..., Arbeiter und Bauern, die bei Frost und Kälte, Hitze und Regenfällen dennoch ihre Pflichten erfüllen und Schwierigkeiten ertragen..., sie alle denken dabei an das, was sie dadurch gewinnen, an das Kommende.

Die Vergangenheit ist beendet. Ihr gilt die Daseinssorge nicht mehr. Und auch die Gegenwart ist nur im Hinblick auf das, was kommt, von Wert. Andersfalls würde der Mensch nur einfach in den Tag hineinleben, genießen, was sich ihm bietet und an Fortschritt und spätere Früchte keinen Gedanken verschwenden. Was hätte es denn auch für einen Sinn, ohne erfreuliche Perspektiven lohnte es sich nicht, sich um das Morgen zu bemühen.

Das Kind geht deswegen heute zur Schule, damit ihm morgen sein Wissen zugute kommt.

Kurz: Der eigentliche Bewegungsgrund der Mühen und Anstrengungen des Menschen ist seine Hoffnung, seine Hoffnung auf ein besseres Morgen.

In dem Blinden an der Straßenecke, der – sein kleines Kind auf den Armen haltend- Streichhölzer verkauft, erkennen wir, dass auch er um der eigenen Zukunft und der dieses Winzlings an seiner Brust willen das Dasein bejaht und alles in seinen Kräften stehende tut.

Selbst in den Gefängnissen lesen wir in den Gesichtern der Häftlinge die Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit, auf jene Zeit, da sie Frau und Kinder wiedersehen werden. Auch wenn sie noch viele Jahre hinter Gittern zubringen müssen.

Die Hoffnung ist es, die ihnen das Schwere und Bittere ihres Daseins erträglicher macht und ihnen die Kraft gibt, durchzuhalten. So Gott will! Wenn diese Hoffnung schwände, wäre das Leben stumpf und träge...

Eines Tages ging Jesus (a.s) an einem Feld vorbei. Er sah einen alten Mann, der sich plagte, den schweren Boden umzugraben.

Jesus sprach: „O Gott“ Nimm die Hoffnung aus seinem Herzen!“

Noch war kein Augenblick vergangen, als der alte Mann seine Schaufel fortlegte, sich niedersetzte und in tiefen Schlaf versank.

Jesus sagte: „ O Gott! Gib ihm seine Hoffnung zurück!“

Der Alte Mann wachte auf, erhob sich, nahm seine Schaufel wieder zur Hand und begann erneut und unter großen Mühen, seinen Acker zu bearbeiten.

Jesus fragte ihn: „Warum hast du für kurze Zeit deine Arbeit unterbrochen, geschlafen und mühst dich nun weiter?“

Der alte Mann sagte: „Während ich arbeitete, sah ich mit einem Male den Tod und das Nichts vor mir. Es war mir, als ob jemand zu mir sagte: Für was arbeitest du eigentlich?

Ich fühlte mich plötzlich unendlich müde und legte meine Schaufel aus der Hand. Dann fielen mir meiner unversorgten Enkel ein..., ihre Zukunft. Der Lebenswille begann sich erneut in mir zu regen. Und so begann ich aufs Neue...“

Mit anderen Worten: Zwischen Hoffnung, Aktivität und Mühen besteht ein enger Bezug. Je größer die Hoffnung ist, umso intensiver sind Arbeit und Fleiß.

Nebenbei, je erhabener und wertvoller Streben und Wunsch sind, umso mühevoller ist es zumeist, das Ziel, das sie meinen, zu erlangen.

Auch das soll nicht untersagt bleiben: Ganz allgemein wird dann das Leben und dessen Bedeutung als wertvoll und beglückend empfunden, wenn der Mensch unter Mühen und Fleiß das Ziel seines Strebens erreicht.

Der, welcher ohne Hoffnung ist und keine Zukunftsperspektiven hat, wird seinem Leben nichts Positives abgewinnen. Er ist gleich einem Toten, der inmitten der Lebendigen dahinvegetiert.

Es versteht sich daher von selbst, das es den Eltern ein wichtiges Anliegen sein sollte, ihre Kinder von klein auf so zu erziehen, dass sie steht’s ein Ziel, welches sie zuversichtlich anstreben, vor Augen haben. Selbst Spiel und Freizeit sollten nicht ohne Ziel und Hoffnung sein. Kinder, die so aufwachsen, werden von Anfang an vom Geist vitalvisierender Kreativität durchdrungen sein, in allen Lebensphasen widerstandsfest und hoffnungsfroh den Dingen ins Auge schauen und das Angestrebte zu erreichen versuchen. Sie verneinen das Dasein nicht, lassen sich von negativen, lähmenden Gedanken nicht übermannen, geben sich Verzweiflung und Mutlosigkeit nicht hin und meistern ihr Leben kraftvoll, zukunftsorientiert und ideenreich.

Aus diesem Grunde sind viele Psychologen der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, alle Wünsche des Kindes zu erfüllen. Darum, damit es lernt, sich selbst um die zu bemühen und erfährt, dass das, was es begehrt und möchte, erarbeiten werden muss.

Zudem: Die zeitweilige Konfrontation mit etwas, das ihm missfällt, gibt ihm die Gelegenheit, sich damit gemacht werden, erweisen sich in der Regel als lebensuntüchtige Erwachsene.

Im Gegensatz zu diesem Verhätscheln und Verzärteln steht

-        wir sprachen bereits in einem anderen Zusammenhang darüber

-        die gewaltsame und rohe, rücksichtslose Behandlung, unter der bedauerlicherweise noch unendlich viele Kinder dieser Erde zu leiden haben, Ansichten und Verhaltensweisen werden ihnen aufgezwungen, Freiheiten und Rechte ihnen nicht zugestanden und ihre Neigungen und Interessen wird keinerlei Beachtung geschenkt.

Keine der beiden genannten Verfahrensweisen gereichen dem Kind zum Wohle. Beide zerstören seine ganz natürliche Kreativität und Konstruktivität.

Richtig ist, von Anfang an so mit ihm umzugehen, dass Hoffnung und eine positive Lebenseinstellung in ihm wachsen und reifen können. Sich zu beschäftigen und für etwas zu interessieren ist etwas, das seiner Entwicklung dienlich ist. Schließlich dürfte wohl allen klar sein, dass eine sinnvolle und gern ausgeführte Betätigung von so manchem Unfug abzuhalten vermag. Somit ist also auch dieser Punkt bei der Erziehung unbedingt zu entsprechen, nämlich:

Dem Kinde Freude an Arbeit und Betätigung zu vermitteln!

Bedauerlicherweise sind es aber- und zwar weltweit- nicht wenige junge Menschen, die nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen, da ihnen Möglichkeit, dieses zu lernen, nicht gegeben wurde. Sie rennen diesem und jenem „Phantom“ nach, auf der Suche nach dem für sie Richtigen. Oder aber vagabundieren ziellos umher, um ihre innere Unruhe und Verwirrtheit zu entkommen und auf irgendeine Weise ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Häufig landen sie letztlich- gestrauchelt und zerstört- in der Gosse. Ohne Hoffnung auf einen Morgen, in Drogen und Alkohol Zuflucht suchend...

Wer ist dafür verantwortlich zu machen und wie derartigem vorzubeugen?

Auseinanderzusetzen und zu lernen, es zu verkraften. Dieses stärkt es und macht es bereit, sich auch von größeren Schwierigkeiten und Unerfreulichkeiten nicht unterkriegen zu lassen, sondern davon, dass dieses auch seinem Wollen und seiner Vernunft dienlich ist.

Es gilt zu bedenken, dass mit dem Überwinden der Schwierigkeiten und Unbilden des Lebens gleichzeitig Wachheit, Umsicht und Wille wachsen und aktiviert werden, das heißt jene Faktoren, die zur Bewältigung der Probleme notwendig sind.

„Hemmschuhe“

Ein folgenschwerer Erziehungsfehler ist das extreme Reagieren so mancher Eltern. Einige Mütter und auch Väter „verhätscheln“ ihre Kinder so sehr, dass diese selbstzufrieden, anspruchsvoll und unausgerüstet für das Leben heranwachsen. Wenn sie dann später in die große Welt der Erwachsenen eintreten, geraten sie schon gleich bei der ersten Schwierigkeit, die ihnen begegnet, außer sich. Ganz abgesehen davon, dass sie sich im Umgang mit ihren Mitmenschen recht unfähig erweisen, da sie oft die elementarsten Grundregeln für ein soziales Leben, für Zusammenarbeiten und- denken nicht gelernt haben. Sie fühlen sich weder in der Schule noch am Arbeitsplatz wohl, weil sie nicht in der Lage sind, sich in die Gemeinschaft „anzupassen“ und bei der geringsten Kleinigkeit, die ihnen gegen den Strich geht, gleich meinen, ihnen würde Unrecht geschehen. Völlig unselbstständig und verwirrt neigen sie dazu, allem zu entfliehen oder aber mit Gezeter und bitteren, oftmals ungerechten Vorwürfen zu reagieren, anstatt sich in Geduld zu üben und selbst dazu beizutragen, die Verhältnisse positiv zu verändern bzw. sich in ihre Umwelt einzupassen.

Kurz: Kinder, die verhätschelt und verwöhnt aufwachsen und mit den oft rauen Realitäten des Lebens nicht vertraut.

Gewiss ist, dass der junge Mensch die wahre Bedeutung des Lebens kennen lernen muss, um überhaupt die Chance zu haben, den richtigen Weg wählen und dann gehen zu können! Den Erziehenden kommt diesbezüglich eine große Verantwortung zu. Sie haben sich daher stets dessen bewusst zu sein, dass der Persönlichkeitsentfaltung des Kindes und Jugendlichen größter Wert beizumessen ist. Von klein auf ist damit zu beginnen!

Nicht vergessen!

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