Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Lernmilieus, Lernbeispiele

Unbedingt zu beachten:

Zweifellos! Das Kind und seine Entwicklung sich selbst zu überlassen, ist ein ungeheuerer Fehler. Ein Zeichen von Unverstand und Verantwortungslosigkeit. Dieweil Tiere und Pflanzen gehegt, versorgt und Wildsorten veredelt werden, so das erstaunliche Zucht- und Kultivierungsergebnisse das Resultat sind, werden mancherorts Kinder sich selbst überlassen. „Ungehegt“ wachsen sie auf, voller „Wildtriebe“.

Wie kann, wie darf das möglich sein?! Wie viel Unrecht wird den jungen Menschen damit angetan! In welches Elend werden sie dadurch gestoßen! Wie viel wertvolle potentielle Kräfte und Begabungen werden auf diese Weise vergeudet!

Andererseits: Ungeduld und Voreiligkeit in Sachen „Erziehung“ bringen ebenfalls keine Früchte. Geduld und Zeit sind vonnöten!

Gerade diese „Geduld und Zeit“ aber sind in unserer hektischen Epoche zur „Mangelware“ geworden. Der Mensch des Computer- Zeitalters ist in Eile. In chronischer Eile, der er sich selbst schon gar nicht mehr bewusst ist. Am liebsten möchte er alles „maschinell“ erledigen. Damit es schneller und „rationeller“ geht und er sich anderem, „Wichtigerem“ – wie er meint!- widmen kann.

Im Zuge dieses Denken glauben einige, die Erziehung ihrer Kinder ebenfalls anderen überlassen zu können, damit sie selbst für diese und jene Angelegenheiten und Zielsetzungen „frei“ werden. Und in den Reihen jener, die die Erziehung ihres Nachwuchses nicht aus der Hand geben wollen, sind es inzwischen auch schon etliche, denen es darum geht, bei der Wahrnehmung dieser so wesentlichen und komplizierten Aufgabe möglichst „rationell“, „automatisch“ und „schematisch“ vorzugehen. Das heißt, ohne Zeit zu verlieren und ohne die individuelle Besonderheiten ihres Kindes zu berücksichtigen, soll es sich rasch und zügig entwickeln und „etwas werden“.

Dieweil doch eine der pädagogischen Grundregeln lautet:

Geduld, Geduld und nochmals Geduld!

Mit anderen Worten: Dem Kind ist nicht das, was es wissen muss, auf die Schnelle begreiflich zu machen. Um erkennen, verstehen und lernen zu können, muss man ihm Zeit lassen!

Hin und wieder hört man im Zusammenhang mit diesem oder jenem Kind, dass es „schwierig“ sei, schwer erziehbar, nichts begreife und nicht annehmen wolle, was man ihm sage...

Und ähnliches mehr.

So zu reden ist vorschnell und ungerecht. Immer und in jeder Situation ist der Mensch – alle Menschen! – dabei, „aufzunehmen und zu lernen“. (Es sei denn, er wäre bewusstlos)

Nur, und das ist der springende Punkt, die „Lernmilieus“ und „Lernbeispiele“ sind unterschiedlich.

Von Kindern z.B. die jahrelang in einer Umgebung leben, in der Lüge und Betrug an der Tagesordnung stehen und sich somit ebenfalls daran gewöhnt haben, ist nicht zu erwarten, dass sie- auch wenn sie in ein erziehungspositives Milieu umwechseln – innerhalb kürzester Zeit zu aufrichtigen Menschen werden.

Ein Erziehungswissenschaftler sagte völlig zutreffend:

„Die gleiche Zeit, die jemand braucht, um sich etwas anzugewöhnen, benötigt er, um es sich wieder abzugewöhnen.

Gutes und Schlechtes ist erlernbar. Um beispielsweise von schlechten Angewohnheiten abzukommen, sind Zeit und Geduld und gute Lernbeispiele erforderlich. Von heute auf morgen und ohne Vorbilder ist da wenig zu machen!

Angenommen, ein Kind ist an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in Wort und Handeln gewöhnt. Wenn es jedoch bei irgendeiner Gelegenheit von seinem Mitschüler hört, wie dieser seinen Lehrer hintergehe und betrüge, um auf diese Weise schlechten Zensuren oder Strafaufgaben aus dem Wege zu gehen und wie erfolgreich er bisher mit diesem Vorgehen gewesen sei, so wird dieses dem ehrlichen Kind zu denken geben. Die Möglichkeit, dass derartiges „von Nutzen“ sein kann, ist ihm vor Augen geführt worden. Es hat das, was ihm gesagt und als „nützlich“ beschrieben wurde, gehört und „aufgenommen“....

Da es aber in seiner Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe immer wieder- durch ein positives Lernmilieu und gute Lernbeispiele- bestärkt und unterstützt wird, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass es ebenfalls zu solch hässlichen und unfairen Mitteln – die es ja als solche erkennt- greift.

Wird jedoch das „Lernfeld: Lüge und Betrug“ aktiviert und zwar so, dass es über das erstere, das heißt das „Lernfeld: Aufrichtigkeit und Fairness“ dominiert, so wird dem Kind allmählich seine erste, gute Gewohnheit erlöschen.

Kurz: Lernen und Erzogen- Werden sind Angelegenheiten, die nach und nach vonstatten gehen. Im Laufe der Zeit nur kann sich der Mensch entfalten und vervollkommnen. Doch allzeit ist er im Zustand des „Erfahrens, Lernens und Fortschreitens“. Die Frage ist nur: In welcher Richtung...

Es ist wie in der Schule. Die einen steigen im Hinblick auf Wissen und Wertvolles Klasse um Klasse höher, die anderen erreichen auf negativen, menschenunwürdigen Gebieten „Fortschritte“.

Jean Jaques Rousseau, bekannter Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, vertrat folgende Ansicht:

Die Erziehung des Kindes hat allmählich und behutsam vor sich zu gehen. Es ist ein soziales Unrecht, bei der Erziehung- entgegen der Natur- Hast und Eile walten zu lassen. Und wenngleich das Kind zu Wahrheitsliebe angehalten wird, wird ihm dennoch das Lügen beigebracht. Deswegen, weil eilig und ungeduldig vorgegangen und dem Kind keine Zeit zu einem gesunden Heranreifen gelassen wird...

Wenn der Lehrer Geduld und Langmut walten lässt, wird er seinen Schüler nicht überfordern und von ihm nichts verlangen, dem er noch nicht gewachsen ist.

Es steht außer Frage, das Hast und Übereile immer von Übel sind. Ganz gewiss aber in Erziehungsangelegenheiten. Will man das junge Menschenkind, dieses hochsensible und in vielerlei Hinsicht noch unbekannte Geschöpf in Hast und Ungeduld erziehen, so ist mit fatalen Folgen zu rechnen.

Zu den Gründen für geistige und ethische Dekadenz, die eine Erscheinung kranker Gesellschaften ist, gehört unter  anderem die unter Kindern und Jugendlichen verbreitete „Frühreife“. Negative soziale Faktoren, Obszönitäten, die propagiert und feilgehalten werden, als auch zügellose Freiheiten und dergleichen – einhergehend mit einem akuten Mangel an wirklichen Vorbildern und Idealen- tragen dazu bei, dass das Kind vorzeitig in ein Stadium eintritt, welches seiner natürlichen Reife, geistigen Entwicklung und Gefühlswelt noch keinesfalls entspricht.

Machen sich bei einem natürlich und normal heranwachsenden Mädchen oder Jungen Anzeichen der Pubertät bemerkbar, wird gleichzeitig auch eine entsprechende geistige- moralische Entfaltung erkennbar. In dieser kritischen Pubertätsphase, in der sich das junge Menschenkind nun befindet, sind es sein ebenfalls herangereifter Geist und Verstand, der es um die Klippen herumlotst und es vor einem Kentern bewahrt.

Heute aber erwacht oftmals der Sexualtrieb des heranwachsenden Kindes infolge provozierender Faktoren schon vorzeitig, dieweil sein Verstand und Geist noch keinesfalls Schritt halten können. So etwas muss ja zu Disharmonie und Verirrungen führen!

Die Jugendzeit ist- Körper und Geist betreffend- eine sehr wichtige Phase im menschlichen Entwicklungsprozess. Die Jugendlichen haben ganz besonders in dieser schwierigen, krisen- konfliktreichen Zeit ein Anrecht darauf, dass die Erwachsenen ihnen geduldig und freundschaftlich zur Seite stehen und ihnen Orientierungshilfe sind.

In diesem Zusammenhang ist es angebracht, in Kürze auf folgendes hinzuweisen. Etliche Erziehungswissenschaftler, die sich für Reformen im internationalen Erziehung- und Bildungswesen interessieren, sind der Meinung, das zunächst einmal das Erziehungs-. und Bildungswesen der Länder in aller Welt zu prüfen sei. Nachdem man die Situation der einzelnen Bildungs- Systeme und auch deren Schwachpunkte festgestellt habe, könne man mit entsprechenden Reformen beginnen. Einige plädieren dafür, ungeeignete Erziehungs- und Bildungsmethoden durch gute und bewährte zu ersetzen. Doch, so sagen sie, müsse dabei vorsichtig und behutsam zu Werke gegangen werden. Darum, weil auch Sitten, Gebräuche und Traditionen eines jeden Volkes, dem diese „beste Methode“ zugedacht werden würde, ebenfalls zu berücksichtigen seien. Nur in Miteinbeziehung dieser in das neue Erziehungs- und Bildungsverfahren sei dieses einzuführen und zwar ganz allmählich, um Konflikten und Misserfolgen vorzubeugen.

Mit anderen Worten: Ohne Berücksichtigung der individuellen kulturellen Situationen einer Bevölkerung ist diese mit einer neuen Erziehungs- und Bildungsordnung nicht zu konfrontieren. Darum, weil möglicherweise Aspekte und Bestimmungen dieses neuen Systems den jeweiligen Landessitten- und Überzeugungen widersprechen könnten oder aber die betreffende Gesellschaft- aus irgendwelchen Gründen – zu einer Übernahme nicht bereit sei-

Bedauerlicherweise aber stehen Tore und Türen so mancher Gebiete dieser Erde fremden Kulturen, Denkweisen und Verhaltenssystemen weit offen bzw. werden- sozusagen- auf „Schleichwegen anpirscht“ und aufgestoßen..., ungeachtet der Tatsache, dass sie so gar nicht Tradition, Kultur und ethische- religiösen Grundsätzen der jeweiligen Bevölkerung entsprechen. Mit dem Ergebnis, dass viele der noch nicht gefestigten und noch nicht herangereiften Jugendlichen- und bisweilen auch Erwachsenen- mit geschlossenen Augen die fragwürdigsten fremden kulturellen Elemente, die unaufhaltsam ins Landesinnere eindringen und in krassem Widerspruch zu Auffassung und Weltbild der eigenen Familie und Gesellschaft stehen, übernehmen.

Bilanz: Verwirrung, Verirrung, Sittenverfall, kulturelle Dekadenz, Identitätsverlust und, und, und....

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