Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Kein leichtes Unterfangen, aber...

Richtig zu Erziehen ist nicht so einfach

Nein, zu „erziehen“ ist wirklich nicht so einfach. Mit dem Menschen, diesem geheimnisvollen Wesen, dessen Eigenschaften und Besonderheiten noch lange nicht alle erkannt worden sind, ist aufgrund des eben Genannten wahrhaftig nicht ohne Fingerspitzengefühl und psychologisch- pädagogischen Kenntnissen umzugehen. Und da so mancher Vater und manche Mutter diese Vorrausetzung zur Erziehung ihres Kindes nicht mitbringen, geraten – bedauerlicherweise- Kinder auf die „schiefe Bahn“. Ganz abgesehen davon, dass es auch etliche Jungen und Mädchen gibt, die, da sie aus irgendwelchen Gründen elternlos und ohne mütterliche und väterliche Fürsorge und Aufsicht aufwachsen, hin – und hergeschoben werden und sich nicht so entfalten können, wie es sein müsste.

Erziehung, eine Art „Training“

Bewegung, Gymnastik, Sport und dergleichen sind gut, stärken und Stählen den Körper, erhalten ihn gesund. Dennoch, zu bedenken ist, welche Sportart der Gesundheit des einzelnen dienlich ist. Alles tut nicht allen gut! Kurz, ein jeder sollte sich für etwas entscheiden, dass ihm zum Wohle ist.

Dieses trifft auch für die Erziehung zu. Kinder sind nicht alle gleich, können also nicht nach einem Schema erzogen werden. Ihre individuellen geistigen und körperlichen Besonderheiten sind zu berücksichtigen. Doch die Methode, auf die das jeweilige Kind „anspricht“, zu erkennen, ist nicht so ganz einfach.

Gewiss haben auch jene Eltern, die sich und ihre Kinder aufgrund ihrer Erziehungsfehler in Probleme und Komplikationen verstrickten, den Wunsch gehabt, ihren Nachwuchs gut zu erziehen. Sie wussten über grundlegende, allgemeine Erziehungsregeln Bescheid und wandten sie in der Annahme, es „richtig“ zu machen, an. Vergaßen jedoch dabei, dass es bei der Anwendung „allgemeiner Erziehungsregeln“ auch „Details“ zu beachten gibt.

Von etwas ein „allgemeines“ Bild zu haben, ist gut, doch noch lange nicht ausreichend, wenn man diese „Allgemeinkenntnis“ in die Praxis umsetzen will. Derartiges hat in Übereinstimmung mit den gegebenen „Einzelheiten“ zu geschehen. Das heißt also, dass auch sie – diese individuellen, das jeweilige Kind betreffenden Einzelheiten – genau festzustellen sind, wozu Geduld und Beobachtungsgabe vonnöten sind.

Wohl kaum jemand wird die „Grundregeln zur Erziehung“ ablehnen. Selbst von jenen, die in völlig „asozialen“ Verhältnissen leben, werden sie akzeptieren. Das, über das so mancher stolpert, ist die Wahl der individuellen Erziehungsmethoden.

In der Regel geht es den Eltern bei der Erziehung ihres Kindes um zwei Ziele. Einmal wollen sie, dass sich ihr Nachwuchs froh und gesund entwickelt und in seinem Leben Erfolg hat. Ein gutes Ziel.

Zum anderen aber möchten sie – und dieser Wunsch ist bei einigen sehr stark ausgeprägt – dass sich ihr Kind so entfaltet und das wird, was sie sich vorstellen. Und um das zu erreichen, setzen sie ihre ganze Kraft ein. Auf Biegen und Brechen wollen sie dieses Ziel erlangen, ob ihr Sohn oder ihre Tochter die nötigen Voraussetzungen dazu mitbringen oder nicht! Selbst vor Druck und Gewalt schrecken sie dabei nicht zurück.

Eine kindgerechte, individuelle und optimale Erziehung aber ist die, die die Fähigkeiten und Besonderheiten des Kindes berücksichtigt, auf dieser quasi „aufgebaut“ ist.

Was liegt dem Kind? Was macht ihm Freude? Zu was eignet es sich? Diese Fragen müssen zunächst einmal abgeklärt werden. Dementsprechend sind ihm dann Vorschläge zu machen. Wohlgemerkt: Vorschläge, nicht Befehle! Keinesfalls darf es zu etwas, dass den Eltern „gefällt“, ihm aber nicht, gezwungen werden!

Nicht wenige sind es – und früher waren es noch mehr – die infolge ihrer Unlogik und Kurzsichtigkeit ihre Kinder zu einer Tätigkeit oder einem Beruf zwangen, der diesen so gar nicht lag und für den sie nicht die geringste Eignung mitbrachten. In den überwiegenden Fällen sind die Folgen recht betrüblich, ganz zu schweigen davon, dass der von den Eltern erhoffte Erfolg meistenteils ausbleibt. Der junge Mensch aber, der genötigterweise und ungern etwas tut und darüber hinaus noch erfolglos ist, versinkt – bisweilen – mit der Zeit in Depressionen, die sich bis zu Suizidgedanken steigern können.

Das Kindern und Jugendlichen die elterlichen Ansichten und Wünsche aufgezwungen werden, ist in etlichen Familien noch gang und gebe und geht bisweilen soweit – wir sprachen bereits darüber- dass Wünsche und Interessen der Söhne und Töchter selbst bei der Wahl des Ehepartners bzw. der – Partnerin Unberücksicht bleiben. Eine äußerst verhängnisvolle Situation....

Kurz: Ein rücksichtsloses, unerbittliches Diktat der Eltern führt zu Komplexen und Verhaltensstörungen bei dem heranwachsenden jungen Menschen, die im Laufe der Zeit immer heftiger werden, bis es dann eines Tages zur großen „Explosion“ kommt. Flucht aus dem Elternhaus, Vagabundieren, sogar kriminelle Delikte und Selbstmord. Oder aber offene und gar „tätliche“ Rebellion gegen die Eltern..., alles Erscheinungen, die aus derartigen falschen Erziehungsverfahren entstehen können.

Nicht anders ist es mit harten „Zwangsmaßnahmen“, die in Sachen „Religion und Glauben“ ergriffen werden. (Dieweil die Religion doch Zwang ablehnt und dazu aufruft, das Kind durch Verstehen, Erkennen und das gute Vorbild seiner Erziehungsbeauftragten mit Gott und Gottes Wort vertraut zu machen).

Jedenfalls, nachdem der junge Mensch den Druck, der auf ihn ausgeübt wird, nicht ertragen kann. Entledigt er sich aller „aufgelasteten“ Verpflichtungen und schlägt oftmals eine entgegengesetzte Richtung ein.

Eine große Pflicht der Eltern besteht daher darin, die Neigungen und Empfindungen ihrer Kinder herauszufinden und dementsprechend – das heißt auf Grundlage deren Interessen, Begabungen und Fähigkeiten – diese zu erziehen, zu lenken und zu beraten. Zwang und Gewalt sind kein Erziehungsmittel und führen auf längerer Sicht gesehen zu nichts als nur zu Verhaltensstörungen und Abbruch des Vertrauensverhältnisses zwischen Eltern und Kindern.

Auch in Sachen „Glauben und Religion“ ist mit Güte und Milde vorzugehen. Nur so kann das Interesse für Glaubensdinge im Kind – und zwar in selbstaktiver Form- erwachen und wachsen.

Imam Baqir (a.s) überlieferte dieses Wort des Propheten Muhammad (s.a.s):

„Das Fundament des Glaubens ist die feste, innere Überzeugung. Zwingt niemanden zu Gottesanbetung, damit ihr nicht seid wie jene Reiter, die aufgrund dessen, das sie ihre Pferde hetzen und rücksichtslos antreiben, nicht nur nicht ihr Ziel erreichen, sondern auch ihr Tier aus der Hand geben. Auf vernünftige, umsichtige Weise ist zu Gottesanbetung und – Dienerschaft aufzurufen!“

Nicht nur, dass das Kind so werden soll, wie es die Eltern wollen.., nein, manche Mütter und Väter meinen sogar, es so erziehen zu müssen, wie sie selbst eins erzogen wurden. Nach dem gleichen Schema und mit den selbigen Zielsetzungen.

Nun ist es aber so, dass das Kind für seine „Zukunft“ vorzubereiten ist. Daher gilt es, die Erwartungen von heute und gegebenenfalls von morgen, die an den Menschen gestellt werden, bei der Erziehung mitzuberrücksichtigen. Nicht die von gestern und vorgestern! Die Möglichkeiten von heute und eventuell auch von morgen sind miteinzubeziehen, denn die von gestern sind weitgehend überholt!

Was den Islam anbelangt, so bezieht er diese Realität wie auch individuellen Fähigkeiten in sein Konzept mit ein. Das heißt, ein jeder ist seinen Möglichkeiten und Begabungen gemäß gefordert. Mehr wird von niemanden verlangt. Und er betont:

Niemand ist zu etwas aufzurufen, das seine Kräfte übersteigt!

Imam Hussayn (a.s) weist auf diesen Aspekt hin:

„Die Möglichkeiten der einzelnen, ihren Glaubensverpflichtungen nachzukommen, sind unterschiedlich. Von dem, der schwächer ist, ist nicht das zu erwarten, was der Stärkere zu leisten vermag.“

Hinzugefügt sei in diesem Zusammenhang noch dieser Hinweis:

Aufgezwungenes wirkt sich ganz sicher negativ aus, doch zügellose Freiheiten, wie sie in unserer Zeit in vielen Gebieten unseres Erdenrundes zu beobachten sind, nicht weniger, wenn nicht gar mehr. Darum sollten Eltern ihren Nachwuchs weder durch Zwang und Druck „gefügig“ machen, noch ihnen uneingeschränkte Freiheiten, durch die unausbleiblich Rechte und Freiheiten anderer mit Füßen getreten werden, zubilligen.

Wissbegier

Das Tier handelt intensiv. Das heißt, sein Verhalten ist den in ihm veranlagten Naturtrieben unterworfen. Wenn es das, was es benötigt, erreicht hat, ist sein inneres Gleichgewicht hergestellt. Es gibt sich damit zufrieden und „setzt sich zur Ruhe“, bis das es erneut etwas bedarf.

Der Mensch aber hat abgesehen von seinen natürlichen, materiellen Bedürfnissen auch geistige. Das aber bedeutet, das er auch dann, wenn für sein leibliches Wohl gesorgt ist und seine materiellen Erfordernisse erfüllt sind, immer noch „strebt“. Zu seinen geistigen und in seiner Natur veranlagten Neigungen zählt seine Wissbegier. Ein elementarer Trieb, der dem Menschen seit jenem Augenblick, da er seinen Fuß in diese Welt setzte, innewohnte. Schon dem Urmenschen ging es, wenn er Hunger und Durst gestillt hatte, darum, „voranzukommen“ und über sich und die materielle als auch immaterielle Welt nachzudenken.

Und auch der heutige Mensch, der dabei ist, das Weltall zu erobern, ist trotz seiner materiellen Erfolge immer noch „durstig“. Ein tiefes Sehnen spürt er in sich. Ein Sehnen, das womöglich intensiver und drängender ist als das des Urzeitmenschen. Darum, weil sich dieser – der Urzeitmensch – um Angelegenheiten wie Sattwerden, Unterkunft finden, Schutzsuche und dergleichen sehr viel mehr bemühen musste als es heute der Fall ist.

Dem Streben und Sehnen des Jetztzeit- Menschen liegen zwei wesentliche Faktoren zugrunde:

Zum einen ist er aufgrund seines – die gesamte bisherige Menschheitsgeschichte hindurch kontinuierlich gegebenen- „Wissen- Wollen“ und Forschens vielen Wahrheiten auf die Spur gekommen. Dieses Wissen aber und das Weltbild, das er erworben hat, motiviert und intensiviert seine Wissbegier und drängen ihn, auch den Gegebenheiten außerhalb des Materiellen näher zu kommen.

Zum anderen: Ihm stehen heute Möglichkeiten und Mittel, die ihm sein materielles Dasein erleichtern, in Massen zur Verfügung. Dennoch hat er innerlich nicht zur Ruhe und Frieden gefunden. Noch immer fehlt ihm etwas. Nahezu versunken in Materialität spürt er, wie Unruhe und Unsicherheit in ihm anwachsen. Und so ist er auf der Suche nach einem Mittel, einer Medizin, die ihm Ruhe und Frieden schenkt.

Vielleicht ist die Ursache so mancher neuer Lehrer in dieser Suche nach Seelenfrieden verborgen, in dem ermüdenden und – wie es scheint – ausschließlich auf Materialität ausgerichtetem Dasein, dessen er überdrüssig geworden ist. – in seinem Verlangen nach Befreiung von knebelnden sozialen Bedingungen und Bestimmungen. Wenngleich auch – im Endeffekt nichts brachten und bringen als weitere Verwirrung...

Diese Wissbegier, dieses „Wissen- und Erforschen wollen“ ist nicht etwas, das nur die Erwachsenen betrifft, sondern auch und im Besonderen die Kinder. Von klein auf sind sie neugierig, wollen ergründen und in Erfahrung bringen.

Ebenso wie sie um gesund zu bleiben und wachsen zu können, Nahrung benötigen, bedarf auch ihr Geist ausreichende Kost. Da wir bereits eingangs darüber sprachen, wollen wir an dieser Stelle nur noch einmal in aller Kürze auf diesen Punkt hinweisen:

Die Fragen des Kindes sind nicht belanglos und ohne Bedeutung, sondern entspringen vielmehr dem natürlichen menschlichen Wunsch nach Wissen. Mit anderen Worten: Die kindliche Neugier ist nicht sinn- und zwecklos, sondern die Voraussetzung zu Begreifen und Erkennen. Darum sind die Fragen kindgerecht, das heißt verständlich und gewissenhaft zu beantworten.

Wissenschaftliche Studien ergaben, dass dem Menschen ein Streben und Verlangen innewohnt, das ihn antreibt und aktiviert. Im Rahmen von Forschungsarbeiten über seelisch- geistige Motivationen, bei denen die verschiedensten Faktoren analysiert wurden, stieß man häufig auf das „sehnen“ nach „Erkunden und Erkennen“. Es wurde zudem festgestellt, dass dieses „Erforschen- und Wissen wollen“ nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt ist, das vielmehr klaffende Unterschiede zwischen den einzelnen Personen bestehen.

Kurz: Die Wissbegier des Menschen ist weitgehend von Milieu und Umwelt, in der er lebt, abhängig. Je aufgeschlossener diese für Wissensdinge ist, umso mehr wird auch er in diese Richtung gelenkt. Auch er will forschen, ergründen, verstehen. Ist jedoch sein Lebensmilieu beengt und ohne Anregung und Impuls, so wird auch sein Wissen- Wollen nicht sonderlich „angesprochen“ und aktiviert. Das, was er weiß, genügt ihm. Damit gibt er sich zufrieden.

Mit anderen Worten: Es besteht ein Zusammenhang zwischen seiner Wissbegier und seinen Interessen. Drehen diese sich nur um sein leibliches Wohl wie Essen, Trinken, Schlafen etc. so wird sich seine Wissbegier mehr oder weniger auch nur auf diesen Rahmen beschränken. Gehen sie jedoch über diesen hinaus und gewinnt er Kontakt zu anderen Dingen, Themen und Gedanken, so wächst auch sein Wunsch, mehr wissen zu wollen.

Die Persönlichkeit des Menschen aber reift mit dessen geistiger Entfaltung. Das heißt, je aktiver, kreativer und gesunder sein Geist und seine Gedanken sind, umso mehr findet er zu „menschlicher Persönlichkeit“, zu wirklichem“Mensch-Sein“. Nur, wie bedauerlich: Viele sind es, die sich zwar der Kategorie „Mensch“ zuordnen, jedoch Tieren gleich ihre ganze Energie und schöpferischen Fähigkeiten für leibliche Belange und materielles Wohlergehen verwenden

Cronbach schreibt im Zusammenhang mit der „Erziehung und Förderung der Wissbegier“:

„Pascal“ (bekannter französischer Religionsphilosoph, Mathematiker und Physiker) war an dem Erlernen der Dinge, die mit ihm und seiner Umwelt in Zusammenhang standen, sehr interessiert. Für alles und jedes suchte er nach einem Grund. Von klein auf machte es ihm Freude, sich mit naturwissenschaftlichen Themen zu befassen und darüber nachzudenken. Seine Genialität auf dem Gebiet der Geometrie zeigte sich schon, als er noch keine zwölf Jahre alt war. Sein Vater wollte, dass er, bevor er sich intensiver mit der Mathematik befasst, Sprachen lernte, weshalb er sämtliche mathematischen Abhandlungen aus seiner Reichweite entfernte. Auch vermied er es, in Anwesenheit seines Sohnes mathematische Probleme zu erörtern. Jedoch seine Sohnes für Mathematik nicht zu dämmen.

Pascal bat seinem Vater, Ihn in mathematischen Fächern zu unterrichten. Sein Vater lehnte dieses ab.

Pascal mathematisches Interesse aber lies, ihn nicht los. Ständig war er in Gedanken mit rechnerischen Fragen beschäftigt. Mit Kreide beschrieb er die Wände seines Zimmers mit mathematischen Problemen und Skizzen, bis dass er schließlich vollständige Beweisführrungen für geometrische Gegebenheiten erkannte.

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