Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Kinder und Angst

Schatten des Lebens

Der Mensch ist von klein auf, durch alle Lebensphasen hindurch bis ins hohe Alter hinein, nie frei von Angst. Etwas ist immer, vor dem er sich fürchtet..., nur mit dem Unterschied, dass die Ängste verschiedener Art sind.

Einmal ist es die Dunkelheit, die ihm – meistens im Kleinkindalter – unheimlich ist und in ihm Furcht auslöst, ein anderes Mal eine gefährliche Krankheit. Dann wieder ist es die Angst vor Armut, Krieg, Atombomben. Erdbeben und sonstigen Naturkatastrophen und schließlich die Angst vor dem Alter, Alleinsein und dem Tod. Wohl niemand ist anzutreffen, der in seinem Leben das Gefühl der Angst nicht kennengelernt hätte.

Der Höhlenmensch. Dem Möglichkeiten und Mittel so gut wie nicht gegeben waren, fürchtete sich vor vielem. Und auch der Mensch des goldenen Zeitalters der Technologie ist von Ängsten nicht verschont.

Jedoch im ganzen Verlauf der Geschichte war bzw. ist dieses beobachtet:

Ist jemand gläubig, das heißt von tiefem, echten Gottesglauben durchdrungen, so fechten ihn viele Ängste, die die Menschen seiner Zeit beunruhigen, nicht an. Wohl aber eine andere Art von Angst und zwar die Furcht, zu sündigen und dadurch Gottes Zorn zu erregen und mit unangenehmen Ergebnissen im Jenseits konfrontiert zu werden.

In dieser Zusammenfassung sei daran erinnert, dass im Heiligen Koran – dort, wo die Guten beschrieben werden- unter anderem auf diese ihre Besonderheit hingewiesen wird, nämlich:

„Sie fürchten sich nicht, haben keine Angst“

Mit anderen Worten: Nur wirklich gute und hervorragende Menschen sind es, denen Angst und Furcht vor irdischen Unbilden nichts anhaben!

Angst und Selbsterhaltung

Jene Angst, die dem Selbsterhaltungstrieb entspringt, dient dem Schutz des Lebens. Wenn diese Form der Angst nicht wäre, würden sich die Menschen beispielsweise nicht vor wilden Tieren und Naturkatastrophen in Sicherheit bringen.

Ganz abgesehen davon sind es noch lange nicht alle, die sich bereitwillig und gern an die in ihrer Gesellschaft herrschende Gesetzesordnung halten, sondern mehr oder weniger Notgedrungenerweise, da sie wissen, das sie bei Zuwiderhandlung vor den Kadi zitiert werden. Wie dem auch sei, auch diese Angst oder Besorgnis dient dem Wohle des einzelnen als auch der Gesellschaft.

Das heißt also: Ängste dieser Art sind dem Menschen und seiner Sicherheit durchaus von Nutzen.

Naturbedingt oder erworben?

Das Thema, ob „Angst“ naturbedingt ist oder erworben, wird immer wieder aufgeworfen. Mit Recht, da dieser Frage in der Kindererziehung eine relativ wichtige Rolle zukommt, denn es gilt zu wissen bzw. zu ergründen, ob die Furchtsamkeit eines Kindes zu verhindern oder als „natürlicher Selbstschutz“ zu betrachten ist. Allerdings, wesentlich sollte uns in erster Linie sein, das unser Kind nicht von Ängsten geplagt ist und unbeschwert und glücklich heranwachsen kann. Zu einem zuversichtlichen, lebensfrohen und couragierten Erwachsenen.

Dazu aber gehört, dass wir darüber Kenntnis haben, das viele Ängste – wie zum Beispiel die „Furcht vor Dunkelheit“ – „erworben“ sind. Dieses wird seitens der modernen Psychologie bestätigt, ebenso wie die Tatsache, das sich das Kind in bestimmten Fällen und Situationen naturgemäß fürchtet, besser gesagt: erschrickt. Beispielsweise bei Schmerzen, bei einem plötzlichen lauten Geräusch oder wenn es seinen Halt verliert und abzustürzen droht.

Das Kind mit irgendwelchen Dingen zu ängstigen, - z.B. mit „gespenstern“ oder mit der Dunkelheit (in der es alleine zurückgelassen wird, um es zu verwarnen), mit finsteren Abgründen, Höhlen, Gruben, Kerkern und derlei Unfug – spricht von hochgradiger Dummheit. Leider gibt es auch heute, in unserer aufgeklärten Zeit, immer noch jene, die sich solcher Methoden bedienen und damit der Psyche des Kindes großen, oftmals nicht wieder gut zu machenden Schaden zufügen.

Glaube und Furcht

Eingehende Studien lassen erkennen, dass die Ursache für so manches Übel wie Betrug, Brutalität, Vergewaltigung, Raub, Mord und Tyrannei in Glaubendlosigkeit zu suchen ist.

Ein gläubiger Mensch, der sich an Gottes Wort gebunden fühlt, wird sich von derlei Hässlichkeiten fernhalten. Und es dürfte wohl kein Zweifel darüber bestehen, dass echtem Gottglaube und die Ehrfurcht vor Gott jene Stärke und Entschlossenheit, Versuchungen erfolgreich standhalten zu können, schenken.

Abgesehen davon hilft der Glaube auch gegen Ängste verschiedener Art. Der Glaubende wird sich niemals vor Geistern, Gespenster und ähnlichem fürchten. Ebenso wird er der Angst vor Armut, Krankheit und Tod den Zugang zu sich verwehren. Daseinängste kennt er nicht und „Roboterhorror“ ist ihm fremd. Die erstaunliche und bisweilen geradezu „schwindelerregende“ Technologie des Weltraumzeitalters jagt ihm kein Grauen ein, sondern lässt ihn vielmehr hellhörig und wachsam werden, um bei Gegebenheit vor Missbrauch zu warnen oder – nach Möglichkeit – dagegen etwas zu unternehmen. Denn: Fortschritt und Technologie sind gut! Vorrausgesetzt, dass der Mensch (bzw. die Menschheit) dadurch keinen Schaden nimmt. Das heißt also: das Grauen und Ängste bezüglich einer im Dienste des Lebens stehenden Wissenschaft und Technik fehl am Platze sind, - etwas, dessen sich der Glaubende bewusst ist.

Darum ist angezeigt, das Vater und Mutter ihrem Kind von klein auf Gottvertrauen und jenen Trost und Jene Kraft, die im Glauben ruhen, vermitteln. Mit dem Resultat, dass es sich – gestützt auf seinen Glauben und sein Gottvertrauen- nicht nur von Hässlichkeiten distanziert, sondern zu einem zuversichtlichen, frohen und freiheitlichen Menschen heranwächst.

Ein Blick in die gesamte islamische Geschichte gibt Aufschluss darüber, dass sich jene, die von echtem Glauben an Gott und Seine Allmacht und Güte durchdrungen sind, in der Praxis weitaus kühner und gewappneter erweisen als Glaubenslose und – schwache. Bestes Beispiel hierfür sind Tapferkeit, Kraft und Entschlossenheit der Muslime, wenn sie sich ihre Feinde zu erwehren haben.

Wie ist Angst zu heilen?

Einige sind der Meinung, dass der Ängstliche mit dem, vor dem er sich fürchtet- Auge in Auge – konfrontiert werden müsse, damit er seine Furcht verliere.

Wenn sich ein Kind beispielsweise vor dem Wasser fürchte, sei es mehrmals hineinzuwerfen, bis ihm die Angst verginge.

Selbstredend ist diese Methode keine erfolgreiche und niemals zu empfehlende. Darum, weil das Kind dadurch ungeheurem psychischen Stress ausgesetzt wird, der seine Angst nicht nur nicht heilt, sondern sie aller Wahrscheinlichkeit nach intensiviert.

Heute werden die Ängste des Kindes unter Anwendung psychologischer Ereignisse und Praktiken behandelt und nach und nach beseitigt, ohne dass das Kind in Stresssituationen kommt.

Ein Beispiel hierzu: Der Psychologe Dr. Eysenck heilte ein Kind von seiner Phobie vor Katzen in folgender Weise:

Er nahm Gegenstände, die mit einer Katze in etwa Ähnlichkeiten hatten und stellte sie in einer Entfernung von dem Kind auf. Zunächst die, die weniger katzengleich waren. Mit aller Geduld und Freundlichkeit animierte er nun das Kind, sich ihnen zu nähern, dann, sie zu berühren. Nach dieser Methode ging er – Schritt für Schritt – vor, bis das er dem Kind aus einiger Entfernung eine lebendige Katze zeigte und es in der Lage war, diese ohne jegliche Angst zu streicheln.

Abschließend noch dieses: Um unsere Kinder gut zu erziehen, ist es wichtig, alles, das in ihnen Angst auslösen könnte, zu vermeiden.

Folgende Punkte sollten also unbedingt beherzigt werden:

-        Das Kind von klein auf im Geiste des Glaubens zu erziehen und ihm Kraft und Zuversicht, die der Glaube an Gott schenkt, Nahezubringen.

-        Im Kind die Freude an sinnvoller Tätigkeit und Arbeit zu wecken.

-        Es niemals Angst und Schrecken zu versetzen!

-        Es keinesfalls, bevor es nicht die Bereitschaft dazu erreicht hat, zu einer Aufgabe oder Arbeit zu nötigen, damit es nicht in Furcht und Panik gerät.

-        Unter keinen Umständen ein ängstliches Kind seiner Furchtsamkeit wegen zu hänseln oder zu rügen.

-        Es ist ihm in jeden Fall die Gelegenheit zu geben, mit dem, vor dem es sich fürchtet, Schritt für Schritt und ohne Zwang und Gewalt vertraut zu werden.

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