Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Kinder und Eigensinnigkeit

„..sie wurden dennoch in ihrer Aufsässigkeit trotzend verharren.“ (Sure 23, aus Vers 75)

Eigensinnigkeit, Trotz….

Etwas, das bei so manchem Kind recht ausgeprägt in Erscheinung tritt, ist Eigensinnigkeit. Und diese, diese Eigensinnigkeit, kann bisweilen das Familienleben arg belasten. Dass, was es will, möchte es unter allen Umständen durchsetzen. Dabei ist das, was es auf Biegen und Brechen zu erreichen sucht, im Grunde zweitrangig. Wichtig ist ihm, das es sich behauptet, unter allen Umständen! Und für Vater und Mutter sind seine Hartnäckigkeit und Sturheit, mit der es sein Ziel verfolgt, unendlich strapaziös und geradezu nerventötend. Wenngleich sie und alle, die mit dem Kind zu tun haben, es von Herzen mögen, so stört sein Verhalten doch recht empfindlich die Beziehung zu ihm.

Um seinen Kopf durchzusetzen, ist es nicht bereit, gutgemeinte Erklärungen und Ansichten anderer auch nur anzuhören. Was immer jemand ihm auch sagt, es fällt ihm ins Wort. Es geht ihm nicht einmal darum, anderen verständlich zu machen, warum es dieses oder jenes unbedingt möchte bzw. ablehnt. Es will! Und das ist ihm Grund genug.

Wenn es älter geworden ist, tritt diese Eigenschaft noch weitaus unerfreulicher zu Tage. Oftmals gepaart mit starrer, arroganter Rechthaberei bzw. Besserwisserei. Was immer man in seiner Gegenwart sagt, es hat etwas dagegen einzuwenden. Erhebt Einspruch, besser gesagt: Wiederspruch. Will zeigen, dass es nicht einverstanden, das es „kontra“ ist. Es kritisiert zumeist deplatziert und nicht selten in degradierender, verletzender Weise.

Wie gesagt: Seine Einwände sind überwiegend nicht fundiert, sondern ungerecht und zeugen von seinem Unverstand. Unkontrolliert sind seine Worte und ohne jegliche Rücksichtnahme und Disziplin verstößt es gegen Würde und Meinungsfreiheit anderer. Das, was für es Wert hat, ist einzig und allein sein Wort! Alles andere zählt nicht.

Imam Ali (a.s) mahnte:

„Eigensinnigkeit und Rechthaberei verderben das Denken!“

Ist es angeboren, ererbt?

Zweifellos sind Mentalität und Charakter der Eltern nicht ohne Einfluss auf das Kind. Sie gehen als erste, wenn auch nur winzigkleine Voraussetzung für die Wesensart des Kindes auf dieses über. Ob diese „erste, winzigkleine Vorrausetzung“ jedoch zur Entfaltung kommt und merklich in Erscheinung tritt, hängt weitgehend von den Bedingungen des Milieus, in dem das Kind aufwächst, ab.

Wenn es von pädagogisch geschulten Eltern und Lehrern erzogen wird und Umwelt und Bedingungen diese in ihm schlummernden Voraussetzungen nicht aktivieren, werden sie sich auch nicht nennenswert entwickeln.

Sind aber Bedingungen und Milieu dergestalt, das besagte „Voraussetzungen“ gefördert werden, so stehen ihnen zum Durchbruch Tot und Tür offen.

Das hier mit „Bedingungen und Milieu“ die verschiedensten Faktoren gemeint sind – einschließlich gesundheitlicher, geistiger- seelischer, gefühls-, erziehungs-, Umwelt – und selbst ernährungsbedingter – dürfte wohl niemandem unbekannt sein. Es gilt also, für geeignete, kind- und erziehungsgerechte Bedingungen zu sorgen und zu wissen:

Das Kind kommt nicht als widerspenstiges, störrisches Menschlein zur Welt, sondern mit einem reinen, guten Urwesen. Einflüsse und Bedingungen seines Lebensmilieus sind es, die es zu einem „umweltfreundlichen“, klugen und konstruktiven Menschen werden lassen, oder aber es so belasten, dass es als Querulant, als eigensinniger, störrischer, rechthaberischer und egoistischer Starrkopf in die Gesellschaft eintritt.

Zu den Ursachen:

Eine einzige Ursache allein ist es nicht, die die Widerspenstigkeit des Kindes auslöst, sondern zahlreiche Gründe und Faktoren sind dafür verantwortlich. Auf einige wollen wir – als Beispiel – eingehen:

Extreme Zuwendung

Dafür können besondere Gründe vorliegen, wie: Einzelkind, lange, schwere Krankheit oder sonstige Ausnahmesituationen, die die Eltern und Angehörigen veranlassen, dem Kind übertriebene Aufmerksamkeit zu schenken, es grenzenlos zu verwöhnen und ihm jeden Wunsch – auch wenn dieser noch so unvernünftig sein mag – zu erfüllen.

Mit dem Resultat, dass das Kind maßlos in seinen Erwartungen und Forderungen wird und mit Protest, Eigensinn und Uneinsichtigkeit reagiert, wenn sie und seine „Anweisungen“ einmal nicht verwirklicht werden sollten.

Es versteht sich von selbst, dass sich Kinder, die so „verhätschelt“ und „verzogen“ werden, an diesen Zustand gewöhnen und erwarten – und dieses nach und nach als ihr Recht betrachten! – das ihren Forderungen Genüge getan wird.

Entbehrungen...

In allen Altersstufen hat das Kind Bedürfnisse. Ebenso wie es stets Nahrung und Kleidung benötigt, braucht es auch die Gelegenheit und Möglichkeit zu Spiel und Erholung.

Einige Eltern kommen infolge von Unwissenheit oder Gleichgültigkeit – bisweilen auch in der Annahme, das Kind habe zu lernen, nicht aber zu spielen – dieses seinem ganz natürlichen Bedürfnis nicht nach. Spielen oder gar Spielzeug sind tabu!

Und es gibt Familien, in denen dem Kind keinerlei Zuwendung und Liebe entgegengebracht wird, dieses in ständiger Unruhe und Sorge dahinlebt und das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit nicht kennerlernt. Wie traurig ist es, zu hören, das dieses oder jenes Kind sich als „unerwünscht“ und „überflüssig“ im eigenen Elternhaus empfindet.

Das, was es dort erfährt, sind Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit oder aber Rohheit ihm gegenüber..., sind Streit, Zerwürfnis, Schlägerei, Hohn und Schimpfworte.

Offensichtlich ist, dass es sich angesichts derartig zerrütteter Familienverhältnisse und gravierender Entbehrungen an Liebe und Geborgenheit nicht entfalten kann, dass in ihm Komplexe und oftmals ein Höchstmaß an Widerspruch und Trotz hervorgerufen werden.

Auch gibt es Eltern, die ihren Kindern – entgegen aller Vernunft – nicht ein Minimum an Freiheit gewähren und sie stattdessen so stark einengen und unter Druck setzen, dass sie in ihrer Hilflosigkeit und in dem völlig natürlichen Verlangen, sich zu wehren, in Rebellion und Widersetzlichkeiten Zuflucht suchen. Hin und wieder nimmt ihre „Aufsässigkeit“ gefährliche, Kriminelle Ausmaße an.

Was sagt der Islam dazu?

In sämtlichen seiner Weisungen und Gebote wird dieses deutlich: Der Islam weist alles, das zu Feindseligkeit, Unfrieden, Lieblosigkeit, Zerwürfnis und Trennung führt, zurück und ruft dazu auf, diesbezügliche Faktoren und Ursachen aus dem Weg zu schaffen. Er empfiehlt zudem, selbst potentielle Gründe, die möglicherweise Feindschaft verursachen können, zu vermeiden.

Von Imam Baqir (a.s) ist dieses Wort:

„Meide Streit und Fehde, auch wenn du im Recht bist!“

Wie sind Eigensinnigkeit oder Widerspenstigkeit zu heilen?

Eigensinnigkeit oder Widerspenstigkeit jüngerer Kinder sind nicht so ganz leicht zu „behandeln“. Auch hier gilt es, klug, gründlich und mit Fingerspitzengefühl zu Werke zu gehen. Anders, das heißt mit brutaler Gewalt vorgehen zu wollen, wäre nicht nur völlig zwecklos, sondern würde das Kind noch tiefer in Starrköpfigkeit und Trotz hineinmanövrieren.

Ebenfalls ist es nicht angebracht, trotzige Kinder einfach gewähren zu lassen und ihnen sämtliche Freiheiten einzuräumen.

Möglich, dass wir auf diese Weise vor dem Gebrüll unserer Kinder verschont bleiben und unsere Ruhe haben. Vorläufig wenigstens. Doch auf die Dauer gesehen?

Beide Methoden sind unqualifiziert und ohne pädagogisches Gewährenlaßen.

Dadurch würde der Trotz nicht „gebrochen „ oder beseitigt, sondern an Intensivität zunehmen.

Ganz abgesehen davon:

Körperlich Züchtigung ist niemals ein Erziehungsmittel!

Es gilt vielmehr, sämtliche Faktoren, die das Kind zu Trotz und Widerspenstigkeit veranlassen, beiseite zu schaffen, damit es zu Ausgeglichenheit und Ruhe kommen und seinen Eigensinn at acta legen kann.

Der beste Weg aber ist, seinen Starrsinn und Trotz – dem Schein nach – nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wie gesagt: Dem Schein nach und ohne, dass Vater und Mutter sich hilflos seinem Willen Fügen oder aber von Gewalt und Strafen Gebrauch machen!

Mit Geduld, freundlicher Festigkeit, Klugheit und Fingerspitzengefühl werden sie es schaffen........

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