Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Kinder und Verantwortung

Erfolg im Gesellschaftlichen Leben

Global gesehen gibt es zwei Erziehungsebenen. Die eine betrifft die ethische Entwicklung des Menschen, das heißt das Aufwecken und Intensivieren dessen guten Eigenschaften, so dass er zu einer guten Gesinnung findet.

Die andere ist auf das Sozialverhalten des einzelnen, mit anderen Worten, auf seinen Bezug zur Umwelt abgezielt, auf die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der Erziehende versucht, im Kind das notwendige Verständnis für seine Umwelt hervorzurufen, ihm die Grundlagen zu einem gesunden Miteinanderleben in der Gemeinschaft Nahezubringen und in ihm Verantwortungsgefühl für andere und anderes zuwecken. Es muss lernen, Verantwortung zu übernehmen, um in seinem späteren sozialen Leben erfolgreich sein zu können und sich andererseits vor Verpflichtungen und Verantwortung nicht zu fürchten.

Das Kind ist „gehemmt“?

Jeder weiß: Auch das Leben in der Gesellschaft erfordert – so es ein erfolgreiches sein soll – gewisse Kenntnisse und genügend Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen. Der, dem dieses abgeht, tut sich im Miteinander mit den Mitmenschen – wo auch immer! – schwer. Selbst „hochstudierte“ Leute, junge Akademiker z.b. die gerade die Hochschule verlassen haben und die ersten Schritte ins Arbeitsleben – inmitten der Gesellschaft – setzen, sind mitunter zunächst einmal frustriert, wenn sie erleben müssen, das ihnen ein rechter Kontakt zu ihren Kollegen nicht gelingen will. Da nützt auch nicht der höchste akademische Grad! Hier ist ein anderes Wissen, eine andere „Reife“ vonnöten...

Der Grund dafür, dass ihr Verhältnis, ihr Bezug zu den anderen gestört ist, ist in ihrer unausreichenden, besser gesagt: „einseitigen“ Erziehung zu suchen. Das, auf was in ihrer Kindheit und Jugendzeit Wert gelegt wurde, war ihre Intelligenz..., war, dass sie lernten, in der Schule Erfolg hatten und gute Zeugnisse nach Hause brachten. Für ihre „Sozialerziehung“ wurde nichts oder nur wenig getan. Sie blieb auf der Strecke...

Kinder, die so erzogen werden, finden später, wenn sie das recht begrenzte Milieu von Elternhaus und Schule verlassen und in die Gesellschaft eintreten, nicht zurecht. Darum, weil ihnen die Grundlagen zu einem konstruktiven Miteinanderleben und Miteinanderarbeiten in größerem Rahmen fehlen. Sie scheuen sich, ihnen aufgetragene Arbeiten selbstständig auszuführen und geraten geradezu in Panik, wenn man ihnen die Verantwortung für irgendetwas überträgt. Sie möchten lieber im „Schlepptau“ anderer leben, nicht aber aktiv, initiativ bzw. kreativ mit ihnen.

Von daher gesehen ist es wichtig, das: Vater und Mutter darauf achten, das ihr Kind – mit Hilfe der wenn auch begrenzten Möglichkeiten im Elternhaus – von früh auf mit den Grundregeln zu einem intakten sozialen Leben vertraut gemacht wird, damit es für sein späteres Leben in der Gesellschaft vorbereiten kann.

Kind und Verantwortung

Viele Kinder, ob Mädchen oder Jungen, möchten zu Hause etwas tun, irgendeine Arbeit erledigen. Kleine Mädchen haben eine Vorliebe dafür, Wäsche zu waschen, Geschirr zu spülen oder gar Essen zu kochen. Sie möchten mithelfen. Möchten beim Aufräumen oder Saubermachen miteinbezogen werden, ganz besonders, wenn es um das Ausschmücken der Wohnung geht....

Ebenso ist es bei den Jungen. Sie freuen sich, wenn sie irgendwelche handwerklichen Arbeiten in Haus und Hof selbstständig verrichten dürfen.

Auch bei den Schulkindern, in der Schule, ist diese Neigung festzustellen. Die Bereitschaft, mitzuhelfen und sich nützlich zu machen, ist unter Schülerinnen und Schülern groß. Wenigstens bei recht vielen. Sie übernehmen gern Verantwortung für dieses oder jenes und kommen dieser dann auch gewissenhaft und voller Hingabe nach, - in der Bibliothek zum Beispiel, im Labor, als Klassensprecher oder um leistungsschwachen Mitschülern durchgenommenen Unterrichtsstoff begreiflich zu machen.

Doch es gibt auch jene Kinder, die sich vor jeder Aufgabe und Verantwortung scheuen und bisweilen auch „drücken“ möchten. Und wenn sie mit etwas beauftragt werden, so erledigen sie es oftmals unzureichend und ziehen sich so schnell wie möglich wieder zurück.

Sie gehören zu jenen, in denen ein gesundes Verhältnis zur Umwelt nur schwach ausgeprägt ist. Und forscht man nach, macht man häufig die Feststellung, dass es mit ihrer Sozialerziehung im Argen liegt und sich demzufolge ihr soziales Empfinden nicht zu entfalten mochte. Diese Kinder werden, wenn sie herangewachsen sind – trotz möglicherweise bester Schulabschlüsse und dergleichen – nur wenig erfolgreich sein und somit ihr wertvolles akademisches Wissen nicht optimal einsetzen.

Kurz: Es liegt an uns, das in unserem Kind veranlagte natürliche Sozialbewusstsein zu fördern, nicht aber „einzuschläfern“.

Ganz sicherlich haben wir, so unsere Eltern – Kind – Beziehung eine gute und gesunde ist, die Feststellung gemacht, das es oftmals völlig freiwillig und gerne eine Arbeit, einen Auftrag übernimmt. Darum, um uns, seinen Eltern – die wir ihm (normalerweise) das Liebste und Wichtigste in seinem jungen Leben sind – eine Freude zu machen, - zum anderen, um uns auf sein Können und seine „Wertigkeit“ aufmerksam zu machen. Bisweilen ist es sogar zu recht schweren und komplizierten Aufgaben bereit und strengt sich nach Kräften an, sie so gut wie möglich zu erledigen. Freuen wir uns darüber, erkennen wir es an und sehen wir darin ein Zeichen seiner gesunden Persönlichkeitsentwicklung.

Großer Irrtum

Anstatt diesem völlig natürlichen Bedürfnis ihres Kindes Beachtung zu schenken und es nun mit kleineren Aufgaben zu betrauen, um dadurch sein Verantwortungsgefühl als auch sein gesundes Selbstverstrauen zu fördern und in der rechten Weise zu lenken, hindern so manche Eltern es daran, eine „Arbeit“ zu übernehmen. Aus Angst davor, es könnte sie schlecht ausführen, etwas dabei zerbrechen oder ähnliches...

Das aber ist ein großer Irrtum, da sie dadurch die Bereitschaft des Kindes, Positives zu tun, Verantwortung zu übernehmen und sich zu aktivieren, von vornherein unterbinden und untergraben. Es gilt daher, dem Kind immer wieder die Gelegenheit zu geben, eine Aufgabe anzunehmen und zu versuchen, diese auch auszuführen. Dieses ist der erste Schritt und die Prämisse dazu, in ihm Verantwortungsbereitschaft zu wecken.

Ist Verantwortungsbereitschaft erlernbar?

Hier stellt sich die Frage, ob die Bereitschaft des Kindes mitzuhelfen und Aufgabe und Verantwortung zu übernehmen, natürlich und in allen Kindern „veranlagt“ ist oder nur in einigen?

Ohne Zweifel, diese Bereitschaft und Neigung ist mehr oder weniger allen Menschen gegeben. Wenn das Milieu, in dem das Kind aufwächst und erzogen wird, geeignet ist, wird sich diese ganz natürliche Veranlagung entwickeln und reifen können. Wird aber in Elternhaus und Schule – also in seiner Umwelt – diese Neigung nicht gefördert und gar blockiert, so wird sie nach und nach erlöschen.

Mit anderen Worten: Die Bereitschaft, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen, ist in jedem Kind vorhanden. Ob sie jedoch geweckt und unterstützt wird oder aber erlischt, liegt in der Hand seiner Eltern und Lehrer, das heißt jener, die für seine Erziehung zu sorgen haben.

Vater und Mutter haben folglich darauf zu achten, das sie ihrem Kind nicht verwehren, kindgerechte Aufgaben und Verantwortung für etwas zu übernehmen, da dieses zu Schwierigkeiten in seinem späteren Erwachsendasein, in seinem Leben in der Gesellschaft führen würde.

Ebenso wie die Kinder Laufen lernen und dabei hinfallen und Beulen und Schrammen in Kauf nehmen müssen, ist es auch mit ihrem Sozialverhalten. Auch dieses muss gefördert und „trainiert“ werden, was unter anderem erfordert, das wir dem Kind Arbeiten und Aufgaben anvertrauen, um sein Pflichtgefühl und Verantwortungsempfinden zu schulen und zu aktivieren. Auch wenn es dabei Scherben gibt! Kein Meister fällt vom Himmel, vergessen wir das nicht! Das Scherben-, Fehler-, und Erfahrungsmachen gehört nun einmal zum Lernens-

Gespräch in dieser oder ähnlichen Form erfolgen nahezu in allen Familien und zwar recht häufig:

Lass mich das machen!

Nein, das kannst du noch nicht!

Doch, ich kann!

Nein, du bist noch zu klein“ Du hast das noch nie gemacht!

Es geht in die Brüche! Wenn du größer bist dann...

Und so fort....

Das sie auf Dauer gesehen damit die Neigung ihres Kindes nach Initiative, Kreativität, Selbstständigkeit, Verantwortung, Leistung- Erbringen, Selbstbesttätigkeit und dergleichen abdrosseln, ist den Eltern, die so reden, nicht bewusst.

Statt so zu reagieren, wäre es gewiss sinnvoller, diese Bereitschaft des Kindes pädagogisch zu nutzen und es – im Interesse der Förderung seines Sozialverhaltens – mit Aufgaben, die es erfüllen kann, zu betrauen. Auch wenn dabei möglicherweise etwas zerbricht.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zudem dieser Punkt:

Geht bei dem Bemühen des Kindes, eine Arbeit auszuführen, etwas entzwei oder gelingt es ihm nicht so, wie es möchte und es sein sollte, wäre es grundverkehrt, es nun zu tadeln oder gar zu schelten. Richtig ist in einem solchen Fall, ihm mit Geduld und Freundlichkeit zu sagen und möglichst zu zeigen, „wie man es macht“ sowie es durch Bestätigung seiner Persönlichkeit und Fähigkeiten zu neuen „Versuchen“ anzuspornen.

Darum, damit es sein Selbstvertrauen nicht verliert und sich in Zukunft nicht scheut, eine Aufgabe zu übernehmen.

Kinder, die nicht von Anbeginn auf das soziale Leben vorbereitet werden, können ein positives, konstruktives Verhalten für ihr Miteinander und Mitarbeiten in der großen Gesellschaft später nur noch mühsam erlernen, da sie bereits „geformt“ sind. Sie „umzuformen“ und ihnen nun erst das „How-Know“ für ihr Leben in der Gesellschaft vermitteln zu wollen, ist ein schwieriges Unterfangen und verbunden mit Enttäuschungen und Frust für den jungen Menschen.

Noch einmal: Zu den wesendlichen Pflichten der Eltern und Lehrer des Kindes zählt, das sie sein „Sozialbewusstsein“ wecken und unterstützen. Indem sie es mit kindgerechten Aufgaben betrauen und dabei pädagogisch richtig vorgehen, stärken sie sein Verantwortungsempfinden und Selbstvertrauen und fördern seine Fähigkeit, später – als Erwachsener in der Erwachsenwelt – größere Verantwortungen übernehmen und ihnen gerecht werden zu können.

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