Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Lernen wir unsere Kinder kennen!

Warum?

Vorbedingung zum Erfolg sind ganz allgemein und in erster Linie genügend Kenntnisse und das richtige Verständnis zur Sache. Um etwas zu erreichen, ist es daher – ganz abgesehen von den Anstrengungen, die dazu unternommen werden – wichtig, über die Wege, die zu diesem Ziel führen, Bescheid zu wissen. Jemand, der zum Beispiel den Gipfel eines Berges erklimmen will, hat nicht nur gesund, kräftig, trainiert und ausgerüstet zu sein, sondern muss selbstverständlich auch ausreichend über Technik und Kniffe des Bergsteigens im Bilde sein. Oder ein Arzt..., er wird zunächst einmal die Anamnese der Krankheit seines Patienten in Erfahrung bringen, die erforderlichen Ergebnisse und Hinweise, das vorliegende Leiden feststellen und nun mit der Therapie beginnen.

Voraussetzung also : Gewusst wie...

Einige verstehen unter Erziehung, dass bestimmte Entwicklungen bzw. Veränderungen in Geist, Gesinnung oder Verhalten des Menschen hervorgerufen werden. Andere meinen, Erziehung sei mehr oder weniger ein allmählicher, natürlicher und sich von selbst vollziehender Reifeprozess sämtlicher menschlicher Kräfte und Begabungen. Doch wie auch immer:

Vorrausetzung zu einer erfolgreichen Erziehung ist, das entsprechende Fähigkeiten und Kenntnisse vorhanden sind.

 Zudem : Eltern, Lehrer, Pädagogen.., kurz, alle, die „erziehen „ bzw. „bilden“ wollen, müssen über entsprechende pädagogische Eignung hinaus auch Wissen über die physische und physische Verfassung dessen, der „ erzogen „ oder „ gebildet „ werden soll, besitzen. Eignung und Kenntnis sind immer – in welchem Metier und zu welcher Tätigkeit auch immer – vonnöten. Insbesondere dann, wenn es die Erziehung des Menschen ist. Dieses komplizierte Wesen betrifft, das „ einmalig“ ist. Nicht einmal zwei Menschen auf der großen weiten Welt sind zu finden, die in ihrem Wesen völlig gleich wären.

Somit also: Ebenso wie jeder eine eigene Persönlichkeit ist mit spezifischen physischen und physische- geistigen Besonderheiten, ist auch zu seiner Erziehung ein individueller Weg einzuschlagen.

Wissensniveau

Es gibt verschiedene Wissensgrade . Das heißt, die Kenntnis über etwas ist entweder oberflächlicher Art oder aber gründlich, „ tiefgehend“. Wenn zum Beispiel ein Lehrer, ohne über die Hintergründe Bescheid zu wissen scheint, lediglich feststellt, das sein Schüler „ lernfaul „ oder aber ständig in Raufereien verwickelt ist, so ist seine Kenntnis „oberflächlich „. Er sieht nur die „ Unzulänglichkeit „ des Kindes, nicht aber den Grund dafür...

Von „tiefgehender„ Kenntnis sprechen wir dann, wenn der Grund für etwas, zum Beispiel für die „Lernträgheit„ eines Kindes, erkannt wird. Ist es tatsächlich lernschwach oder aber mit Problemen belastet, die es an konzentriertem Lernen hindern? Und falls es sich ständig mit anderen rauft und prügelt…, sind dafür ein ungeeignetes Milieu im Elternhaus verantwortlich zu machen oder sonstige Umweltfaktoren?

Reagiert es möglicherweise bittere Erfahrungen und dadurch heraufbeschworene Komplexe durch rüdes, rohes Verhalten ab?

Jedenfalls: Kenntnistiefe ist bei der Erziehung des uns anvertrauten Kindes unbedingt erforderlich. Der Lehrer muss wissen, warum sein Schüler Klassenkameraden den Bleistift wegnimmt und in seiner eigenen Mappe verschwinden lässt. Er hat sich darüber zu informieren, warum dieses oder jenes Kind in Lügen Zuflucht sucht. Hat es vielleicht zu Hause gelernt, die Unwahrheit zu sagen? Oder aber ist es seine Angst vor harten Strafen des Lehrers, die es dazu veranlasst?

Stellt der Lehrer fest, das sein eigenes barsches bzw. intolerantes Vorgehen das Kind in Lügen treibt, so wird er tunlichst seine Methode ändern und sich nachsichtiger und verständnisvoller verhalten. Mit dem Resultat, das sich seine Schüler in Zukunft nicht mehr hinter Unwahrheiten verstecken, sondern den Mut haben, die Wahrheit rundheraus zu sagen, ohne sich zu fürchten. Ist es aber so, dass die Atmosphäre im Elternhaus das Kind zur Lüge nötigt, so kann er es nur dann zu Wahrheitsliebe erziehen, wenn auch die Eltern dabei mithelfen...

Es versteht sich somit von selbst, das zu einer erfolgreichen Erziehung sowohl Kenntnis über die verschiedenen pädagogischen Möglichkeiten als auch über das Kind selbst, dessen Charakter und Umwelt erforderlich sind. Wollte ein Lehrer seine Schüler alle nach ein und dem gleichen Schema – das heißt über einen Kamm geschoren – erziehen, so käme das gleiche dabei heraus, als würde ein Arzt seine Patienten nur mit ein und dem gleichen Medikament heilen. Etwas, das ganz sicher ein Unding wäre!

Erziehung früher......

Früher glaubte man, es genüge, sein Kind zur Schule zu schicken, um es dort mit vielen anderen Schülern, im Rahmen einer „Einheitsmethode„, erziehen und unterrichten zu lassen. Man nahm an, dass ein Kind, das zur Welt kommt, mit Begabung zu allen Dingen und Tätigkeiten ausgerüstet sei.

Fiel dem armen Kind aber das Lernen schwer, blieb es gar sitzen unter anderem, so wurde der Grund für sein Versagen in der Regel allein bei ihm gesucht.

Heute ist das anders. Aufgrund wissenschaftlicher Fortschritte auf dem Gebiet der Psychologie und Pädagogik hat man erkannt, dass sich die Menschen hinsichtlich ihrer geistigen und psychischen Qualitäten, Begabungen und Fähigkeiten unterscheiden. Weder Kinder noch Erwachsene sind über einen Kamm zu scheren und dieses trifft somit ebenfalls für die Erziehung zu. Wir können mit Kindern nicht „o815- mäßig„ umgehen. Die einen sind besonnen und ruhig, die anderen sind lebhaft. Die einen lernen leicht, die anderen tun sich schwer dabei. Die einen sind langsam und träge. Die anderen fleißig und fix. Die Begabung des einen liegt mehr im praktischen, technischen Bereich, die der anderen im geistigen, wissenschaftlichen.

Mit anderen Worten: Fähigkeiten und Begabungen der Kinder sind sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass sie erkannt und gefördert werden...

Es gilt also, bei der Erziehung die geistige-, seelische als auch körperliche Konstition des Kindes zu erkennen und zu berücksichtigen und zwar von Anfang an. Kenntnisse über seine Persönlichkeit, Situation, Begabungen und Neigungen sind verlässlich. Ein Kind, das Freude an Mathematik hat, sollte entsprechend gefördert werden. Ebenso wie jenes, das sich für Naturwissenschaften und Sprachen interessiert. Kurz: Das Kind sollte so gelenkt und erzogen werden, dass es sich auf den ihm liegenden Gebieten entfalten, seine Begabungen entwickeln und gezielt einsetzen kann.

Wichtig ist also, das Kind zu „kennen„, seine Fähigkeiten und Interessen festzustellen und zu fördern als auch seine Bedürfnisse, Umwelt und familiären Verhältnisse Bescheid zu wissen. Zum Beispiel, ob der Kontakt zwischen dem Kind und dessen Eltern, Geschwistern, Freunden etc. und sein Sozialverhalten intakt sind oder nicht. Auf diesen Informationen erst kann eine individuelle, kindgerechte Erziehung aufgebaut werden.

Eltern und Lehrer tun somit gut daran: zunächst einmal zu ergründen, wie das Kind „beschaffen„ ist und welche Neigungen, Begabungen und Wünsche es hat. Dieses alles ist ebenso wichtig zu nehmen wie sein körperliches Wohlbefinden.

Und stellten sie fest, das es z.B. „griesgrämig“, störrisch, quengelig, streitsüchtig, ungeduldig oder nervös ist, haben sie nach Gründen zu forschen. Liegt es ständig mit seinen Geschwistern in Fehde, ist unbedingt nach der Ursache zu fragen. Mit Geduld und Langmut werden sie die Gründe herausfinden und..., die Mühe lohnt sich.

Bedauerlicherweise gibt es viele Väter und Mütter, die bei Erziehungsproblemen gar nicht erst nach den Ursachen dafür suchen. Mit Vorwürfen, nicht selten auch Drohungen und Strafen wollen sie das Fehlverhalten ihrer Kinder beseitigen. Mit dem Resultat, dass sie das „Übel nicht bei seiner Wurzel zu packen kriegen„ sondern vielmehr, aufgrund ihrer Unkenntnis über dessen Hintergründe, vertiefen. Würden sie sich jedoch die Mühe machen und nach der Ursache für die, sagen wir einmal „Rauflust“ ihres Sohnes forschen und diese erkennen, so könnten sie bei der Erziehung, die sie ihrem Sprössling angedeihen lassen, richtig „einsetzen“.

Hierzu ein Beispiel: Ein Junge benimmt sich zu Hause steht’s rüpelhaft und renitent. Echt bei Kleinen als auch bei Großen an. Hat unentwegt „Krach“, einmal mit diesem, das andere Mal mit jenem. Und bei dem kleinsten Verweis schon beginnt er zu schmollen oder zu brüllen. Eine gründliche Einsicht in der Psyche dieses Kindes zeigt, das „Fünfte Rad am Wagen„ zu sein, leidet.

Ist hier wohl durch Tadel, Ermahnungen und eventuell gar Drohungen und Strafen etwas Positives zu erreichen?

Auch folgender Punkt sollte bei der Erziehung des Kindes nicht außer Acht gelassen werden. Es genügt nicht, sich allein über seine Psyche und Neigungen ein Bild zu verschaffen. Auch die zeitlichen und gesellschaftlichen Bedingungen sind miteinzubeziehen. So mancher Vater glaubt, - ohne die Besonderheiten der Zeit und Gesellschaft miteinzubeziehen zu brauchen – seinem Sprössling eine optimale Erziehung angedeihen lassen zu können. Meint, die Methode, die damals, in seiner eigenen Kindheit und Jugend, Anwendungen gefunden habe, müsse auch heute geeignet sein. Etwas, das selbstverständlich nicht zutreffend ist, da sich die Gegebenheiten, Erwartungen und Erfordernisse weitgehend gewandelt haben und demzufolge die gegenwärtige Umweltsituation miteinkalkuliert werden muss.

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