Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Untätigkeit und Langeweile ist vieler Übel Anfang

Was tun in der freien Zeit?

Der Titel dieses Abschnittes mag in dem einen oder anderen den Eindruck erwecken, wir wollten damit andeuten, dass das Kind immer entweder lernen oder arbeiten müsse. Auch in seiner freien Zeit, auch in den Ferien.

Das aber beabsichtigen wir keinesfalls! Das Kind muss in seinen Ferien aufatmen und ausspannen können..., ohne Lerndruck und schulische Pflichten sein. Nicht aber untätig, denn „arbeitslos“ und träge dazusitzen ist weder seiner körperlichen noch geistigen Entwicklung dienlich. Es sollte sich daher sinnvoll beschäftigen und zwar mit Dingen, für die es sich interessiert. Mit der Lektüre guter Bücher zum Beispiel, Sport, Schwimmen, Basteln, schöpferischen Tätigkeiten..., je nach Möglichkeit und Interesse. Es gibt ja so vieles, was ihm Freude machen kann.

Dass Arbeitslosigkeit, Verdrießlichkeit, Trägheit und Stumpfsinn im Gefolge haben, wissen wir alle. Und das gleiche gilt für Untätigkeit unserer Kinder in den Ferien. Träges Herumlungern zu Hause oder aber auf der Strasse macht sie mürrisch und quengelig, wirkt sich auf ihre leibliche als auch seelische Gesundheit höchst negativ aus. Der junge Mensch verliert an Frische und Vitalität. Und da er nicht weiß, was er mit sich und der Welt anfangen soll, kommt er auf „dumme Gedanken“ und schließt sich nicht selten „schlechten“ Freunden an. Und ist er einmal in deren Schlepptau geraten, kommt er so leicht nicht wieder heraus. Mit anderen Worten, die „Weichen“ seines Weges sind schlecht gestellt.

Das es so kommen kann, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist er voller Energie und Kraft, die er Einsetzten möchte. Und wird ihm keine Hilfestellung gegeben, sucht er sich selbst etwas, womit er sich beschäftigen und seinen „Tatendrang“ befriedigen kann.

Das Problem ist jedoch, dass er noch nicht „gereift“ ist und somit nicht in der Lage, allein auf sich gestellt zu sein und immer richtig differenzieren zu können. Werden ihm keine sinnvolle Betätigungsmöglichkeiten angeboten, lässt er sich in seiner Ahnungslosigkeit zu „Freizeitbeschäftigungen“ und Interessen verleiten, die höchst fragwürdig und seinem Wohle keinesfalls dienlich sind. Zigaretten, Alkohol und Drogen sind nur einige der vielen Gefahren, die „Arbeitslosigkeit“ im Gefolge hat. Viele andere und nicht bessere „Bedrohungen“ wären in diesem Zusammenhang noch zu nennen, doch da sie ohnehin allen bekannt sein dürften, wollen wir im Rahmen dieses Buches darauf verzichten, sie alle aufzuführen. Statistiken und Berichte der Jugendämter, Rauschgift- und Kriminaldezernate geben zudem ausführlich Auskunft über die bedauerlichen Resultate jedweder Arbeitslosigkeit.

Ganz abgesehen davon schafft Untätigkeit Verdruss und Langeweile. Ob klein oder groß..., wer sich langweilt, ist verdrießlich, fühlt sich nicht wohl in seiner Haut und ist deshalb ständig gereizt und mürrisch. Entweder „brütet“ er dumpf in einer Ecke vor sich hin oder aber reagiert auf alles und jeden aggressiv. Anderen fällt er mit seinem Verhalten zur Last, fällt ihnen regelrecht „auf die Nerven“.

Kluge Eltern aber beugen dem vor und schaffen Ausgleich. Sie wissen, dass es der Natur des Kindes- des Menschen allgemein- entspricht, sich zu betätigen. Und sie wissen auch, dass das sinnvoll beschäftigte Kind in der Regel- es sei denn, besondere Probleme belasteten es- zufrieden und ausgeglichen ist. Lustlosigkeit und Apathie sind bei ihm nicht oder nur selten- wenn es beispielsweise krank ist- zu beobachten. Es macht ihm Freude, etwas zu tun und empfindet es als Qual, untätig herumzusitzen. Und wenn es einmal „arbeitslos“ geworden sein sollte, so sucht es sich eine Beschäftigung... und es findet immer etwas, das es zu tun gibt.

Das es sich betätigt, ist nicht deswegen, um „gelobt“ zu werden, sondern weil es ihm einfach Spaß macht, zu schaffen und aktiv zu sein. Und wenn dann noch ein Lob dazukommt..., nun, so ist es ganz besonders zufrieden und fühlt sich zudem bestätigt. Dieses Sich- Bestätigt -Wissen aber ist ebenfalls ungemein wichtig für seine „Persönlichkeitsbildung und Entfaltung“.

Diese Kinder sind „arbeitspositiv“ eingestellt. Ob ihr Tätig- Sein in Zusammenhang mit Lesen, Handarbeiten, mit „schönen Künsten“, Weiterbilden und lernen, Photographieren, Sport, Wandern, Gartenbaulichen oder Land- bzw. Forstwirtschaftlichen, experimentellen oder gar sozialen Beschäftigungen steht

ist nicht ausschlaggebend. Wichtig und wesendlich ist ihr Wunsch nach eigener, kreativer Initiative, dem sie durch ihr arbeitsaktives Verhalten entsprechen.

Tolstoy schrieb: In fortgeschrittenem Alter stellte ich fest, dass mein Leben nicht ausgefüllt war. Ich hatte angenommen, dass Sinn und Geheimnis des Lebens darin lägen, zu Amt und Würden, Reichtum und Popularität zu kommen. Als ich dieses alles erreicht hatte, merkte ich, dass dieses auch nicht das Geheimnis eines erfüllten Lebens sein konnte. Die Frage nach dem Lebenssinn blieb für mich ungelöst, bis das ich eines Tages Brennholz, das wir für unseren Zimmerofen benötigten, zerkleinerte.

Als diese Arbeit getan war, spürte ich mit einem Male, dass ich das, wonach ich gesucht hatte, gefunden hatte.

Jawohl! Nachdem ich fleißig gearbeitet und geschafft hatte, fühlte ich mit einem Male ungekannte Lebensfreude in mir.

Der Koran wies schon vor nahezu 1400 Jahren auf dieses Geheimnis des Lebens, das heißt auf dessen beglückende und Zufriedenheit schenkende Dimension hin.

Gott spricht:

„Wohl und Frieden liegen in Mühe und Fleiß verborgen“.

Der arabische Begriff “Usr“, der in diesem Koranvers gebraucht wird, bedeutet seiner Wortwurzel nach soviel wie „Schweres, Schwieriges“. Es ist jedoch offensichtlich, dass gerade Schwieriges und Schweres die im Menschen verborgenen Kräfte wecken und seinen Fleiß und sein Engagement aktivieren.

Der Islam ist die Religion der „Dynamik“, Vitalität des konstruktiven Fortschreitens. Er lehnt Stagnatismus und Trägheit konsequent ab.

In diesem Zusammenhang spricht Gott:

„Ein jeder, der Wohlergehen auch im Jenseits möchte, muss sich anstrengen und fleißig arbeiten, um es zu erreichen.“

Mit anderen Worten: Gott mag Faulpelze und Tagediebe nicht. Genau das sagte Imam Mussa Kazim (a.s.)

„Gott mag nicht den, der untätig ist“.

 Und Imam Ali (a.s) sprach:

„Halte dich von Trägheit und Müßiggang fern, denn der, der träge und müßig ist, kommt seiner Verpflichtung als Gottesgeschöpf nicht nach“.

Eine der segensreichen Auswirkungen der Islamischen Revolution in Iran ist die erstaunliche und positive Veränderung, die in der Bevölkerung, insbesondere der Jugend des Landes stattgefunden hat. Im Gegensatz zu früher, als ihre Kräfte vergeudet wurden bzw. brach lagen, werden sie heute aktiviert und im Sinne des Allgemeinwohles als auch dem ihrer selbst genutzt und eingesetzt. Die Leistungen der Einrichtung „Gihad-Sazandegi“ (Bewegung zum Aufbau des Landes) als auch der „Bacig- Organisation“ (Bewegung zum konstruktiven Einsatz und Engagement der Bevölkerung) sind beste Beispiele dafür.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de