Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Verhaltensursachen

Alles hat seinen Grund....

Der Welt, in der wir leben, liegt die Ordnung „Ursache und Wirkung“ zugrunde. Das welke Blatt fällt nicht ohne Grund zur Erde. Alle Ereignisse- große und kleine- haben eine Ursache. Nichts geschieht, verändert oder entwickelt sich, ohne dass nicht bestimmte Faktoren dafür sorgen.

Kurz: Alles, was ist in diesem Universum, Aktion oder Reaktion, unterliegt dem Gesetz „Ursache und Wirkung“.

Der eine lacht, der andere weint. Einer ist froh, ein anderer ist traurig. Dieser kommt zu Ehre und Erfolg, jener ist entwürdigt und gedemütigt.

Mag sein, dass manches davon „rein zufällig“ zu sein scheint. Wissenschaftliche Studien jedoch geben Auskunft darüber, dass jedes Hoch und Tief und Auf und Ab im menschlichen Leben und Verhalten- so geringfügig auch immer- externen bzw. internen, physische oder psychische Faktoren untergeordnet ist.

Ein Schüler, der seinen Lehrer belügt, hat Angst, die Wahrheit zu sagen. Diese Angst vor Blamage oder Bestrafung ist es, die sein Verhalten negativ beeinflusst und ihn zur Lüge veranlasst. Und bei dem Lehrer, der mit einem Male eines geringfügigen Anlasses wegen sein „inneres Gleichgewicht“ verliert und ganz unerwartet aus der Haut fährt, haben gewiss seelische oder auch körperliche Gründe- Unwohlsein z.B.- zu seiner „Explosion“ geführt, denn der gleiche Lehrer hat in weitaus schwierigeren Situation die „Szene beherrscht“ und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Das Kind, das lernschwach ist, ist entweder aus irgendwelchen familiären oder seelischen Gründen nicht konzentriert oder aber sein Intelligenzquotient ist geringer als der seiner Mitschüler. Es mag aber auch sein, dass ihm das Schulmilieu nicht behagt. Vielleicht ist es auch lediglich zu „verspielt“, zu früh eingeschult worden und besitzt noch nicht die erforderliche Reife.

Mit anderen Worten: Kein Schüler ist grundlos lernschwach oder desinteressiert am Unterricht. Das heißt also, dass ihm zu helfen ist, indem die Ursache herausgefunden und beseitigt wird. Nicht aber, indem unter Schelten, Drohungen, Demütigungen oder Schlagen Leistungen von ihm verlangt werden.

Ebenso ist es mit Kindern, die ständig mit anderen in Streit geraten, in Schlägereien verwickelt oder aber extrem liebebedürftig und „anhänglich“ sind. Auch ihr Verhalten hat Gründe. Gründe, die in der Regel mit den Verhältnissen im Elternhaus in Zusammenhang stehen.

Pawlow, namhafter russischer Physiologe, schrieb:

Kriminalität hat ihre Ursache häufig in sozialen und ökonomischen Gründen. Ungünstige wirtschaftliche Familienverhältnisse und Armut sind wichtige Faktoren für die Entstehung krimineller Delikte. Statistiken lassen wissen, das Kinder- und Jugendkriminalität in Städten und Gebieten, in denen wirtschaftliche und soziale Miseren gang und gebe sind, häufig in Erscheinung treten als anderswo.

Ein besonders gravierender Grund für Kriminalität sind ungünstige familiäre Bedingungen, Konflikte, Streitigkeiten, Trennung oder Scheidung der Eltern, Lieblosigkeit und vernachlässigte Sorgepflicht den Kindern gegenüber, ohne mütterliche Fürsorge oder väterlicher Halt aufwachsende Kinder..., das alles sind häufige Ursachen für kriminelle Handlungen.

In dem Buch „Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit“ (übersetzter Titel), das seitens der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wurde, ist zu lesen:

Wir haben Beweise und Indizien in der Hand, die Aufschluss darüber geben, dass eine lange Trennung des Kindes von seiner Mutter- insbesondere in den ersten fünf Lebensjahren – als wesentliche Ursache für spätere Kriminalität zu betrachten ist.

Einer anderen wissenschaftlich- kriminalistischen Studie gemäß sind 80-90% aller jugendlichen Straftäter in zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen.

Kurz: Erziehungswissenschaftler, Psychologen und Verhaltensforscher sind zu der Auffassung gekommen, dass lange bzw. sich häufig widerholende Trennungen des Kindes von den Eltern, als auch fehlende mütterliche Liebe und Fürsorge- insbesondere in den ersten Lebensjahren- schwere Verhaltensstörungen hervorrufen.

Hin und wieder erlebt man, dass sich eines von mehreren Geschwistern aggressiv verhält. So sehr Eltern sich auch im Guten bemühen, diese Aggressivität zu beseitigen, so nimmt sie doch immer mehr zu.

Die Psychotherapeuten bemühen sich in diesen Fällen in erster Linie darum, die Ursache zu finden, damit dem Kind gezielt geholfen werden kann. Denn im Gegenteil zur landläufigen Auffassung, die den Grund des aggressiven Verhaltens einiger Kinder in deren „Charakter“ sieht, ist im Rahmen entsprechender Psychoanalysen die Erkenntnis gewonnen worden, demnach diese Kinder meistenteils an „Eifersucht“ leiden.

Gemäß dem „Verdrängungsprinzip“ versucht das von Eifersucht geplagte Kind, diese nicht zu offenbaren, weshalb sein unbewältigtes Leid, das heißt seine „verdrängte“ Eifersucht, sich in verschiedenster Weise, wie unter anderem „Aggressivität“ äußert.

Der größte Verdienst der Psychologie und Verhaltensforschung, der dem Kind und dessen Erziehung zugute kommt, ist, das die eindeutig nachwies, dass jedem Verhalten psychische oder auch physische, externe bzw. interne Ursachen zugrunde liegen. Solange diese nicht ausgeräumt sind, ist die Möglichkeit zu Veränderung, Genesung etc. nicht gegeben. Das aber besagt und bestätigt, dass bei Verhaltensstörungen zunächst die Störfaktoren beseitigt werden müssen.

Zusammenfassend ist zu sagen:

1.- Jeglichem Verhalten des Menschen liegen- gemäß der Gesetzmäßigkeit „Ursache und Wirkung“ – auslösende Faktoren zugrunde, die der betreffenden Person selbst häufig nicht bewusst sind und folglich unerkannt zur Wirkung kommen.

2.- Um Verhaltensstörungen des Kindes beeinflussen und beheben zu können, sind zunächst deren Ursachen herauszufinden und auszuschalten. Sie sind nicht mit Worten und Empfehlungen zu heilen, sondern es gilt, festzustellen, „wo dem Kind der Schuh drückt“, warum es beispielsweise rebellisch oder aggressiv ist. Wenn uns das Motiv bekannt ist, ist es an uns, es auszuräumen, damit das Kind zur Ruhe kommen kann.

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