Grundkonzept

Grundkonzept des Islam

Prof. Abdoldjavad Falaturi

Inhaltsverzeichnis

Lösungsversuche

Der in seiner Tendenz sich verabsolutierende westliche Geist, sowie die untrennbar damit verbundene westliche Kultur und Zivilisation und deren Egozentrismus sind nicht nur darauf aus, ihre Geltung offensiv durchzusetzen, sondern darüber hinaus bemüht, andere historische und noch bestehende Rivalen, also alle anderen Kulturen und Zivilisationen als veraltet, als überholt, wenn auch als „Museumsstücke“ interessant, so doch für die Gegenwart als wertlose Gestalten hinzustellen und sie von der Existenzfläche völlig wegzudrängen. Dieser Prozess ist zum Teil planmäßig durchgeführt worden, zum großen Teil liegt er aber in der Natur der Sache selbst, d. h. in der Natur von Industrie und Technik, die von der Hegemonie konzipiert wurden, von dieser getragen werden und ohne sie nicht weiter existieren können. Der widerstandsfähige Islam in allen seinen religiösen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen hat sich jedoch von Beginn dieses Prozesses an dagegen gewehrt, sich, wie sonst viele andere Kulturen, assimilieren zu lassen und unterzugehen und hat so bereits die kritischsten Phasen der Auseinandersetzung überlebt.

Um dieses Überleben und ein unversehrtes Weiterleben geht es im Grunde bei den Problemen, die der Islam heute hat. Dieser mit Erfolg geführte Überlebensprozess, zeichnet sich in unterschiedlichen bis hin zu widersprüchlichen Reaktionen ab, die die Muslime innerhalb der letzten zweihundert Jahre der offensiven Haltung des Westens entgegengebracht haben:

-        Die einen lehnten (und lehnen noch) den Westen und alles Westliche strikt ab, ohne ihre eigene Tradition kritisch zu bewerten und das Islamische und Nichtislamische darin auseinander zu halten.

-        Diesen gegenüber wollten (und wollen noch) einige andere den Islam und alles, was islamisch ist, zugunsten des Westens und des Westlichen über Bord werfen.

-        Die dritte Gruppe war zu einem Kompromiss bereit, ohne dafür klare Kriterien entwickelt zu haben.

-        Die vierte Gruppe dachte (und denkt noch) kraft eines im Westen vollzogenen Säkularismus zurechtzukommen.

-        Die fünfte Gruppe schließlich suchte die Begegnung mit dem offensiven Westen, um hierin Chancen zu sehen für eine saubere Trennung zwischen dem wahrhaft Islamischen und den zeit- und gesellschaftsbedingt hinzugekommenen Erscheinungen, mit dem Ziel, an der ersten Kategorie (das wahrhaft Islamische, d. h. Unveränderliche) festzuhalten und sie aufgrund neu entwickelter Prinzipien zeitgemäß zu verstehen, aber gleichzeitig die zweite Kategorie (die Raum und Zeit bedingte) zu überdenken und sie wissenschaftlich durchdacht und nicht willkürlich zu reformieren.

Der Erfolg der letzteren Haltung, die von sehr vielen frommen, verantwortungsbewussten, interislamisch anerkannten und angesehenen Gelehrten geteilt wird, liegt darin, dass diese Haltung an die der rechtgeleiteten Khalifen, der sonstigen Gefährten Muhammads, der Häupter der Rechtsschulen und der späteren Gelehrten mit wissenschaftlich kritischer Einstellung erinnert. Diese Haltung soll hier als eine Möglichkeit, für die anstehenden Probleme eine Lösung zu finden, in Betracht gezogen werden.

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