10. Brief – Ebenfalls an ihn (Muawiya)
Wie wirst du wohl handeln, wenn die
Überwürfe des Diesseits von dir genommen werden, in denen du
(eingewickelt) warst, und das dich erfreut hat mit seinem
Schmuck und dich mit seinem Vergnügen betrogen hat? Es hat
dich gerufen, und du hast ihm stattgegeben, es hat dich
angeführt, und du bist ihm gefolgt, es hat dir Befehle
gegeben, und du hast ihm gehorcht. Wahrlich, es fehlt nur
wenig, und jemand wird dir etwas mitteilen, vor dem dich kein
Schutzschild beschirmen kann. So bleibe von dieser Sache fern,
rüste dich für die Abrechnung (am Tage der Auferstehung),
mache dich bereit für das, was bereits auf dich herabgekommen
ist (der Tod) und leihe nicht den Irregegangenen dein Ohr. Und
wenn du das nicht tust, dann werde ich dich wissen lassen, was
du von deiner Seele vernachlässigt hast, denn du bist ein
durch Luxus Maßloser. Satan hat von dir Besitz ergriffen, er
bekam von dir seine Hoffnungen erfüllt, und er ist dir in
Geist, Fleisch und Blut übergegangen.
Muawiya, wann wart ihr die Leiter der
Untertanen und die Hüter der Angelegenheiten der Umma, ohne
eine Schritt nach vorn, ohne hochstehende Ehre? Wir suchen
Zuflucht bei Allah vor der Notwendigkeit (des Eintretens) des
früheren Elends, und ich warne dich davor, dass du in den
trügerischen Hoffnungen verharrst, und dass (dein)
öffentliches und (dein) geheimes (Gesicht) nicht
übereinstimmen.
Du hast zum Krieg gerufen, so lasse die
Menschen beiseite und tritt zu mir hervor, und erspare den
beiden Gruppen den Kampf, auf dass du erfährst, wer von uns
ein (von der Sünde) bemächtigtes Herz und einen verhüllten
Blick hat!
Ich bin Abul-Hasan (Vater von Hasan), der
deinen Großvater (Utba ibn Rabi´ah), deinen Bruder (Hanzala
ibn Abu Sufyan) und deinen Onkel mütterlicherseits (Walid ibn
Utba) getötet hat, indem ich sie am Tage von Badr in Stücke
schlug, und jenes Schwert (mit dem ich das getan habe) ist bei
mir, und mit jenem Herzen traf ich auf meinen Feind. Ich habe
weder die Religion geändert, noch irgendeinen neuen Propheten
aufgebracht. Ich bin wahrlich auf dem Weg, den Ihr (erst)
freiwillig verlassen und dann gezwungenermaßen betreten habt.
Und du hast behauptet, dass du gekommen
bist, um (Rache) für das Blut Uthmans zu nehmen, wo du doch
wusstest, wo das Blut Uthmans vergossen wurde. Wenn du dafür
(Rache) forderst, dann fordere sie dort. Es ist so, als ob ich
dich sähe, wie du schreist, wie Kamele unter schwerer Last
schreien, wenn der Krieg dich mit den Zähnen packt. Und es ist
so, als ob ich deine Gemeinschaft sähe, wie sie mich unter den
aufeinanderfolgenden (Schwert-)Streichen, dem herabkommenden
Tod und einem tödlich Verwundeten nach dem anderen, ängstlich
zum Buche Allahs (2) rufen wird, obwohl sie Ungläubige,
Leugner oder Abweichler vom Treueid ist.
Erläuterung
Die am Anfang
des Briefes geäußerte Aussage „durch Luxus Maßloser“
bezieht sich auf den Vers im Heiligen Qur´an:
Und Wir
entsandten keinen Warner zu einer Stadt, ohne dass die Reichen
darin gesprochen hätten: „Gewiss, wir leugnen das, womit ihr
gesandt seid.“
Und der
Hinweis am Ende des Briefes über jenen, der „ängstlich zum
Buche Allahs rufen“ wird, ist eine Prophezeiung des
Befehlshabers der Gläubigen (a.) über die Schlacht von Siffin.
Er hat die gesamte Szenerie in wenigen Worten beschrieben.
Demnach war Muawiya einerseits verwirrt wegen der Angriffe der
Iraker und dachte an Flucht, andererseits stöhnte seine Armee
unter den fortgesetzten Ansturm des Todes, und als es keinen
Fluchtweg mehr gab, befestigten sie den Qur´an auf Speere und
riefen nach Frieden. Dadurch retteten die Verbliebenen ihr
Leben.
„Diese
Prophezeiung“,
wie Ibn Abu al-Hadid al-Mutazili sagte, „ist entweder
aufgrund des scharfen vorhersehenden Auges des Befehlshabers
der Gläubigen, was wirklich eine bedeutsame Macht ist, oder es
ist eine Information durch das Wissen des Verborgenen [ilm-ul-ghayb],
was überaus bedeutend und wundervoll ist. Jedoch sind beides
Fälle von extremer Bedeutung und Wundersamkeit.“ Ibn Abu
al-Hadid zitierte weiterhin die gleiche Prophezeiung aus
anderen Briefen des Befehlshabers der Gläubigen an Muawiya.
Diese
Prophezeiung kann nicht Phantasie, Vermutungen oder Ableiten
aus früheren Ereignissen zugeordnet werden, noch können diese
Details durch Verstand oder weitreichende Intelligenz
ermittelt werden. Nur der kann sie enthüllen, dessen
Informationsquelle entweder die Offenbarung- tragende Zunge
des Propheten (s.) oder göttliche Inspiration ist.