Die Weisheiten des Befehlshabers der Gläubigen (a.) 291-295
291. Und er (a.) sagte, als er
Aschath ibn Qais zum Tod seines Sohnes kondolierte:
Aschath,
wenn du um deinen Sohn trauerst, so erfordern dies die
Verwandtschaftsbande, doch wenn du standhaft bleibst, dann
liegt bei Allah für jeden Schicksalsschlag eine Entschädigung.
Aschath, auch wenn du Standhaftigkeit zeigst, wird das
Schicksal für dich (ohnehin) weitergehen, aber du wirst dafür
belohnt. Wenn du aber bekümmert bist, geht das Schicksal für
dich (ebenfalls) weiter, doch dann bist du belastet (durch
Sünden). Aschath, dein Sohn hat dich erfreut (zu dessen
Lebzeiten), während er (gleichzeitig) eine Prüfung und eine
Versuchung war, und er verursachte dir Trauer, während er
(gleichzeitig) Lohn und Barmherzigkeit (von Allah) war.
292. Und er (a.) sagte am Grab
des Gesandten Allahs (s.), zur Zeit dessen Begräbnisses:
Wahrlich,
die Standhaftigkeit (gegenüber dem Tod) ist schön, außer bei
dir, und wahrlich, der Kummer ist hässlich, außer für dich,
und die Betroffenheit um dich ist gewaltig, während die vor
und nach dir (dagegen) gering ist.
293. Und er (a.) sagte:
Pflege
keine Gesellschaft mit dem Törichten, denn er wird seine
Handlungen vor dir schön erscheinen lassen, und er hätte gern,
dass du wie er wirst.
Erläuterung
Ein törichter Mensch hält seine Handlungsweisen für
angemessen, und er möchte ebenfalls seinen Freund dazu
bringen, die gleichen Verhaltensweisen anzunehmen, damit
dieser wie er selbst werde. Das bedeutet nicht, dass er will,
dass sein Freund so dumm wie er wird, denn er kann gar nicht
so denken, weil er sich selber nicht als dumm betrachtet. Wenn
er sich selber wirklich als dumm ansehen würde, dann wäre er
es nicht. Stattdessen hält er seine Handlungsweisen für
korrekt und möchte, dass sein Freund genauso „weise“ sein
soll. Deswegen präsentiert er seinem Freund seine Ansichten in
geschönter Form und wünscht, dass der dementsprechend handelt.
Es ist möglich, dass sein Freund davon beeinflusst wird und
den selben Weg beschreitet, deshalb ist es besser, von ihm
Abstand zu halten.
294. Und er (a.) sagte, als er
nach dem Abstand zwischen dem Osten und dem Westen gefragt
wurde:
Eine
Tagesreise
für die Sonne.
295. Und er (a.) sagte:
Deine
Freunde sind von drei (Arten), und deine Feinde sind drei.
Dein Freunde sind dein Freund, der Freund deines Freundes und
der Feind deines Feindes. Und deine Feinde sind dein Feind,
der Feind deines Freundes und der Freund deines Feindes.
Erläuterung
Der Feind des eigenen Feindes ist zumeist nur eingeschränkt
ein “Freund“, und jene Aussage kann auch nicht auf jeden
Lebensbereich ausgeweitet werden. So hat z.B. einstmals Abu
Sufyan sich Imam Ali (a.) als “Freund“ angeboten, da er die
unrechtmäßig amtierenden Kalifen ebenfalls nicht akzeptiere.
Tatsächlich war ihm aber nicht daran gelegen, die Widersacher
Imam Alis (a.) zu bekämpfen, sondern selbst die Macht für sich
zu erlangen. Imam Ali (a.), der jenes Ansinnen durchschaut
hatte, lehnte solche eine “Freundschaft“ ab. Entsprechend kann
obige Aussage nur im Gesamtzusammenhang einer aufrichtigen
Feindschaft betrachtet werden.