Gedichte im Islam
Menulon

von
Friedrich Rückert

Nach ihres Gatten Tode
Erziehet Menulon,
Die Fürstin der Mogolen,
Gar manchen wackern Sohn.

Sie zieht allein zum Kriege
Das kriegerische Geschlecht,
Verschmähet neue Sitte,
Und hält auf altes Recht.

Da kam in ihren Tagen
Hervor aus Sina’s Land
Das Volk Dschalair gezogen,
Das dort nicht Raum mehr fand.

Die ließen da sich nieder
Im Lande der Menulon,
Und wollten Äcker bauen,
Wie sie’s gewohnet schon.

Doch sie ließ ihnen sagen:
Euch ist in meinem Reich
Der Platz gegönnt, nur haltet
Der Landesart euch gleich.

Zerreißet nicht die Erde,
Und lasst sie unversehrt!
Sie nähret manche Herde,
Die uns hinwieder nährt.

Wenn ihr aufwühlt den Boden,
Macht ihr untauglich ihn,
Zu tummeln unsre Rosse
Und auf die Jagd zu ziehn.

Aus: Sieben Bücher Morgenländischer Sagen und Geschichten