Almoraviden
Almoraviden

Aussprache: muraabituun
arabisch:
مرابطون
persisch:
englisch:
Almoravid dynasty

1046 - 1147 n.d.H.

Foto: Dinar der Zeit von Ali ibn Yusuf ibn Taschufin (1106-1143) in Staatlicher Münzsammlung München, Y. Özoguz (2015 n.Chr.)

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Die Almoraviden — arabisch al-Murabitun („die im Ribat Lebenden“, sinngemäß: „Grenzkämpfer“ oder „Kämpfer an der Glaubensgrenze“) — waren eine berberisch-sanhadschische Dynastie und religiös-politische Reformbewegung des 11. und 12. Jh. n.Chr. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste zeitweise große Teile der westlichen Sahara, Mauretanien, Marokko, Algerien und Andalusien. Die Dynastie bestand ungefähr von 1040/1046 bis 1147 n. Chr. und prägte die politische und religiöse Entwicklung des westlichen Islam nachhaltig.

Die Bewegung entstand unter den Sanhadscha-Berbern der westlichen Sahara, insbesondere unter Stämmen wie den Lamtuna, Gudala und Massufa. Diese nomadischen Viehzüchter kontrollierten wichtige Abschnitte des Transsaharahandels zwischen dem Maghreb und dem Raum Sudan. Um die Mitte des 11. Jh. n.Chr. gewann der malikitische Rechtsgelehrte Abdallah ibn Yasin Einfluss auf diese Stämme. Er predigte eine malikitische Reform des Islam und verband religiöse Erneuerung mit militärischer Organisation.

Unter Yahya ibn Umar wurden die Almoraviden zu einem Kampfbund zusammengeschlossen. Nach dessen Tod übernahm sein Bruder Abu Bakr ibn Umar die militärische Führung. Ibn Yasin blieb zunächst der geistige Kopf der Bewegung. Sein Tod im Jahr 1059 n.Chr. bedeutete jedoch einen Wendepunkt: Die religiöse Reformbewegung wandelte sich zunehmend zu einem weltlichen Emirat mit dynastischer Herrschaft.

Die Almoraviden breiteten ihre Macht zunächst in der westlichen Sahara und im südlichen Marokko aus. Ein wichtiger Schritt war die Gründung von Marrakesch um 1062/1070 n.Chr. durch Abu Bakr ibn Umar. Die Stadt entwickelte sich bald zur politischen Hauptstadt des Reiches und blieb auch später unter anderen Dynastien ein Zentrum marokkanischer Herrschaft.

Als Abu Bakr ibn Umar erneut in die Sahara zog, überließ er seinem Vetter und Stellvertreter Yusuf ibn Taschfin die Verwaltung des nördlichen Reichsteils. Dieser setzte sich schließlich als eigentlicher Herrscher durch. Abu Bakr zog sich dauerhaft in die Sahara zurück, während Yusuf ibn Taschfin den Aufbau eines großen maghrebinischen Reiches vorantrieb.

Unter Yusuf ibn Taschfin erreichte die Macht der Almoraviden ihren Höhepunkt. Er organisierte das Reich mit Hilfe malikitischer Rechtsgelehrter und baute eine straffe militärische und administrative Ordnung auf. In Nordmarokko unterwarfen die Almoraviden unter anderem die Magrawa und andere lokale Machthaber. Auch Teile Westalgeriens gerieten unter ihre Kontrolle; dabei wurden die Hammadiden zurückgedrängt. Die Eroberung von Fès und die Festigung der Herrschaft über den Norden Marokkos waren entscheidend für den Aufstieg Marrakeschs zum Zentrum eines transmaghrebinischen Reiches.

In Andalusien war das Kalifat von Cordoba bereits 1031 n.Chr. zerfallen. An seine Stelle waren zahlreiche Kleinkönigreiche, die sogenannten Taif-Königreiche, getreten. Diese rivalisierten untereinander und gerieten zunehmend unter Druck der christlichen Reiche im Norden der Iberischen Halbinsel. Besonders die Eroberung Toledos durch Alfons VI. von Kastilien im Jahr 1085 erschütterte die muslimischen Fürsten Andalusiens.

Auf Bitten mehrerer Taif-Herrscher setzte Yusuf ibn Taschfin 1086 nach Andalusien über. In der Schlacht bei az-Zallaqa (Sagrajas )bei Badajoz besiegten die Almoraviden gemeinsam mit andalusischen Truppen das Heer Alfons’ VI. Dieser Sieg stoppte vorübergehend die kastilische Expansion und machte die Almoraviden zur bestimmenden muslimischen Macht im westlichen Mittelmeerraum.

Bald beschränkten sich die Almoraviden jedoch nicht mehr auf militärische Hilfe. Sie betrachteten die Taif-Fürsten als politisch schwach, moralisch verfallen und religiös unzureichend legitimiert. Zwischen 1090 und 1092 n.Chr. wurden die wichtigsten Taif-Königreiche abgesetzt und Andalusien in das Almoravidenreich eingegliedert. Sevilla, Granada, Cordoba und andere Zentren kamen unter almoravidische Herrschaft. Valencia, das zeitweise von El Cid beherrscht wurde, und Saragossa unter den Hudiden konnten ihre Eigenständigkeit zunächst bewahren.

Unter Ali ibn Yusuf setzte sich die Expansion zunächst fort. Valencia wurde 1102 n.Chr. endgültig almoravidisch, Saragossa kam 1110 unter almoravidische Kontrolle, und auch die Balearen wurden in den Herrschaftsbereich einbezogen. Damit reichte das Reich von der westlichen Sahara über Marokko bis weit nach Andalusien.

Gleichzeitig traten jedoch strukturelle Schwächen hervor. Das Reich war sehr groß, geografisch weit gespannt und kulturell heterogen. Die strenge religiöse Ausrichtung der Almoraviden stieß in Teilen Andalusiens auf Widerstand, besonders bei städtischen Eliten, Dichtern, Philosophen und lokalen Machthabern. Zudem verstärkte sich der militärische Druck der christlichen Reiche. Ein schwerer Verlust war die Einnahme Saragossas durch Aragonien im Jahr 1118 n.Chr. Damit ging ein wichtiger Vorposten im Nordosten von Andalusien verloren.

Im südlichen Marokko entstand im frühen 12. Jh. n.Chr. eine neue religiös-politische Reformbewegung: die Almohaden. Ihr Begründer Ibn Tumart kritisierte die Almoraviden scharf, warf ihnen religiöse Verfehlungen vor und entwickelte eine neue, stärker theologisch ausgerichtete Reformlehre. Nach seinem Tod führte Abd al-Mu’min die Bewegung militärisch weiter.

Nach dem Tod Ali ibn Yusufs im Jahr 1143 beschleunigte sich der Zerfall des Almoravidenreiches. In Andalusien kam es zu Aufständen und zur erneuten Bildung lokaler Herrschaften. Besonders die Erhebung der Muridun unter Ibn Qasi in Südwestandalusien schwächte die almoravidische Kontrolle. Zugleich begünstigte der Machtverfall den Aufstieg regionaler Herrscher wie Ibn Mardanisch, der im Osten von al-Andalus eine eigenständige Machtstellung aufbaute.

Die Almoraviden konnten in Andalusien nur noch einzelne Stützpunkte halten. Auch in Marokko gerieten sie zunehmend in die Defensive. Die Almohaden eroberten schrittweise die wichtigsten Städte. Mit der Eroberung Marrakeschs im Jahr 1147 und dem Tod des letzten almoravidischen Herrschers Ishaq ibn Ali endete die Dynastie im Maghreb. Auf den Balearen hielten sich Nachwirkungen almoravidischer Herrschaft noch kurze Zeit, doch die politische Hauptlinie der Dynastie war 1147 beendet.

Die Herrscher der Almoraviden waren:

bulletYahya ibn Umar (hat geherrscht 1046-1056 n.Chr.)
bulletAbu Bakr ibn Umar (1056-1087)
bulletYusuf ibn Taschufin (1072-1106)
bullet Ali ibn Yusuf ibn Taschufin (1106-1143)
bulletTaschfin ibn Ali (1143-1145)
bulletIbrahim ibn Taschufin (1145)
bulletIshaq ibn Taschufin (1145-1147)

Die späteren Herrscher ab Yusuf ibn Taschfin werden bisweilen auch als Taschfiniden bezeichnet, da sie der Linie Yusuf ibn Taschfins angehörten.

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