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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Die Almoraviden — arabisch al-Murabitun („die im Ribat
Lebenden“, sinngemäß: „Grenzkämpfer“ oder „Kämpfer an der
Glaubensgrenze“) — waren eine berberisch-sanhadschische
Dynastie und religiös-politische Reformbewegung des 11. und
12. Jh. n.Chr. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste zeitweise große
Teile der westlichen
Sahara,
Mauretanien,
Marokko,
Algerien
und
Andalusien. Die Dynastie bestand ungefähr von 1040/1046
bis 1147 n. Chr. und prägte die politische und religiöse
Entwicklung des westlichen
Islam nachhaltig.
Die Bewegung entstand unter den Sanhadscha-Berbern der
westlichen
Sahara, insbesondere unter Stämmen wie den Lamtuna, Gudala
und Massufa. Diese nomadischen Viehzüchter kontrollierten
wichtige Abschnitte des Transsaharahandels zwischen dem
Maghreb und dem Raum
Sudan. Um die Mitte des 11. Jh. n.Chr. gewann der
malikitische Rechtsgelehrte Abdallah ibn Yasin Einfluss
auf diese Stämme. Er predigte eine
malikitische Reform des
Islam und verband religiöse Erneuerung mit militärischer
Organisation.
Unter Yahya ibn Umar wurden die Almoraviden zu einem
Kampfbund zusammengeschlossen. Nach dessen Tod übernahm sein
Bruder Abu Bakr ibn Umar die militärische Führung. Ibn Yasin
blieb zunächst der geistige Kopf der Bewegung. Sein Tod im
Jahr 1059 n.Chr. bedeutete jedoch einen Wendepunkt: Die
religiöse Reformbewegung wandelte sich zunehmend zu einem
weltlichen Emirat mit dynastischer Herrschaft.
Die Almoraviden breiteten ihre Macht zunächst in der
westlichen
Sahara und im südlichen
Marokko aus. Ein wichtiger Schritt war die Gründung von
Marrakesch um 1062/1070 n.Chr. durch Abu Bakr ibn Umar.
Die Stadt entwickelte sich bald zur politischen Hauptstadt des
Reiches und blieb auch später unter anderen Dynastien ein
Zentrum marokkanischer Herrschaft.
Als Abu Bakr ibn Umar erneut in die
Sahara zog, überließ er seinem Vetter und Stellvertreter
Yusuf ibn Taschfin die Verwaltung des nördlichen Reichsteils.
Dieser setzte sich schließlich als eigentlicher Herrscher
durch. Abu Bakr zog sich dauerhaft in die Sahara zurück,
während Yusuf ibn Taschfin den Aufbau eines großen
maghrebinischen Reiches vorantrieb.
Unter Yusuf ibn Taschfin erreichte die Macht der
Almoraviden ihren Höhepunkt. Er organisierte das Reich mit
Hilfe
malikitischer Rechtsgelehrter und baute eine straffe
militärische und administrative Ordnung auf. In Nordmarokko
unterwarfen die Almoraviden unter anderem die Magrawa und
andere lokale Machthaber. Auch Teile Westalgeriens gerieten
unter ihre Kontrolle; dabei wurden die Hammadiden
zurückgedrängt. Die Eroberung von Fès und die Festigung der
Herrschaft über den Norden
Marokkos waren entscheidend für den Aufstieg
Marrakeschs zum Zentrum eines transmaghrebinischen
Reiches.
In
Andalusien war das
Kalifat von
Cordoba bereits 1031 n.Chr. zerfallen. An seine Stelle
waren zahlreiche Kleinkönigreiche, die sogenannten
Taif-Königreiche, getreten. Diese rivalisierten
untereinander und gerieten zunehmend unter Druck der
christlichen Reiche im Norden der Iberischen Halbinsel.
Besonders die Eroberung Toledos durch Alfons VI. von Kastilien
im Jahr 1085 erschütterte die muslimischen Fürsten
Andalusiens.
Auf Bitten mehrerer
Taif-Herrscher setzte Yusuf ibn Taschfin 1086 nach
Andalusien über. In der Schlacht bei az-Zallaqa (Sagrajas
)bei Badajoz besiegten die Almoraviden gemeinsam mit
andalusischen Truppen das Heer Alfons’ VI. Dieser Sieg stoppte
vorübergehend die kastilische Expansion und machte die
Almoraviden zur bestimmenden muslimischen Macht im westlichen
Mittelmeerraum.
Bald beschränkten sich die Almoraviden jedoch nicht mehr
auf militärische Hilfe. Sie betrachteten die
Taif-Fürsten als politisch schwach, moralisch verfallen
und religiös unzureichend legitimiert. Zwischen 1090 und 1092
n.Chr. wurden die wichtigsten
Taif-Königreiche abgesetzt und
Andalusien in das Almoravidenreich eingegliedert. Sevilla,
Granada,
Cordoba und andere Zentren kamen unter almoravidische
Herrschaft. Valencia, das zeitweise von El Cid beherrscht
wurde, und Saragossa unter den Hudiden konnten ihre
Eigenständigkeit zunächst bewahren.
Unter
Ali ibn Yusuf setzte sich die Expansion zunächst fort.
Valencia wurde 1102 n.Chr. endgültig almoravidisch, Saragossa
kam 1110 unter almoravidische Kontrolle, und auch die Balearen
wurden in den Herrschaftsbereich einbezogen. Damit reichte das
Reich von der westlichen
Sahara über
Marokko bis weit nach
Andalusien.
Gleichzeitig traten jedoch strukturelle Schwächen hervor.
Das Reich war sehr groß, geografisch weit gespannt und
kulturell heterogen. Die strenge religiöse Ausrichtung der
Almoraviden stieß in Teilen
Andalusiens auf Widerstand, besonders bei städtischen
Eliten, Dichtern, Philosophen und lokalen Machthabern. Zudem
verstärkte sich der militärische Druck der christlichen
Reiche. Ein schwerer Verlust war die Einnahme Saragossas durch
Aragonien im Jahr 1118 n.Chr. Damit ging ein wichtiger
Vorposten im Nordosten von
Andalusien verloren.
Im südlichen Marokko entstand im frühen 12. Jh. n.Chr. eine
neue religiös-politische Reformbewegung: die
Almohaden. Ihr Begründer Ibn Tumart kritisierte die
Almoraviden scharf, warf ihnen religiöse Verfehlungen vor und
entwickelte eine neue, stärker theologisch ausgerichtete
Reformlehre. Nach seinem Tod führte Abd al-Mu’min die Bewegung
militärisch weiter.
Nach dem Tod
Ali ibn Yusufs im Jahr 1143 beschleunigte sich der
Zerfall des Almoravidenreiches. In
Andalusien kam es zu Aufständen und zur erneuten Bildung
lokaler Herrschaften. Besonders die Erhebung der Muridun unter
Ibn Qasi in Südwestandalusien schwächte die almoravidische
Kontrolle. Zugleich begünstigte der Machtverfall den Aufstieg
regionaler Herrscher wie Ibn Mardanisch, der im Osten von
al-Andalus eine eigenständige Machtstellung aufbaute.
Die Almoraviden konnten in
Andalusien nur noch einzelne Stützpunkte halten. Auch in
Marokko gerieten sie zunehmend in die Defensive. Die
Almohaden eroberten schrittweise die wichtigsten Städte.
Mit der Eroberung
Marrakeschs im Jahr 1147 und dem Tod des letzten
almoravidischen Herrschers Ishaq ibn Ali endete die Dynastie
im
Maghreb. Auf den Balearen hielten sich Nachwirkungen
almoravidischer Herrschaft noch kurze Zeit, doch die
politische Hauptlinie der Dynastie war 1147 beendet.
Die Herrscher der
Almoraviden waren: