Alt-Biskra
Alt-Biskra

Aussprache: biskraaaat al-atiyqa
arabisch:
بِسْكْرَة العتيقة
persisch:
بسکرهٔ قدیم
englisch:
Old Biskra

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Mit „Alt-Biskra“ bezeichnet man in der Regel die historische Oasen- und Siedlungslandschaft von Biskra am Nordrand der Sahara.

Der Name bezieht sich auf jene vor-koloniale und frühislamische Kernzone, die zeitlich vor der modernen Stadtentwicklung lag. Sie ist nicht als eigenständige heutige Stadt zu verstehen, sondern als historische Schicht der heutigen Biskra. Das Gebiet umfasst den Übergangsraum zwischen Tellatlas und Sahara im Zentrum der Zībān-Oasen (الزيبان), einer ganzen Kette fruchtbarer Oasen.

Diese Lage machte die Oase zu einem Knotenpunkt transsaharischer Routen, einem Versorgungs- und Rastplatz für Karawanen und einem natürlichen Agrarzentrum (Anbau von Datteln).

Bereits in römischer Zeit existierte hier eine Siedlung, die unter dem Namen Vescera (oder Ad Piscinam in antiken Quellen) bekannt war. Sie war militärisch eingebunden in den Limes Numidiae, mit Funktionen als Grenzposten und Oasenstützpunkt. Nach dem Rückzug der Römer blieb die Oase kontinuierlich besiedelt, was für Oasen eher die Regel als die Ausnahme war.

Nach dem Einzug des Islam in die Region im 7. Jh.n.Chr. wurde Alt-Biskra Teil des islamischen Maghreb und entwickelte sich zu einem regionalen religiösen und wirtschaftlichen Zentrum. Die Region war zeitweise von ibaditischn, später sunnitischen Strömungen geprägt.

Die Oase stand in engem Zusammenhang mit Touggourt, Ouargla, und den Handelswegen Richtung Fezzan und Bilād as-Sudan.

Typisch für Alt-Biskra waren die Palmenoase mit Tausenden an Dattelpalmen in gestufter Bewirtschaftung, darunter Getreide, Gemüse, Futterpflanzen. Zudem wurden Foggaras (unterirdische Wasserkanäle) genutzt.

Die Architektur war von Ksar-Strukturen dominiert aus Lehm- und Stampfbauten, kompakten Wohnquartieren und schmalen Gassen als Schutz gegen Hitze und Überfälle. Es gab zahlreiche religiöse Einrichtungen wie frühe Moscheen, Zawiyas (religiöse Lehr- und Rückzugsorte) und Gräber lokaler Heiliger, die als Pilgerstätten genutzt wurden.

Im 19. Jh.n.Chr., insbesondere nach der französischen Kolonialisierungg Algeriens (ab 1830 n.Chr) verlagerte sich das urbane Zentrum und europäische Stadtplanung trat neben die alte Oase. Teile von Alt-Biskra verfielen oder wurden integriert.

Das heutige Biskra besteht teilweise aus überbauten Teilen der historischen Oase, nutzt aber weiterhin deren Wasser- und Agrargrundlagen. Alt-Biskra gilt als Wiege der „Saharastadt“ Biskra und Teil der kollektiven Erinnerung der Zībān-Bevölkerung. Es ist ein Beispiel für Oasenkultur als nachhaltiges Anpassungsmodell.

Fotos: Dr. Walter Philipp Schulz; Die Welt des Islam (1917 n.Chr.)

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