.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Tahira (Tahere) Amin war eine der bekanntesten Theologinnen in
Islamische Republik Iran in der Gründungszeit. Sie ist vor
allem untern dem Namen Banu Amin bekannt.
Tahira (die Reine)
wurde 1886 als einziges Kind einer angesehenen
Kaufmannsfamilie in
Isfahan geboren. Ihr Vater Seyyid Muhammad Amin
Al-Tadschir war ein angesehener Kaufmann. Auch ihre Mutter
erfreute sich allgemeiner Beliebtheit dank ihrer aktiven Sorge
um ihre Mitmenschen.
Bereits mit vier Jahren schickte ihre Mutter sie auf eine
Schule zum Erlernen des
Heiligen Qur'an, was in einer Zeit, in der praktizierende
Muslime unterdrückt wurden, ein mutiger Entschluss war.
Mit elf Jahren erlernte sie systematisch
Arabisch.
Mit fünfzehn Jahren heiratete sie und steig nach eigenen
Worten ein "in das Hausfrauenleben mit all seinen Freuden
und Sorgen, die es für Ehefrau und Mutter mit sich bringt".
Ihr Hausfrauendasein hielt sie nicht davon ab, ihrem
Interesse für Religionswissenschaften nachzugehen. Sie
beschäftigte sich eingehend mit
islamischem Recht [scharia], vertiefte sich in Schriften
über griechische Philosophie und dem Studium der Literatur der
Mystik.
In Theologenkreisen schätzte man bald ihre Meinung über
ethische Prinzipien.
Im Laufe der Jahre 1924 und 1925 n.Chr. erschienen ihre
ersten Veröffentlichungen. Das Theologiezentrum in
Nadschaf erfuhr von ihrer Schrift ‘Arbain‘ (‘Der
Vierzigste‘) — einer Abhandlung über
Vierzig Überlieferungen zu Themen wie
Monotheismus,
Erkenntnis und Rechtsfragen — und bot ihr eine Zulassung
zur Erlangung des höchsten theologischen Grades an. Bekannte
Theologen wie
Scheich
Abbas Qummi sprachen ihr nach eingehender Prüfung
ihrer Kenntnisse auf dem Gebiet der islamischen Jurisprudenz
den Titel
Rechtsgelehrter [mudschtahid] zu.
Es erschienen weitere Bücher von ihr in
arabischer und
persischer Sprache wie "Leben und Werdegang der religiösen
Vorbilder", in dem sie besonders auf die Bedeutung der
Wachsamkeit eingeht und "Jenseits oder der letzte Weg des
Menschen". Die Glückseligkeit des Menschen ist zentrales Thema
einer Serie von Schriften über die "Moral und den Weg zur
menschlichen Glückseligkeit". Ihre "Methode des Glücks" und
zahlreiche andere
arabische
Publikationen stießen auch außerhalb der Grenzen ihrer Heimat
auf ein großes Echo. Zu ihrem Weg der
Erkenntnis sagte sie:
"Alles, was ich an Erkenntnis über die
Geisteswissenschaften erlangt habe, geschah auf dem Weg der
Eingebung. Ich habe wenig Hilfe von außen bekommen. Damit will
ich nicht behaupten, dass ich Kenntnis über das Verborgene
habe oder in das Innere eines Menschen hineinsehen kann. Aber
meine Schriften habe ich einzig durch Inspiration und die
Hilfe Gottes zustande bringen können.
Prophet Muhammad (s.) unterteilte die Theologe in drei
Bereiche: die Wissenschaft von Gotteserkenntnis, die
Wissenschaft der Tugenden und Moral, die Wissenschaft der
Gebote. Wenn ich nun von göttlicher Eingebung, von "Licht der
Erkenntnis" spreche, dann meine ich eben die Kraft, die dem
Menschen über diese drei Wissenschaften zuteil wird. Die
Voraussetzung, diese Erkenntnis zu erlangen, ist die Läuterung
des Egos und der Kampf gegen die niederen Triebe und gegen
alles, was den Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht
bringt. Dazu gehören Neid, Stolz, Gier, Hass, übertriebene
Liebe zum Vergänglichen. Erst wenn wir diese niederen
Beweggründe überwunden haben, werden wir zu einem Glauben
gelangen, der auf begründeter Überzeugung und nicht auf bloßer
Nachahmung basiert. Erst dann können wir die
Glaubensgrundsätze wahrhaft in die Tat umsetzen, was die wahre
Fortentwicklung des Menschen ausmacht: Wenn der bewusste
Mensch die göttlichen Gebote aus freien Stücken auf dem Wege
seines Schöpfers ausführt. Das gilt für den Mann genauso wie
für die Frau. Auf keinen Fall ist die oft geäußerte Behauptung
richtig, die Männer seien den Frauen überlegen...."
Zu ihren bedeutendsten Veröffentlichungen gehört sicher die
in fünfzehn Bänden erschienene
Qur'an-Exegese mit dem Titel: "Tafsir Machzan al-Irfan".
Darin lehnt sie sich an die Methodik des großen Philosophen
Mulla Sadra an. Sie gibt dem Leser zu jedem
Vers
zunächst einen Überblick über die sozialen und politischen
Gegebenheiten zum jeweiligen Zeitpunkt der
Offenbarung, um
dann auf die erschienenen Interpretationen bedeutender
Gelehrter einzugehen. Dem Ganzen schließt sie dann eine
Darlegung ihres persönlichen Verständnisses des jeweiligen
Verses an.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit setzte sich Banu
Amin aktiv für eine größere Beteiligung der Frau am
gesellschaftlichen Leben ein. Dazu mussten die Frauen zunächst
das große Analphabetentum überwinden. Sie hielt Frauenseminare
ab und plädierte für ein besseres Verständnis des
Islam
besonders unter den Frauen. Mit großem Elan errichtete sie
Unterrichtszentren wie "Fatima Maktab" und die "Mädchenschule
Amin", die neben Lesen und Schreiben die Frauen über ihre
Rechte aufklären sollten.
Sie ist am 12.6.1983 im Alter von 97 Jahren gestorben.