Erhard Arendt
Erhard Arendt

Aussprache: iyrhaard ariyndt
arabisch:
إيرهارد أريندت
persisch:
ارهاد آرنت
englisch: 
Erhard Arendt

17.6.1941 – 17.5.2025 n.Chr.

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Erhard Arendt war ein deutscher Künstler, Publizist und langjähriger Aktivist für palästinensische Solidarität und Menschenrechte.

Er ist am 17. Juni 1941 in Hemer (Nordrhein-Westfalen) geboren. Er wuchs in einer Stadt auf, in der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene unter sehr menschenunwürdigen Umständen kaserniert waren. Seinem Großvater, dem damaligen Bürgermeister, war es mit zu verdanken, dass die Stadt Hemer Ende des Zweiten Weltkrieges kampflos übergeben wurde und dass nicht, wie schon vom Kommandanten geplant und angeordnet worden war, noch russische Kriegsgefangene getötet wurden.

Nach dem Abitur absolvierte er das Studium der Plastik und Bildhauerei an der Fachhochschule Dortmund. Darauf folgte 1976 ein Studium der Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften. Er arbeitete als Plastiker, Grafiker, Kunsterzieher und Pädagoge sowie in der Lehrerfortbildung. Er leistete über Jahrzehnte soziale Arbeit, auch in Brennpunkten und mit Strafgefangenen, und organisierte Ausstellungen. Ab 1973 war er als Kunsterzieher im Bereich Sozialpädagogik tätig und organisierte Einzel- und Gruppenausstellungen. Ab 2001 war er im Ruhestand und wohnte in Dortmund. Er betätigte sich bis zu seinem Dahinscheiden als Künstler und Networker.

Arendt war kein formelles Vorstandsmitglied der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. (DPG) im Sinne eines gewählten Funktionärs, aber er wurde von dieser Organisation mehrfach gewürdigt und eng mit ihren Solidaritätsaktivitäten in Verbindung gebracht. Die DPG verlieh ihm 2012 den Palästina-Solidaritätspreis als Anerkennung seiner langjährigen publizistischen und solidarischen Arbeit im Kontext der palästinensischen Bewegung.

Arendt ist vor allem als Initiator und Herausgeber des „Palästina-Portals“ bekannt geworden, eines deutschsprachigen Informationsportals zu Palästina, das er ab 30. April 2002 aufgebaut hat. Anfänglich hieß das Portal 'Dschenin'. Über viele Jahre hinweg publizierte er darin Nachrichten, Hintergrundtexte, Analysen und Dokumente zum Nahostkonflikt. Sein Lebenswerk war der Aufbau und die Pflege dieses Portals, das in solidarischen Kreisen als wichtige Ressource angesehen wurde. Das „Palästina-Portal“ war ein von Arendt aufgebautes deutsches Informations- und Nachrichtenportal, das Nachrichten, Analysen und Hintergrundtexte zum Nahostkonflikt, Dokumente, Karten, Unterrichtsmaterialien, sowie Stimmen für Frieden, Gerechtigkeit und Völkerrecht sammelte und veröffentlichte. In solidarischen Kreisen wurde das Portal als wichtige Ressource für eine palästinensisch orientierte Perspektive gesehen; es wurde bis zu seinem Tod regelmäßig genutzt, auch wenn die Aktualisierung nach Arendts Tod zunächst nicht fortgeführt wird.

Arendt war ein klarer Kritiker der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik, und er setzte sich aktiv für die Menschenrechte und Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes ein – dies war auch in der DPG und in seinem Publizistikschaffen reflektiert. Sein Werk wird vor allem in linken und solidarischen politischen Kontexten rezipiert.

Arendt sagte über sich selbst: „Obwohl Erfolg versprechend, verzichtete ich im Jahr 1971 auf eine große Karriere. In diesem Jahr bekam ich einen Sohn, der aufgrund eines so genannten Kunstfehlers schwerstbehindert war. Er bedurfte 20 Jahre lang Tag und Nacht der Pflege. Unsere Entscheidung war, ihm ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Unter diesen Umständen verzichtete ich auf eine künstlerische Karriere und arbeitete 30 Jahre lang vorwiegend im pädagogischen Bereich. Dies aus Überzeugung, aber auch aus finanziellen Gründen, denn das Sprichwort von der brotlosen Kunst hat in unserer Gesellschaft immer noch Bedeutung.

Auf die Frage, warum er das Palästina-Portal gegründet hat, antwortete er in einem Interview: Als Künstler war ich nie ein Anhänger der 'l'art pour l'art' und wollte mit meinen künstlerischen Mitteln immer etwas bewegen. So habe ich mich neben meinen anderen Arbeiten schon über 40 Jahre lang künstlerisch und auch real mit sozialkritischen, zeitkritischen Themen auseinandergesetzt, und war politisch in der SPD tätig. Ein Beweggrund wurde sicher auch, dass ich in einer Stadt aufwuchs, in der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene unter sehr menschenunwürdigen Umständen kaserniert waren. Als ein fast dreijähriger Junge stand ich am Fenster unserer Wohnung und sah, dass da eine elendige Masse von Menscheln, bittend und bettelnd, merkwürdig gekleidet, am Fenster vorbeigetrieben wurde. Das trage ich immer noch mit mir herum und hat mein Leben mit geprägt. Später kam dann über Jahrzehnte hinweg die bewusste Verarbeitung der Verbrechen im Nazireich hinzu. Durch Diskussionen und Gespräche mit Palästinensern wurde mir sehr schnell bewusst, dass eine der Hauptursachen des Konfliktes zwischen 'uns' und den islamischen Ländern sich im Nahostkonflikt begründet. An seiner Entstehung und am Fortbestand ist der 'Westen' durch Nichthandeln, Schweigen, Verschweigen durch einseitiges Verständnis maßgeblich beteiligt. Wider aller Menschenrechte wird seit Jahrzehnten den Palästinensern unsagbares, verbrecherisches Unrecht angetan. Aus dem verinnerlichten 'Nie wieder', das sich auf unsere jüdischen Mitbürger bezog und bezieht, wurde ein: Nie wieder, Nirgendwo, mit Niemandem.

Erhard Arendt ist am 17. Mai 2025 im Alter von 83 Jahren gestorben; er wurde am 30. Mai 2025 in Lüdenscheid begraben.

Er hinterließ seine Frau, die Iranerin ist, und 4 Kinder.

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