.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Erhard Arendt war ein deutscher Künstler, Publizist und
langjähriger Aktivist für palästinensische Solidarität und
Menschenrechte.
Er ist am 17. Juni 1941 in Hemer (Nordrhein-Westfalen)
geboren. Er wuchs in einer Stadt auf, in der bis zum Ende des
Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene unter sehr
menschenunwürdigen Umständen kaserniert waren. Seinem
Großvater, dem damaligen Bürgermeister, war es mit zu
verdanken, dass die Stadt Hemer Ende des Zweiten Weltkrieges
kampflos übergeben wurde und dass nicht, wie schon vom
Kommandanten geplant und angeordnet worden war, noch russische
Kriegsgefangene getötet wurden.
Nach dem Abitur absolvierte er das Studium der Plastik und
Bildhauerei an der Fachhochschule Dortmund. Darauf folgte 1976
ein Studium der Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften.
Er arbeitete als Plastiker, Grafiker, Kunsterzieher und
Pädagoge sowie in der Lehrerfortbildung. Er leistete über
Jahrzehnte soziale Arbeit, auch in Brennpunkten und mit
Strafgefangenen, und organisierte Ausstellungen. Ab 1973 war
er als Kunsterzieher im Bereich Sozialpädagogik tätig und
organisierte Einzel- und Gruppenausstellungen. Ab 2001 war er
im Ruhestand und wohnte in Dortmund. Er betätigte sich bis zu
seinem Dahinscheiden als Künstler und Networker.
Arendt war kein formelles Vorstandsmitglied der
Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. (DPG) im Sinne
eines gewählten Funktionärs, aber er wurde von dieser
Organisation mehrfach gewürdigt und eng mit ihren
Solidaritätsaktivitäten in Verbindung gebracht. Die DPG
verlieh ihm 2012 den Palästina-Solidaritätspreis als
Anerkennung seiner langjährigen publizistischen und
solidarischen Arbeit im Kontext der palästinensischen
Bewegung.
Arendt ist vor allem als Initiator und Herausgeber des
„Palästina-Portals“ bekannt geworden, eines deutschsprachigen
Informationsportals zu
Palästina, das er ab 30. April 2002 aufgebaut hat.
Anfänglich hieß das Portal 'Dschenin'. Über viele Jahre hinweg
publizierte er darin Nachrichten, Hintergrundtexte, Analysen
und Dokumente zum Nahostkonflikt. Sein Lebenswerk war der
Aufbau und die Pflege dieses Portals, das in solidarischen
Kreisen als wichtige Ressource angesehen wurde. Das
„Palästina-Portal“ war ein von Arendt aufgebautes deutsches
Informations- und Nachrichtenportal, das Nachrichten, Analysen
und Hintergrundtexte zum Nahostkonflikt, Dokumente, Karten,
Unterrichtsmaterialien, sowie Stimmen für Frieden,
Gerechtigkeit und Völkerrecht sammelte und veröffentlichte. In
solidarischen Kreisen wurde das Portal als wichtige Ressource
für eine palästinensisch orientierte Perspektive gesehen; es
wurde bis zu seinem Tod regelmäßig genutzt, auch wenn die
Aktualisierung nach Arendts Tod zunächst nicht fortgeführt
wird.
Arendt war ein klarer Kritiker der israelischen Besatzungs-
und Siedlungspolitik, und er setzte sich aktiv für die
Menschenrechte und Selbstbestimmung des palästinensischen
Volkes ein – dies war auch in der DPG und in seinem
Publizistikschaffen reflektiert. Sein Werk wird vor allem in
linken und solidarischen politischen Kontexten rezipiert.
Arendt sagte über sich selbst: „Obwohl Erfolg
versprechend, verzichtete ich im Jahr 1971 auf eine
„große“
Karriere. In diesem Jahr bekam ich einen Sohn, der aufgrund
eines so genannten Kunstfehlers schwerstbehindert war. Er
bedurfte 20 Jahre lang Tag und Nacht der Pflege. Unsere
Entscheidung war, ihm ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.
Unter diesen Umständen verzichtete ich auf eine künstlerische
Karriere und arbeitete 30 Jahre lang vorwiegend im
pädagogischen Bereich. Dies aus Überzeugung, aber auch aus
finanziellen Gründen, denn das Sprichwort von der
„brotlosen Kunst“
hat in unserer Gesellschaft immer noch Bedeutung.“
Auf die Frage, warum er das Palästina-Portal gegründet hat,
antwortete er in einem Interview:
„Als Künstler war ich nie ein Anhänger der 'l'art pour
l'art' und wollte mit meinen künstlerischen Mitteln immer
etwas bewegen. So habe ich mich neben meinen anderen Arbeiten
schon über 40 Jahre lang künstlerisch und auch real mit
sozialkritischen, zeitkritischen Themen auseinandergesetzt,
und war politisch in der SPD tätig. Ein Beweggrund wurde
sicher auch, dass ich in einer Stadt aufwuchs, in der bis zum
Ende des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene unter sehr
menschenunwürdigen Umständen kaserniert waren. Als ein fast
dreijähriger Junge stand ich am Fenster unserer Wohnung und
sah, dass da eine elendige Masse von Menscheln, bittend und
bettelnd, merkwürdig gekleidet, am Fenster vorbeigetrieben
wurde. Das trage ich immer noch mit mir herum und hat mein
Leben mit geprägt. Später kam dann über Jahrzehnte hinweg die
bewusste Verarbeitung der Verbrechen im Nazireich hinzu. Durch
Diskussionen und Gespräche mit Palästinensern wurde mir sehr
schnell bewusst, dass eine der Hauptursachen des Konfliktes
zwischen 'uns' und den islamischen Ländern sich im
Nahostkonflikt begründet. An seiner Entstehung und am
Fortbestand ist der 'Westen' durch Nichthandeln, Schweigen,
Verschweigen durch einseitiges Verständnis maßgeblich
beteiligt. Wider aller Menschenrechte wird seit Jahrzehnten
den Palästinensern unsagbares, verbrecherisches Unrecht
angetan. Aus dem verinnerlichten 'Nie wieder', das sich auf
unsere jüdischen Mitbürger bezog und bezieht, wurde ein: Nie
wieder, Nirgendwo, mit Niemandem.“
Erhard Arendt ist am 17. Mai 2025 im Alter von 83 Jahren
gestorben; er wurde am 30. Mai 2025 in Lüdenscheid begraben.
Er hinterließ seine Frau, die Iranerin ist, und 4 Kinder.