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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Aschik Veysel (Âşık Veysel / Verliebter Veysel) war einer
der berühmtesten
Laute (bağlama)-Spieler und Volkslied-Dichter der
Türkei.
Aschik Veysel hieß mit bürgerlichem Namen Veysel Şatıroğlu
und ist eine der bekanntesten Figuren in der türkischen Folk-
und Volksmusik, insbesondere im Bereich der Âşık-Tradition
(Liebes-Volklied-Tradition). Er gilt als einer der größten
Poeten und Sänger der türkischen Volksmusikszene und ist
bekannt für seine tiefgründigen Lieder, die oft Themen wie
Liebe, Spiritualität, Natur und Gesellschaft behandeln.
Er ist am 25. Oktober 1894 im Dorf Sivrialan geboren, einem
kleinen Dorf in der Nähe von Şarkışla, in der Provinz Sivas.
Er wuchs in einer armen Bauernfamilie auf. Im Alter von 7
Jahren erblindete er aufgrund einer Augenkrankheit am linken
Auge. Das rechte Auge verlor er später durch einen Unfall. Um
seinen Sohn zu trösten, kaufte sein Vater dem Zehnjährigen
eine
Laute (bağlama).
Später wurde er von seinen Eltern mit einer entfernten
Verwandten namens Esma verheiratet. Sie bekamen einen Sohn und
eine Tochter. Sein Sohn starb kurz nach der Geburt. Kurze Zeit
später starben auch Veysels Mutter und Vater. Nachdem sein
Bruder aus dem Krieg heimkehrte, selbst eine Familie gründete
und eine Tochter bekam, entschlossen sich die zwei Brüder,
einen Bediensteten ins Haus zu holen da Veysel durch seine
Blindheit gehandikapt war. Veysels Frau Esma verließ Veysel
mit jenem Bediensteten, als Veysel krank im Bett lag und sein
Bruder zur Arbeit unterwegs war. Zu diesem Zeitpunkt war
Veysels Tochter, die seine Ehefrau zurückgelassen hatte, sechs
Monate alt. Veysel trug das kleine Mädchen stundenlang umher
und wiegte es auf seinem Schoß, doch im Alter von zweieinhalb
Jahren starb auch dieses Kind. Die andauernden
Schicksalsschläge prägten sein Streben.
Wegen des türkischen Namensgesetzes war er gezwungen, sich
umzubenennen und wählte den Nachnamen Şatıroğlu (Sohn der
Zeilen). In den folgenden Jahren zog Aşık Veysel in der
Tradition der anatolischen Aşık-Sänger von Dorf zu Dorf, sang
poetische Lieder (deyiş) und bereiste so große teile der
Türkei. Daneben bildete er viele Musiker aus.
Trotz seines körperlichen Handicaps zeigte er früh ein
großes Talent für Musik und Dichtung. Âşık Veysel wurde zu
einem Meister der Bağlama (einem türkischen Saiteninstrument,
das oft in der traditionellen Musik verwendet wird). Sein
Repertoire umfasst eine Mischung aus traditionellen Türkischen
Volksliedern (Türkü) und selbstkomponierten Gedichten. Seine
Lieder sind tief spirituell und philosophisch, oft geprägt von
einem Sufischen Weltbild, das die Einheit mit
Gott
und die
Liebe als zentrale Themen behandelt, insbesondere die
mystische und spirituelle Liebe, sowohl zu
Gott
als auch zu
Menschen. Viele seiner Gedichte beschäftigen sich zudem
mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Bedeutung des Todes
als Übergang. Durch seine tiefe Verbundenheit zum
Sufismus wird seine Musik oft als Ausdruck seiner Suche
nach Gott verstanden. Veysel drückt auch seine tiefe
Verbundenheit zur Natur und die sozialen Probleme seiner Zeit
aus.
Sein bekanntestes Werk ist
Uzun ince bir yoldayim (Ich bin auf einem langen, schmalen
Weg). Es behandelt die Reise des Lebens und der
Selbstfindung.
Aschik Veysel (Âşık Veysel) hat viele andere Künstler und
Volksmusiker beeinflusst und bleibt bis heute eine
unersetzliche Figur in der türkischen Musikgeschichte. Er
wurde posthum geehrt und seine Lieder sind nach wie vor Teil
der türkischen Kultur und Volksmusiktradition. 1965 wurde ihm
aufgrund seiner „Verdienste um Sprache und nationale Einheit“
eine lebenslange monatliche Rente zuerkannt.
Âşık Veysel verstarb am 21. März 1973 in Şarkışla, einem
Dorf in der Nähe seiner Heimatstadt Sivas. Er war 79 Jahre
alt. Er wurde auf dem Dorffriedhof von Şarkışla begraben, in
der Nähe seiner Familie und den Menschen, die ihm nahe
standen. Heute ist sein Grab ein wichtiges Ziel für Pilger und
Volksmusikfans aus der ganzen
Türkei und darüber hinaus.
In Şarkışla und anderen Städten in der
Türkei wurden Denkmäler zu seinen Ehren errichtet. In
seiner Heimatstadt wurde sein Wohnhaus zu einem Museum. Es
gibt dort auch ein Denkmal, das an seine Lebensgeschichte und
seinen Einfluss auf die türkische Musik und Kultur erinnert.
Zu seinen Werken gehören unter anderem:
 |
Uzun ince bir yoldayim (Ich bin auf einem langen, schmalen
Weg) |
 | Kara toprak (Die schwarze Erde) |
 | Güzelliğin on para etmez (Deine Schönheit ist keinen
Groschen wert) |
 | Beni hor görme gardaşım (Bruder, verachte mich nicht)
|
 | Mecnunum Leylamı gördüm (Ich bin Madschnun – ich habe
meine Laila gesehen) |
 | Sazım (Meine Laute / Mein Saz) |
 | Dostlar beni hatırlasın (Möget ihr, Freunde, meiner
gedenken) |
 | Ben gidersem sazım sen kal dünyada (Wenn ich gehe, bleib
du, mein Saz, in dieser Welt) |
 | Karşıkı karlı dağda bülbül (Die Nachtigall auf dem
verschneiten Berg gegenüber) |
 | Kızılırmak seni seni (Kızılırmak, oh du, du selbst!)
|
 | Ömrüm ömrüm (Mein Leben, mein Leben!) |
 | Yüce dağ başında (Auf dem hohen Berggipfel)
|
 | Yine dertli dertli (Wieder voller Kummer und Leid) |
 | Dilber (Die Schöne / Die Geliebte) |
 | Çiçekler (Die Blumen) |
 | Hacı Bektaş ([Zu Ehren von] Hacı Bektaş Veli)
|
 | Sivas ellerinde sazım çalınır (In der Gegend von Sivas
wird mein Saz gespielt) |
 | Derdimi dökersem derin dereye (Wenn ich meinen Schmerz
in den tiefen Bach ergieße) |
 | Sen varsın orda (Du bist dort) |
 | Çiğdem Der Ki (Der Krokus sagt) |