Beaufort
Beaufort-Festung

Aussprache: qalʿat-ul-schaqiyf
arabisch:
قلعة الشقيف
persisch:
قلعه شقیف
englisch:
Beaufort Castle

Foto: KI generiert

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Die Beaufort-Festung ist eine mittelalterliche Höhenburg im Südlibanon, nahe dem Dorf Arnoun im Gouvernement Nabatieh.

Sie liegt auf einem Felsrücken über dem Litani-Fluss und beherrscht durch ihre Lage weite Teile Südlibanons. Gerade diese topographische Dominanz erklärt, warum die Burg nicht nur im Mittelalter, sondern auch im 20. und 21. Jahrhundert militärisch wichtig blieb.

Der arabische Name Qala Schaqif [قلعة الشقيف] bedeutet sinngemäß „Burg des hohen Felsens“ oder „Festung des Felsrückens“. Die Kreuzfahrer nannten sie Bel Fort / Beaufort, also etwa „schöne Festung“ oder „starke Festung“.

Die Anlage ist ungefähr dreieckig angelegt und bestand historisch aus einem oberen und einem tiefer gelegenen Bereich. Diese Bauweise nutzte den Fels selbst als militärische Barriere. Strategisch kontrolliert der Standort wichtige Bewegungsachsen im Süden des Libanon. Von dort aus kann man Gelände in Richtung Litani, Nabatieh, Marjayoun und teilweise Richtung Nordisrael überblicken. Deshalb taucht Beaufort immer wieder in militärischen Auseinandersetzungen auf.

Über die Zeit vor den Kreuzfahrern ist wenig sicher dokumentiert. Historiker gehen aber davon aus, dass der Ort wegen seiner Lage bereits vor dem 12. Jh. n.Chr. befestigt oder zumindest militärisch genutzt wurde. Manche Darstellungen sprechen von älteren, möglicherweise römischen oder lokalen Befestigungsstrukturen, doch die klar fassbare Geschichte beginnt mit der Kreuzfahrerzeit.

Die Burg wurde 1139 n.Chr. von Fulko, König von Jerusalem, eingenommen. Danach wurde die Anlage im Rahmen der Kreuzfahrerherrschaft ausgebaut und den Herren von Sidon zugeordnet. Der Name Beaufort stammt aus dieser Kreuzfahrerperiode.

Nach der Niederlage der Kreuzfahrer bei Hattin 1187 n.Chr. gerieten viele ihrer Burgen unter Druck. Sultan Saladin  eroberte Beaufort schließlich 1190 n.Chr. Damit wurde die Burg Teil der Herrschaftszone der Ayyubiden. Später gelangte sie nochmals in die Hände der Kreuzfahrer, bevor sie 1268 n.Chr. endgültig von Sultan Baibars I. für die Mamluken eingenommen wurde.

Nach der mamlukischen Rückeroberung verlor die Festung nicht sofort ihre Bedeutung, aber sie wurde zunehmend Teil regionaler Machtkämpfe. In der frühen Neuzeit spielte sie unter lokalen Machthabern wieder eine Rolle. Besonders wichtig ist Fakhr ad-Din II., der im frühen 17. Jh. n.Chr. zahlreiche Befestigungen im Libanon nutzte oder erneuerte. Nach seiner Niederlage gegen die Osmanen wurden Teile der Burg beschädigt oder zerstört.

Im 18. Jahrhundert blieb die Region unter dem Einfluss lokaler Familien. Jazzar Pascha, der mächtige osmanische Gouverneur von Akka, belagerte und nahm die Burg 1782 ein und zerstörte weitere Befestigungsteile. Das Erdbeben von 1837 verursachte zusätzliche Schäden. Danach diente die Ruine zeitweise als Steinbruch und als Unterstand für Hirten.

Im späten 19. Jahrhundert begannen europäische Reisende und Forscher, die Burg systematischer zu beschreiben. Dazu gehörten unter anderem Victor Guérin sowie Forscher des Survey of Western Palestine. Auch T. E. Lawrence besuchte die Burg 1909 im Rahmen seiner Studien zu Kreuzfahrerburgen. Während des französischen Mandats im Libanon wurden die Anlage und ihre mittelalterliche Architektur intensiver untersucht.

Während des libanesischen Bürgerkriegs wurde Beaufort erneut militärisch bedeutsam. Ab 1976 nutzte die PLO die Burg und das umliegende Gelände als Stellung. Aufgrund ihrer Lage wurde sie in den folgenden Jahren wiederholt von israelischen Kräften angegriffen.

Im Juni 1982, zu Beginn der israelischen Invasion des Libanon, wurde Beaufort stark beschossen und anschließend in der Schlacht um Beaufort von israelischen Truppen eingenommen. Danach richtete Israel dort eine militärische Stellung beziehungsweise einen Stützpunkt ein, der bis zum israelischen Rückzug aus Südlibanon im Jahr 2000 bestand. Die Burg selbst wurde durch Kämpfe, Beschuss und militärische Umbauten stark beschädigt.

Nach dem israelischen Rückzug im Jahr 2000 wurde Beaufort in Libanon zu einem stark aufgeladenen Symbol: einerseits als historische Kreuzfahrerburg, andererseits als Erinnerungsort des Widerstands gegen die israelische Besatzung. Die israelische Militärbasis wurde beim Rückzug zerstört, und später begannen libanesische Stellen und lokale Akteure mit Sicherungs-, Restaurierungs- und touristischen Maßnahmen.

Restaurierungsprojekte umfassten archäologische Untersuchung, bauliche Konsolidierung und touristische Erschließung. Facharbeiten zur Dokumentation erwähnen dabei unter anderem 3D-Rekonstruktion, Photogrammetrie und die Sicherung von Strukturen und Oberflächen.

Im Jahr 2024 erhielt Beaufort im Kontext des Krieges zwischen Israel und Hizbullah besondere internationale Aufmerksamkeit: Libanon beantragte Schutz für Kulturgüter, und mehrere Stätten wurden unter vorläufigen erweiterten Schutz im Rahmen des Haager Kulturgutschutzsystems gestellt. Berichte nennen darunter auch die Beaufort-Festung.

Ende Mai/Anfang Juni 2026 wurde die Beaufort-Festung im Zuge neuer Kämpfe im Südlibanon erneut von israelischen Kräften eingenommen. Es handelte sich um die tiefsten israelischen Operation im Libanon seit mehr als 26 Jahren.

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