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.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Hans Bethge war ein deutscher Lyriker und Kulturvermittler,
der vor allem durch seine Nachdichtungen ostasiatischer und
persischer Texte bekannt wurde.
Er beherrschte die Originalsprachen nicht, arbeitete jedoch
mit französischen und englischen Übersetzungen und formte
daraus eigenständige deutsche Gedichte. Sein bekanntestes Werk
ist „Die chinesische
Flöte“ (1907 n.Chr.),
das unter anderem Gustav Mahler inspirierte.
Bethges Methode war poetisch-adaptierend: Er verstand sich
weniger als Übersetzer im philologischen Sinn, sondern als
Dichter, der fremde Stoffe für ein deutsches Publikum neu
gestaltet.
Bethge veröffentlichte mehrere Sammlungen, die Gedichte im
Geiste von
Muhammad Schams ad-Din (Hafiz) präsentieren, unter
anderem:
 | Die Lieder des Hafis |
 | Hafis – Eine Auswahl seiner Gesänge |
Wesentlich ist dabei: Bethge übersetzte Hafis nicht direkt
aus dem Persischen. Er nutzte westliche Vorlagen (vor allem
französische Bearbeitungen). Die Texte sind freie
Nachdichtungen, keine textgetreuen Übertragungen.
Der Charakter von Bethges „Hafiz“
ist romantisch verinnerlicht , ästhetisch geglättet ,
mystisch-erotisch entschärft gegenüber dem Original und stark
auf deutsche Symbolik und Stimmung ausgerichtet
Im Unterschied dazu ist der persische
Hafiz
sprachlich hochkomplex, doppeldeutig (Wein in der Mystik,
Liebe zu Gott), oft ironisch, gesellschaftskritisch und
theologisch subtil. Bethge schuf also keinen
Hafiz
im historischen Sinn, sondern einen „deutschen Hafis“ für die
Leseerwartungen des frühen 20. Jh. n.Chr.
Bethge machte
Hafiz
im deutschsprachigen Raum populär. Seine Fassungen waren
leicht zugänglich und wirkungsmächtig. Seine Texte gelten aber
nicht als Übersetzungen und sind daher für das Verständnis von
Hafis’ Denken, Symbolik und Theologie eher ungeeignet. So
gesehen schrieb Hans Bethge Gedichte nach
Hafiz,
nicht Gedichte von
Hafiz. |