.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
„Das deutsche Kaiserpaar im Heiligen Lande“ ist der Titel eine
Buches, welche die historische Reise der deutschen
Kaiserpaares nach
Jerusalem dokumentiert.
Der vollständige Buchtitel lautet: „Das deutsche
Kaiserpaar im Heiligen Lande im Herbst 1898. Mit allerhöchster
Ermächtigung Seiner Majestät des Kaisers und Königs bearbeitet
nach authentischen Berichten und Akten“
Es erschien 1899 in Berlin im Verlag Ernst Siegfried
Mittler und Sohn. Die digitalisierte Ausgabe der Universitäts-
und Landesbibliothek Düsseldorf beschreibt den Band mit 422
Seiten, Illustrationen und Karten. Es handelt sich um eine
offiziös autorisierte Darstellung. Die Formulierung „mit
allerhöchster Ermächtigung“ bedeutet: Das Werk erschien
mit kaiserlicher Genehmigung und beansprucht, auf
„authentischen Berichten und Akten“ zu beruhen. Es ist
also zugleich Reisebericht, Erinnerungsbuch,
Dokumentensammlung und monarchische Selbstdarstellung.
Einen einzelnen Autor im modernen Sinn hat das Werk nicht.
In vielen Katalogen erscheint es deshalb ohne Autor oder unter
dem Sachtitel. Antiquarische und wissenschaftliche Nachweise
nennen jedoch Felix Mühlmann als Redaktor bzw. Bearbeiter
sowie Beiträge von Freiherr Ernst von Mirbach, Pastor Schlicht
und weiteren Beteiligten.
Eine moderne wissenschaftliche Zusammenfassung beschreibt
den Band als eine vom Kaiser persönlich autorisierte,
monumentale Dokumentation. Danach verfassten Pastor Schlicht
vom Jerusalems-Verein und Freiherr von Mirbach einen Großteil
der Kapitel; kürzere Teile stammten von weiteren kirchlichen
und staatlichen Würdenträgern, darunter Superintendenten,
Pfarrer, Regierungsräte und Hofbeamte.
Der Anlass des Buches war die berühmte Orient- und
Palästinareise Kaiser Wilhelms II. und Kaiserin Auguste
Viktorias im Herbst 1898. Der Palästina-Abschnitt dauerte vom
25. Oktober bis 4. November 1898 und bildete einen Teil des
zweiten Staatsbesuchs Wilhelms II. im Osmanischen Reich. Der
Höhepunkt war die Einweihung der evangelischen
Erlöserkirche in Jerusalem.
Die Erlöserkirche wurde nach Plänen des Architekten
Friedrich Adler zwischen 1893 und 1898 errichtet und am
Reformationstag, dem 31. Oktober 1898, im Beisein Wilhelms II.
und Auguste Viktorias eingeweiht.
Die Reise hatte mehrere Ebenen:
Das Buch ist sehr systematisch aufgebaut. Das
Inhaltsverzeichnis der digitalen Ausgabe zeigt vier
Hauptteile: I. Das Reiseziel, II. Die Reise ins Heilige Land,
III. Die Kaisertage im Heiligen Lande und IV. Die Rückreise.
I. Das Reiseziel
Der erste Teil liefert den historischen und religiösen
Hintergrund. Er beginnt mit einer Einleitung und behandelt
dann die Stiftung des deutsch-englischen evangelischen Bistums
in Jerusalem sowie die Errichtung der evangelischen
Jerusalem-Stiftung. Außerdem enthält er ein Kapitel über
deutsche Ansiedlungen und christliche Liebeswerke in
Palästina.
Dieser Teil ist besonders wichtig, weil er die Reise nicht
nur als Ausflug des Kaisers beschreibt, sondern als Ergebnis
jahrzehntelanger deutscher Kirchen- und Orientpolitik. Das
Buch stellt die deutschen evangelischen Einrichtungen,
Siedlungen, Schulen, Hospitäler und Missionswerke als Teil
einer größeren deutschen Kultur- und Glaubenspräsenz im
Heiligen Land dar.
II. Die Reise ins Heilige Land
Der zweite Teil beschreibt die Anreise: über Venedig nach
Konstantinopel und anschließend von Konstantinopel über Haifa
nach Jerusalem.
Hier wird die Reise als feierlicher Staatsakt erzählt. Der
Aufenthalt in Konstantinopel war politisch bedeutsam, weil
Wilhelm II. dort dem osmanischen Sultan begegnete. Danach
reiste das Kaiserpaar per Schiff nach Haifa, von wo aus der
Palästina-Abschnitt begann.
III. Die Kaisertage im Heiligen Lande
Der dritte Teil ist der Kern des Werkes. Er umfasst die
Kapitel:
Die heilige Stadt, Der Einzug, Der Sonntag in Bethlehem und
auf dem Ölberge, Die Einweihung der Erlöserkirche, Die letzten
Tage in Jerusalem, Jericho, das Tote Meer und der Jordan, Von
Jerusalem nach Jaffa, Durch Galiläa nach Tiberias.
Dieser Teil enthält die eigentliche Dramaturgie der Reise:
Jerusalem, Bethlehem, Ölberg, Erlöserkirche, Jordan, Totes
Meer und Galiläa. Das Buch verbindet dabei topografische
Beschreibung, biblische Erinnerung, kaiserliche Zeremonie und
politische Repräsentation.
Besonders hervorgehoben wird der Einzug des Kaiserpaares in
Jerusalem. Der Band enthält auch eine Illustration mit dem
Titel „Einzug des Kaisers und der Kaiserin in Jerusalem“.
IV. Die Rückreise
Der vierte Teil behandelt Beirut, Damaskus und Baalbek
sowie die Heimfahrt.
Gerade Damaskus wurde politisch berühmt, weil Wilhelm II.
dort seine viel zitierte Freundschaftsbekundung an Sultan
Abdülhamid II. und die Muslime aussprach. Eine moderne Studie
zur politischen Theologie Wilhelms II. zitiert die Passage, in
der der Kaiser erklärte, der Sultan und die „300 Millionen
Mohammedaner“ könnten sicher sein, dass der deutsche Kaiser
„zu allen Zeiten“ ihr Freund sein werde.
Der Band war aufwendig gestaltet. Die ULB Düsseldorf nennt
Illustrationen und Karten; antiquarische Beschreibungen
sprechen von Zeichnungen im Text, 77 Abbildungstafeln und 3
Karten. Das macht das Werk zu einem typischen
Repräsentationsband des Kaiserreichs: großformatig, bildreich,
dokumentarisch wirkend, aber zugleich stark inszenierend. Es
sollte nicht nur informieren, sondern Eindruck machen.
Das Buch ist ein offiziöses Erinnerungs- und Propagandawerk
des wilhelminischen Kaiserreichs.
Es zeigt Wilhelm II. als: christlichen Monarchen,
Beschützer deutscher evangelischer Einrichtungen, Freund des
Osmanischen Reiches, weltpolitisch handelnden Kaiser,
Reisenden an biblischen Orten, Erben einer langen deutschen
Jerusalem-Tradition.
Die Reise und das Buch stehen stark im Zeichen des
Protestantismus. Die Einweihung der Erlöserkirche am
Reformationstag war bewusst symbolisch. Eine Studie zur
politischen Theologie Wilhelms II. deutet die Einweihung als
Versuch, ein Zeichen für die Einheit der evangelischen Welt
unter deutscher Führung zu setzen.
Gleichzeitig war Wilhelm II. bemüht, sich nicht nur als
protestantischer Herrscher zu präsentieren. Seine Gesten
gegenüber katholischen Einrichtungen und seine
Freundschaftsbekundungen gegenüber Muslimen zeigen, dass die
Reise auch eine breitere religionspolitische Inszenierung war.
Politisch gehört das Buch in die Zeit der deutschen
Weltpolitik. Das Deutsche Reich wollte im östlichen
Mittelmeerraum, im Osmanischen Reich und im Nahen Osten
sichtbarer werden. Die Reise war kein Kolonialzug im engeren
Sinn, aber sie diente der Demonstration deutscher Präsenz.
Der Kaiser besuchte Orte, an denen deutsche evangelische,
katholische, diakonische, schulische und siedlerische
Einrichtungen aktiv waren. Das Buch stellt diese Einrichtungen
als Ausdruck deutscher Tatkraft und Frömmigkeit dar.