Dhirar ibn Dhumra
Dhirar ibn Dhumra al-Kinani

Aussprache: dhiraar ibn dhumra al-kinaaniy
arabisch:
ضِرار بن ضَمْرَة الكِناني
persisch:
ضِرار بن ضَمْرَة الكِنانی
englisch:
Dirar bin Dumra al-Kinani

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Dhirar ibn Dhumra al-Kinani war ein Gefährte von Imam Ali (a.). Er ist vor allem durch eine berühmte Überlieferung [hadith], in der er vor Muawiya ibn Abu Sufyan eine ergreifende Charakterbeschreibung Imam Alis (a.) vorträgt.

Über Dhirar ibn Dhumra selbst ist nur wenig biografisch gesichert. Seine historische Bedeutung ergibt sich weniger aus politischen Ämtern oder militärischen Taten, sondern fast vollständig aus dieser berühmten Begegnung mit Muawiya.

Sein Name erscheint in den Quellen in mehreren Varianten:

bulletضرار بن ضمرة الكناني — Dhirar ibn Dhumra al-Kinanī
bulletضرار بن ضمرة النهشلي — Dhirar ibn Dhumra al-Nahschali
bulletضرار بن ضمرة الضبابي — Dhirar ibn Dhumra al-Dhibabi

zuweilen auch mit abweichenden Lesarten. In Ibn Asakirs Tarich Dimaschq erscheint im Kapitelverzeichnis die Form „al-Katani“ [الكتاني], während andere Überlieferungen [hadith] ihn als al-Kinani oder al-Nahschali nennen.

Dhirar lebte in der Generation nach dem Propheten Muhammad (s.) bzw. in der Zeit der frühen islamischen Bürgerkriege und der Entstehung der umayyadischen Erbmonarchie. Seine bekannte Begegnung mit Muawiya muss nach dem Tod Imam Ali (a.) im Jahr 40 n.d.H. (661 n. Chr.) stattgefunden haben, denn Muawiya fragt ihn ausdrücklich nach Imam Ali (a.) in der Rückschau, und Dhirar spricht mit Trauer über dessen Verlust. Die Überlieferung stellt ihn als jemanden dar, der ʿAlī persönlich kannte und dessen Charakter aus unmittelbarer Nähe beschreiben konnte.

Die zentrale Überlieferung lautet sinngemäß: Dhirar trat zu Muawiya. Muawiya forderte ihn auf: „Beschreibe mir Ali.“ Dhirar bat zunächst darum, davon entbunden zu werden. Muawiya bestand jedoch darauf. Daraufhin gab Dhirar eine ausführliche Beschreibung Imam Alis (a.). Diese Szene ist in sehr vielen Werken sowohl von sunnitischen als auch schiitischen Quellen wiedergegeben. Die Überlieferung gehört zu den bekanntesten literarisch-spirituellen Porträts Imam Alis (a.) und lautet:

Abu Salih (vermutlich Abu Salih Bazham) berichtet:

Dhirar ibn Dhumra al-Kinani trat bei Muawiya ein. Dieser sagte zu ihm: „Beschreibe mir Ali.“  Dhirar sagte: „Willst du mich (nicht lieber) davon entbinden, o Befehlshaber der Gläubigen?“ Muawiya sagte: „Ich entbinde dich nicht davon.“ Da sagte Dhirar:

„Nun, wenn es sein muss: Bei Allah, er war von weitem Horizont und gewaltiger Kraft. Er sprach entscheidende Worte und urteilte gerecht. Aus seinen Seiten strömte Wissen hervor, und Weisheit sprach aus seinen Richtungen. Er empfand Fremdheit gegenüber der Welt und ihrem Glanz, und er fand Vertrautheit in der Nacht und ihrer Dunkelheit.

Bei Allah, er war reich an Tränen und lang im Nachdenken. Er wendete seine Hand und sprach mit sich selbst. An Kleidung gefiel ihm, was kurz und schlicht war, und an Speise, was grob und einfach war. Bei Allah, er war wie einer von uns: Er ließ uns nah zu sich, wenn wir zu ihm kamen, und antwortete uns, wenn wir ihn fragten. Doch trotz seiner Nähe zu uns und unserer Nähe zu ihm wagten wir kaum mit ihm zu sprechen, aus Ehrfurcht vor ihm.

Wenn er lächelte, dann war es wie eine Reihe geordneter Perlen. Er ehrte die Leute der Religion und liebte die Armen. Der Starke konnte nicht auf seine Parteilichkeit hoffen, und der Schwache verzweifelte nicht an seiner Gerechtigkeit.

Ich bezeuge bei Allah: Ich sah ihn in manchen seiner Zustände, als die Nacht ihre Schleier herabgelassen hatte und ihre Sterne untergegangen waren. Er stand geneigt in seiner Gebetsnische, hielt seinen Bart, wand sich wie ein von Schmerz Gezeichneter und weinte wie ein Trauernder. Es ist, als hörte ich ihn jetzt sagen: ‚O unser Herr, o unser Herr‘, wobei er sich flehend an Ihn wandte. Dann sprach er zur Welt: ‚Willst du mich täuschen? Sehnst du dich nach mir? Weit gefehlt, weit gefehlt! Täusche einen anderen als mich. Ich habe mich dreifach von dir getrennt. Dein Leben ist kurz, dein Sitz gering, und deine Gefahr unbedeutend. Ach, ach, wie gering ist der Reisevorrat, wie weit die Reise und wie einsam der Weg.‘“

Da flossen Muawiyas Tränen auf seinen Bart, und er konnte sie nicht zurückhalten. Er begann, sie mit seinem Ärmel zu trocknen, und die Anwesenden wurden vom Weinen ergriffen. Dann sagte Muawiya: „So war Abul-Hasan (Vater von Hasan), ALLAH erbarme sich seiner. Wie groß ist deine Trauer um ihn, o Dhirar?“

Dhirar antwortete: „Es ist die Trauer einer Mutter, deren einziges Kind in ihrem Schoß geschlachtet wurde: Ihre Tränen hören nicht auf, und ihr Schmerz kommt nicht zur Ruhe.“ Dann stand er auf und ging hinaus.“

Als besonders eindrucksvoll gilt die Passage, in der Dhirar Imam Ali (a.) nachts im Gebet beschreibt.

Die Überlieferung ist sehr bekannt und gilt als literarisch-spirituell außerordentlich wirkungsmächtig. Deshalb haben spätere Umayyaden versucht die Überlieferungskette [isnad] zu kritisieren, weil darin Muhammad ibn al-Saib al-Kalbi vorkommt und dieser als bekannter Schiit in Opposition zu der Erbmonarchie der Umayyaden stand.

Aus der Überlieferung wird geschlossen, dass Dhirar Imam Ali (a.) persönlich gekannt haben muss.

Außerdem zeigt die Szene Dhirar als mutigen und loyalen Anhänger Imam Alis (a.). Denn vor Muawiya, dem politischen Gegner Imam Alis (a.), hätte er angesichts der Gefahr leicht ausweichen oder taktisch antworten können. Stattdessen beschreibt er Imam Ali (a.) in höchster Anerkennung.

Zu Geburt, Tod, Familie, genauer Herkunft und Lebenslauf gibt es in den zugänglichen klassischen Angaben kaum belastbare Daten.

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