Dualität
Dualität, Paarhaftigkeit

Aussprache: al-izdiwaadschiyya
arabisch:
الازدواجية
persisch: دوگانگی
englisch:
Duality

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Dualität ist ein Prinzip der Schöpfung. Durch die Paarung des Dualen strebt die Schöpfung den Schöpfer [chaliq] an, welcher die Einheit [tauhid] ist.

Der Begriff der Dualität kommt sowohl im Fach Logik vor als auch in der Mathematik. Demnach kann man zu jedem Objekt ein weiteres Objekt denken und zur Untersuchung des eigentlichen Objektes heranziehen.

Dualität nutzt die Betrachtung eines Objektes von einer zweiten, dualen, Seite zum Zwecke des Erkenntnisgewinns. Als bedeutsamer Vers zum Thema im Heiligen Quran gilt Vers 36:36:

سُبْحَانَ الَّذِي خَلَقَ الْأَزْوَاجَ كُلَّهَا مِمَّا تُنبِتُ الْأَرْضُ وَمِنْ أَنفُسِهِمْ وَمِمَّا لَا يَعْلَمُونَ

Lobpreisung gebührt demjenigen, der die Partner erschaffen hat, jeden von ihnen, von dem, was die Erde wachsen lässt, und von ihren Seelen und von dem, was sie nicht wissen.

Als wohl bekannteste Überlieferung des Prophet Muhammad (s.) zur Erkenntnis im Rahmen von Dualität, die Imam Ali (a.) mehrfach übermittelte, gilt: "Wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Herrn".

Auffällig Beispiele für die Dualität im Heiligen Quran sind:

bullet Sonne [schams] Mond
bulletMänner – Frauen (siehe dazu Heiliger Quran 33:35)
bullet (die) Himmel [samaa]Erde [ardh]
bullet Diesseits Jenseits
bullet Moses (a.) Aaron (a.)
bullet Licht [nur] Finsternisse
bullet Gläubige [mumin] Ungläubiger [kafir]
bullet Glauben – Gute Werke tun
bullet Paradies [dschanna] Hölle [dschahannam]
bulletGehorsam [طَاعَة] – Begierde [شَهْوَة]
bulletGedenken [ذِكْر] – Achtlosigkeit [غَفْلَة]
bulletVernunft/Rechtleitung [هُدًى ,عَقْل] – niedere Neigung [هَوَى]
bullet Gerechtigkeit [adl] – Unterdrückung [ظُلْم]
bulletDemut [خُشُوع] – Hochmut [كِبْر]
bullet Wissen [ilm] – Unwissenheit/Ignoranz [جَهْل]

Zwar erscheinen viele Dualitäten wie Gegensätze, aber in einem übergeordneten Blickwinkel mit dem Ziel Einheit [tauhid] handelt es sich um Aspekte, die sich gegenseitig ergänzen oder aus dem Kontrast heraus aufeinander verweisen.

Im Heiligen Quran weisen auch weitere Verse auf die Dualität in der Schöpfung hin wie z.B.:

„Und von allem haben Wir ein Paar erschaffen, auf dass ihr bedenken möget.“ (51:49)

Gemäß Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai beginnt Vers 36:36 mit einer Lobpreisung [tasbihat] ALLAHs, weil Gott hier freigesprochen wird von Unvollständigkeit, Zufälligkeit oder Chaos, da die Dualität Bestandteil zum Streben nach Vervollkommnung [ihsan] ist-

Dualität ist demnach nicht nur auf die zwei Geschlechter bezogen sondern auf alle komplementäre Paare und Entsprechungen. Im Rahmen der menschlichen Existenz kann Dualität die Geschlechter aber auch die Dualität von Körper–Seele, Vernunft–Trieb oder Individualität–Gemeinschaft bedeuten. Paarhaftigkeit existiert auch dort, wo menschliches Wissen endet.

Die gesamte Schöpfung ist auf Relation, Ergänzung und Entsprechung hin angelegt. Nichts ist isoliert, nichts autark. Und diese Ordnung verweist notwendig auf einen transzendenten Urheber, der selbst nicht Teil dieser Dualität sein kann. So ist ALLAH jenseits von Paarhaftigkeit, wohingegen die Schöpfung durchzogen ist von Paarstrukturen.

Mit Verweis auf obiges Verständnis sagte Imam Chamenei am 4. Januar 2023 in einer historischen Rede unter anderem:

„Das Gesetz der Paare ist ein universelles Gesetz. Ich möchte hier noch einen weiteren Aspekt am Rande unserer Diskussion erwähnen. Diese Paarung, die in der islamischen Sichtweise so offensichtlich ist, ist genau der entgegen gesetzte Punkt zum Widerspruch aus der hegelschen und marxistischen Dialektik. Der Hauptpfeiler der hegelschen Dialektik, den Marx später von ihm übernommen hat, ist der Widerspruch. Er besagt, dass die Bewegung der Gesellschaft, der Geschichte und der Menschheit durch widersprüchliche Prozesse (zwischen gegensätzlichen Seiten) verursacht wird. Das heißt, es gibt „These“, „Antithese“, und die „Synthese“ wird aus These und Antithese gebildet. Dies ist im Islam nicht der Fall. Die Synthese wird nicht aus der Antithese gebildet. Sie entsteht aus der Paarung. Aus der Paarung, der Kompatibilität und der Kameradschaft entsteht die nächste Position, die nächste Generation, die nächste Bewegung und die nächste Stufe. Natürlich muss dies analysiert werden und es muss daran gearbeitet werden. Was ich hier gesagt habe, ist eine Theorie. Es ist eine Sichtweise.“

Das wurde unter anderem als „Dialektik der Paarung“ bezeichnet.

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