Babyenthauptung
Enthauptete Babys

Aussprache: atfaal maqtuuʿu ar-ruʾuus
arabisch:
أطفال مقطوعو الرؤوس
persisch:
نوزادان سربریده
englisch:
Beheaded babies

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Die Behauptung von „enthaupteten Babys“ oder extremer Gewalt an Säuglingen gehört historisch zu einem wiederkehrenden Propagandamuster, das immer dann auftaucht, wenn eine Gruppe entmenschlicht und militärische Gewalt moralisch legitimiert werden soll.

Gegen Muslime wurde dieses Motiv in mehreren Epochen verwendet, oft ohne zeitnahe Belege und später relativiert oder widerlegt.

Mittelalter: Kreuzzugspropaganda (11.–13. Jh.)

Im Kontext der Kreuzzüge wurden in lateinisch-christlichen Chroniken Muslime (oft pauschal als „Sarazenen“) beschuldigt, christliche Kinder zu ermorden, Säuglinge zu schänden oder zu töten. Diese Darstellungen dienten der Mobilisierung der Bevölkerung für die Kreuzzüge. Die stark polemische Literatur lieferte keine zeitgenössisch überprüfbaren Beweise und war ein klassisches Beispiel frühmittelalterlicher Greuelpropaganda.

Kolonialzeit & Orientalismus (19. Jh.)

Im Kontext der europäische Expansion in Länder der Muslime und deren Kolonialisierung tauchten in Reiseberichten, Zeitungen und Pamphleten Motive auf wie „barbarische Muslime“ und „grausame Sitten“, auch gegenüber Kindern. Zwar ging es seltener konkret um „Enthauptungen von Babys“, aber es bestand das klare Narrativ der Kindergrausamkeit. Der Zweck war die Rechtfertigung von Kolonialherrschaft und Darstellung der eigenen Gewalt als „zivilisatorisch notwendig“.

Erster Weltkrieg & Nachkriegszeit

Im Kontext der Kriege gegen das Osmanische Reich wurden in der alliierten Propaganda muslimische Soldaten (Osmanen) teils mit extremen Gräueltaten dargestellt. das erfolgte parallelen zur bekannten „Belgian Babies“-Propaganda (1914) gegen Deutsche, da Babys als ultimatives Symbol moralischer Grenzüberschreitung galten. Das war Teil eines allgemeinen Propagandarepertoires, denn Babys dienten als emotionaler Verstärker, unabhängig von realen Fakten.

Späte 20. Jh.: Balkan & „Krieg der Bilder“ a) Jugoslawienkriege (1990er)

Im Kontext des Bosnienkriegs kursierten in verschiedenen Phasen unbestätigte Horrorgeschichten über Kindermorde, und extreme Gewalt durch „die jeweils anderen“. Teilweise wurden Muslime beschuldigt, teilweise waren Muslime selbst Ziel solcher Propaganda. Diese Form der extremen Informationskriege sollte sich zunehmend steigern. Viele frühe Behauptungen wurden später nicht bestätigt.

„War on Terror“ (ab 2001) a) Afghanistan & Irak

Im Kontext des sogenannte War on Terror waren Geschichten über „unmenschliche Grausamkeit“ ein wiederkehrende Muster. Sie wurde oft zunächst medial verbreitet, später relativiert. Berühmt ist die „Brutkastenlüge“. Es war der Mechanismus: Babys in Kombination mit Grausamkeit galt als moralische Kriegslegitimation

2020er Jahre

Einzelne Behauptungen über „enthauptete Babys durch Muslime“ verbreiteten sich rasant in sozialen Medien, wurden später teils nicht bestätigt, korrigiert oder zurückgezogen. Berühmt ist hierbei die Falschinformationen über die Enthauptung von Babys durch die Hamas. Im Rahmen des öffentlichen Diskurses über den aus westlicher Sicht Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1160 Menschen, darunter bis zu 38 Minderjährige, getötet wurden, kam es zu Falschinformationen über die Enthauptung von Babys durch Muslime, die eine besonders weite Verbreitung erlangten. Später stellte sich der Vorwurf als Propagandalüge heraus, die von israelischen Stellen lanciert worden waren. Eine große deutsche Zeitungen, die offensichtlich ungeprüft zionistische Propaganda in Deutschland verbreitet, wurden 2024 vom Deutschen Presserat kritisiert, dass sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt habe. Die Zeitung hatte eine israelischen Ort beschrieben als den „Ort, an dem Hamas 40 Babys und Kinder abgeschlachtet hat. Geköpft.“ Solcherlei Kritik bleibt in Deutschland in der Regel ohne ernsthafte folgen für jene, die derartige Lügen im pro-westlichen sinn verbreiten.

Die Propaganda mit „Grausamkeit gegen Babys“ ist historisch ein konstantes Muster: Babys symbolisieren die absolute Unschuld. Daher ist Gewalt an Babys eine maximale Entmenschlichung und insbesondere Enthauptung ein archaisches Schrecksymbol. Zusammen erzeugt dies moralischen Schock, der eine rationale Prüfung ausschaltet und militärische oder politische Maßnahmen emotional legitimiert.

Kein Kollektiv ist historisch frei von individueller Gewalt. Aber die systematische Behauptung, eine Gruppe begehe „enthauptete Babys“, ist ein klassisches Propagandamotiv, historisch immer wieder instrumentalisiert bis in unsere heutige Zeit und häufig unbelegt oder überzeichnet.

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