In vielen vormodernen islamischen Gesellschaften galt es
als angemessen, dass Frauen, insbesondere verheiratete oder
hochgestellte Frauen, nicht offen dem öffentlichen Blick
ausgesetzt waren. Die Frauensänfte ermöglichte Mobilität ohne
vollständige Sichtbarkeit, insbesondere auf Reisen,
Pilgerfahrten oder bei Umzügen.
Frauensänften galten auch als Statussymbol und waren daher
oft aufwendig gestaltet, mit Stoffen, Holzarbeiten oder Metall
verziert, um damit ein Zeichen von Wohlstand, Rang und
familiärer Ehre zu setzen. Die Vorhänge waren so gestaltet,
dass die Frauen zwar nach Außen sehen konnten, aber von Außen
der Blick nach Innen verwehrt blieb. Nicht jede Frau nutzte
eine Sänfte. Sie war keineswegs universell.
Neben kulturellen Normen spielte auch Pragmatik eine Rolle:
So konnte die Frau bei langen Distanzen körperlich geschont
und vor der Hitze geschützt werden.
Der
Islam hat zu keiner Zeit eine Frauensänften
vorgeschrieben. Sie ist vielmehr eine historisch gewachsene
Praxis beeinflusst von lokalen Traditionen und eingebettet in
allgemeine Vorstellungen von Schamhaftigkeit und sozialer
Ordnung. So ist bekannt, dass
Aischa bint Abu Bakr bei der
Kamelschlacht in einer Sänfte beteiligt war. Ansonsten
kamen Frauensänften in der frühen Zeit des
Islam
in der Regel nur im Zusammenhang mit Reisen zum Einsatz. In
der Zeit der
Osmanen,
Mamluken und
Safawiden waren Frauensänften besonders bei Hof und Elite
verbreitet.
Mit der modernen Urbanisierung und der Verbreitung von
neuen Verkehrsmitteln sowie veränderten Rollenbildern
verschwand die Frauensänfte weitgehend. Heute hat sie keine
praktische Funktion mehr sondern vor allem nur noch
historisch-kulturelle Bedeutung in Museen und Literatur.

Fotos: Dr. Walter Philipp Schulz; Die Welt
des Islam (1917 n.Chr.)