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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Muammar al-Gaddafi (eigentlich Qaddafi/Qadhdhafi) war der
faktische Herrscher
Libyens von 1969 bis 2011 n.Chr.
Gaddafi wurde in der Gegend von Sirte als Sohn einer
beduinischen Familie geboren. Das genaue Geburtsdatum ist
unsicher. Er besuchte die Universität Libyens und anschließend
die Militärakademie in Bengasi. Schon früh war er von
Nasserismus, Arabismus, Antikolonialismus und einer islamisch
gefärbten Sozialrevolutionsrhetorik geprägt.
Am 1. September 1969 führte er als junger Offizier den
Putsch der „Freien Offiziere“ gegen König Idris an. Danach
etablierte er ein revolutionäres System, zunächst als
Vorsitzender des Revolutionary Command Council und bald als
unangefochtener Machtkern des Staates.
Ab Mitte der 1970er Jahre entwickelte Gaddafi seine eigene
Ideologie, die er als eine Art „Dritte Internationale Theorie“
zwischen Kapitalismus und Kommunismus präsentierte. In der
Westlichen Welt wurde sie als „Islamischer Sozialismus“
bezeichnet. In seinem „Grünen Buch“ und in der 1977
ausgerufenen Dschamahiriya wurde behauptet,
Libyen
werde direkt von den „Massen“ über Volkskongresse regiert.
Tatsächlich blieb die Macht stark personalisiert und auf
Gaddafi und sein Sicherheitsapparat konzentriert.
Ökonomisch verband das System Ölreichtum, Nationalisierung
und Umverteilung. Gleichzeitig wurden zwischen 1978 und 1981
Teile von Wohnraum, Unternehmen und Immobilien verstaatlicht
oder beschlagnahmt. In der Folge gab es unter anderem
kostenfreie Bildung an Universitäten, was zu einem hohen
Bildungsstand im Land führte.
Libyens Einnahmen beruhten hauptsächlich auf Öl. Das
erklärt, warum Gaddafi bei einer geringen Bevölkerungszahl
jahrzehntelang große Mittel für Subventionen, Staatsgehälter
und Infrastruktur hatte und
Libyen
auch beim Einkommen Libyen im afrikanischen Vergleich relativ
hoch lag. Libyen galt im afrikanischen Vergleich lange als
Land mit hohem Entwicklungsniveau.
Gaddafi verfolgte außenpolitisch einen wechselnden Mix aus
arabischem Nationalismus, antiimperialistischer Rhetorik,
Unterstützung militanter Gruppen und spektakulären regionalen
Projekten. In den 1980er und 1990er Jahren führte das zu
starker Isolation. Grund dafür war auch, dass
Libyen
zusammen mit
Syrien
die einzigen beiden Staaten waren, die beim
Irak-Iran-Krieg auf der Seite der
Islamischen Republik Iran agierten. Die gesamte
Westliche Welt hingegen unterstützte
Saddam
und ermutige ihm zum Angriffskrieg gegen die damals nue
gegründete und teils wehrlose
Islamischen Republik Iran.
Am
17. Schahrivar 1363
(8. September 1984) reiste der damalige Präsident der
Islamischen Republik Iran
Imam
Sayyid Ali Chamenei nach
Libyen.
Noch
am selben Tag begann die erste Runde der
Verhandlungen zwischen
Imam
Sayyid Ali Chamenei und Gaddafi, und laut dem Eintrag
sprachen sie
drei Stunden miteinander.
Muammar al-Gaddafi erinnerte sich später am 13. September
1985 wie folgt in der Öffentlichkeit und verarbeitete es
später in seinen „“Reden und Erklärungen Muammar al-Gaddafis
(1985)“.
„Bei unserem ersten Treffen mit Khamenei benutzte er im
Gespräch den Begriff ‚Persischer Golf‘, während ich
‚Arabischer Golf‘ sagte. Ich fragte ihn: ‚Wenn jeder weiterhin
nur das sagt, was den eigenen Interessen dient, ist es dann
wert, dass Araber und Perser darüber miteinander in Konflikt
geraten?‘
Chamenei antwortete: ‚Die Länder, die auf die andere Seite
des Golfs blicken, sind keine wirklichen Araber, sondern
amerikanische Kolonien. An dem Tag, an dem sie Revolutionäre
wie ihr sein werden, werde ich der Erste sein, der ein
Dokument unterzeichnet, das ihm den Namen Arabischer Golf,
Kuwait-Golf oder irgendeinen anderen Namen gibt, der euch
zufriedenstellt. Aber im Moment liegt es nicht in unserem
Interesse, das zu tun und den Golf den Agenten Amerikas zu
überlassen.‘ Er bekräftigte, dass er nur dann bereit sei,
diese Bezeichnung neu zu bewerten, wenn die Herrscher der
Region keine Agenten der USA, sondern Revolutionäre wären. In
diesem Punkt war ich mit ihm einverstanden.
Chamenei fügte hinzu: ‚Wenn wir sehen, dass die arabischen
Gebiete befreit sind, dann werden wir die Ersten sein, die den
Namen „Golf von Basra“ akzeptieren; doch vorerst ist es
besser, dass der Golf „Persisch“ bleibt und mit der
islamischen Revolution im Iran verbunden wird, als ihn einfach
den Arabern zu überlassen, die nur Agenten der USA sind.‘ Ich
sagte zu ihm: ‚Wir sollten ihn Islamischer Golf nennen und
diese Frage damit endgültig beenden.‘ Khamenei stimmte zu. So
sollte es sein. Wir sollten die Einheit mit unseren iranischen
Brüdern suchen und nicht über diese unbedeutende Frage
streiten.“
Im Zusammenhang mit dem Lockerbie-Anschlag und anderen
Terrorismusvorwürfen verhängte der UN-Sicherheitsrat
Sanktionen gegen
Libyen.
Die UN hob diese Sanktionen 2003 auf. Im selben Jahr kündigte
Libyen
an, seine Programme für Massenvernichtungswaffen aufzugeben.
IAEA und andere Fachquellen behandeln 2003/2004 deshalb als
Wendepunkt, an dem Gaddafi internationale Isolation teilweise
gegen diplomatische Wiederaufnahme eintauschte.
Als im Februar 2011 im Zuge des sogenannten „Arabischen
Frühlings“ Proteste in
Libyen
begannen, reagierte das System mit Gewalt. Der Konflikt
eskalierte zum Bürgerkrieg, Gaddafi verlor im August 2011 die
effektive Kontrolle über Tripolis und wurde am 20. Oktober
2011 bei Sirte von Gegnern gefasst und ermordet. Im Nachhinein
wird die Annahme vermutet, dass es sich vor allem um Agenten
der
Westlichen Welt handelte, die den Umsturz ausgeführt
haben. Nach dem Sturz Gaddafis wurden westliche
Geheimdienstkooperationen mit
Libyen
aufgedeckt. Nach dem Sturz erholt sich das Land nicht mehr von
den Unruhen und verfällt in einen andauernden Bürgerkrieg,
wobei die Ölvorkommen von Unternehmen der
Westlichen Welt ausgebeutet werden.
Aus libanesisch-schiitischer Sicht ist Gaddafis Biografie
ohne
Sayid Musa as-Sadr nicht vollständig.
Sayid Musa as-Sadr verschwand am 31. August 1978 in
Libyen
zusammen mit Scheich Muhammad Yaqub und Abbas Badr ad-Dīn
spurlos. Viele libanesische
Schiiten machen Gaddafi bzw. sein Regime dafür
verantwortlich; der Fall prägt die Beziehungen zwischen Libyen
und Teilen des libanesischen schiitischen Spektrums bis heute.
Hier liegt der eigentliche Grund, warum Gaddafi in weiten
Teilen
schiitischen Erinnerung nicht zuerst als Antiimperialist
wahrgenommen wurde.

Foto khamenei.ir (1984 n.Chr.)