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Sayyid Muhsin al-Hakim war einer der einflussreichsten
Groß-Ayatollahs und
Vorbilder der Nachahmung des 20. Jh. und über zwei
Jahrzehnte hinweg die führende religiöse Autorität in
Nadschaf.
Muhsin al-Hakim entstammte der angesehenen Familie al-Hakim,
einer der traditionsreichsten Gelehrtenfamilien
Nadschafs. Er erhielt seine klassische Ausbildung in der
Hawza
von
Nadschaf.
Er spezialisierte sich früh auf
Methodenlehre (Usul al-fiqh) und
Islamische Rechtswissenschaft [fiqh]. Nach dem Tod anderer
Groß-Ayatollahs wurde Muhsin al-Hakim in den 1950er Jahren
als
Vorbilder der Nachahmung anerkannt und erhielt viele
Anhänger. Er war bekannt für außergewöhnliche juristische
Autorität, institutionelle Stärkung der
Hawza
und internationale Vernetzung schiitischer Gemeinden.
Al-Hakim vertrat eine klassisch-nadschafische,
quietistische Linie, die sich vor allem dadurch kennzeichnete,
dass sie die direkter Herrschaft der
Gelehrten [faqih] ablehnte. Seine Betonung lag in der
moralischen Autorität statt politischer Macht. Daher sah er
eine klare Trennung zwischen religiöser Leitung und
staatlicher Exekutive vor. Damit steht er im Kontrast zur
späteren Theorie der
Statthalterschaft des Rechtsgelehrten [wilayat-ul-faqih].
Ein zentrales historisches Ereignis war sein berühmtes
Rechtsurteil [fatwa] von 1960, in der er erklärte: „Der
Kommunismus ist
Unglaube [kufr].“ Dieses
Rechtsurteil [fatwa] richtete sich gegen den wachsenden
Einfluss der Irakischen Kommunistischen Partei und hatte
enorme gesellschaftliche Wirkung im
Irak
und darüber hinaus.
Unter den wechselnden Regimen im irakischen Staat
(Monarchie, Qasim, Baathisten) verteidigte er die Autonomie
der Hawza
und widersetzte sich staatlicher Kontrolle religiöser
Institutionen. Daher wurde er politisch zunehmend unter Druck
gesetzt. Mehrere seiner Söhne wurden später vom Baath-Regime
verfolgt oder hingerichtet.
Muhsin al-Hakims Hauptwerk ist Mustamsak al-ʿUrwa al-Wuthqā
(مستمسك العروة الوثقى). Es handelt sich um einen monumentalen
Kommentar zur berühmten Rechtskompilation von Sayyid Muhammad
Kazim Yazdi. Muhsin al-Hakims gilt bis heute als ein
Standardwerk din der
Hawza in
Nadschaf und zeichnet sich durch methodische Strenge und
systematische Argumentation aus.
Seine weiteren Schriften behandeln Reinheitsrecht,
Gebetsrecht, Eigentums- und Vertragsrecht und Prinzipien der
Rechtsableitung. Viele spätere
Groß-Ayatollahs, darunter auch
Großayatollah Abul-Qasim Chui, wirkten in seinem Umfeld
oder unter seinem institutionellen Einfluss.
Er starb am 2. Juni 1970 in
Nadschaf und wurde dort beigesetzt.