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Ahmet Sezai Karakoç war ein bedeutender türkischer
Dichter, Essayist, Denker und Bewegungsgründer. Er gilt als
einer der einflussreichsten Intellektuellen des türkischen 20.
Jh. n.Chr., weil er klassisch-religiöse Vorstellungen mit
moderner Dichtung und politischer Kritik verband.
Er ist am22. Januar 1933 in Ergani in der Provinz
Diyarbakır geboren. Seine Schulzeit verbrachte er als
Internatsschüler u. a. in Maraş und
Gaziantep.
Er studierte an der Fakultät für Politikwissenschaften (Siyasal
Bilgiler) an der Ankara-Universität. IM Jahr 1955 erzielte er
einen Abschluss in der Fachrichtung Finanzen (Maliye).
Beruflich arbeitete er zunächst im Finanzministerium (unter
anderem als Inspektorenlaufbahn) und trat 1965 in den
Ruhestand bzw. schied aus dem Staatsdienst, um sich ganz der
Literatur und Publizistik zu widmen.
Karakoç debütierte in den 1950er Jahren in literarischen
Zeitschriften; sein wohl bekanntestes frühes Gedicht ist „Monna
Rosa“, ein klang- und bildstarkes Liebesgedicht, das zu seinen
bekanntesten Werken wurde und in literaturwissenschaftlichen
Texten oft erwähnt wird. Er veröffentlichte zahlreiche
Gedichtbände und Essaysammlungen.
Karakoç ist untrennbar mit dem Begriff Diriliş
(‚Auferstehung/Erwachen‘) verbunden: Er gründete in den 1960er
Jahren die Zeitschrift Diriliş, die literarisch-intellektuelle
Plattform für seine Ideen wurde. Über die Zeitschrift formte
er eine geistige Strömung, die er später in programmatischen
Texten (z. B. Diriliş Neslinin Amentüsü) ausarbeitete. Aus
seinen Ideen entwickelte er auch parteipolitische Aktivität:
1990 gründete Karakoç die Diriliş Partisi
(Auferstehungs-Partei); später (2007) entstand die Yüce
Diriliş Partisi. Seine politische Linie zielte auf eine
Erneuerung der islamisch-zivilisatorischen Identität und eine
Neuorganisation der muslimischen Gemeinschaften. Karakoç
verstand Dichtung als Form gesellschaftlicher Formung (Kunst
als Auftrag).
Karakoç wird von vielen als führender „islamischer“
Intellektueller in der türkischen Moderne bezeichnet; er
formte Generationen von Leserinnen und Denkerinnen durch
Diriliş und seine Schriften. Seine politische Praxis
(Parteigründungen) und seine explizit
religiös-zivilisatorische Programmatik waren zugleich Quelle
großer Bewunderung wie auch kritischer Debatten.
Teile seines Werks und seiner politischen Praxis wurden
kontrovers diskutiert — sowohl literarisch (welcher Platz für
religiöse Formen in moderner Lyrik?) als auch politisch (wie
realistisch/gewollt ist seine programmatische Vision). Die
Bandbreite der Rezeption reicht von hochverehrend bis
skeptisch. Karakoç erhielt mehrere nationale Auszeichnungen.
Er starb am 16.November 2021 in
Istanbul.
Im Park vor der
Ipekyolu Atatürk Kunstgalerie in Van (İpekyolu Atatürk Sanat
Galerisi) ist der erste Zyklus seines Gedichts
Ecke auf einer Tafel angebracht.
