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Das Volkslied „Kâtibim“ oder mehr bekannt unter der
Anfangsstrophe „Üsküdar’a giderken“ gilt als eines der
bekanntesten türkischen Volkslieder.
Als Herkunft wird die osmanisch-istanbulische
Stadtlied-Tradition des spätestens 19. Jh. n.Chr. vermutet,
wobei die genaue Herkunft umstritten ist.
Das Thema des Liedes handelt von einer jungen Dame, die bei
Regen nach Üsküdar fährt. Ihr „kâtib“ (Schreiber/Beamter)
begleitet sie und es kommt zur Annäherung beider. „Kâtib“ war
bei den
Osmanen ein Schreiber oder Beamter, der gebildet,
städtisch und modisch war. In Liedern ist der Titel oft
romantisch besetzt. Das Lied spielt mit reizvoller Höflichkeit
kleiner Gesten (ein Taschentuch anbieten, ein Tuch richten).
Die Strophen variieren stark je nach Region, Zeit und Sänger.
Es handelt sich um ein Strophenlied mit Refrain und es gibt
sehr viele Volksvarianten des Textes. Das Lied wird in einem
typischen „Aksak“-Rhythmus 9/8 (meist 2+2+2+3) gesungen.
Das ohnehin bereits im gesamten Wirkraum der
Osmanen verbreitete Lied war auch in der Republikzeit sehr
populär und ab den 1950ern auch in der
Westlichen Welt international bekannt durch Eartha Kitt: „Uska
Dara (A Turkish Tale)“ deren Lied 1953 zum US-Hit aufstieg.
Später wurde das Lied unter anderem auch von Ella Fitzgerald
und vielen Weltmusik-Acts adaptiert.
Das Motiv und die Melodie wanderte und erhielt
mehrsprachige Fassungen, wobei viele Kulturen die Meinung
vertreten, das Lied stamme von ihnen:
Heute gilt „Üsküdar’a giderken / Kâtibim“ als Teil des
gemeinsamen Kulturerbes des östlichen Mittelmeerraums. Es
steht beispielhaft für osmanische Interkulturalität.
Der vollständige türkische Text in einer der klassischen
Standardversionen lautet:
Üsküdar’a gider iken aldı da bir yağmur,
Kâtibimin setresi uzun, eteği çamur.
Kâtibimi arar iken buldum da onu,
Başında yazma var, yüreğimde vurur.
Kâtibim güzel kâtibim, canım efendim,
Senin için yazmalar sararım başıma.
Kâtibim güzel kâtibim, canım efendim,
Zülüflerin dökülür yanaklarıma.
Üsküdar’a gider iken bir mendil buldum,
Mendilimin içine lokum doldurdum.
Kâtibimi arar iken yolda buldum,
Sevinçten ağladım, mendilimi doldurdum.
Kâtibim güzel kâtibim, canım efendim,
Senin için yazmalar sararım başıma.
Kâtibim güzel kâtibim, canım efendim,
Zülüflerin dökülür yanaklarıma.
Die deutsche Übersetzung lautet:
Als ich nach Üsküdar unterwegs war, begann es zu regnen.
Der Mantel meines Schreibers ist lang, und sein Saum ist
voller Schlamm.
Während ich nach meinem Schreiber suchte, fand ich ihn
endlich;
Er trägt ein Tuch auf dem Kopf – und mein Herz schlägt heftig.
Mein Schreiber, mein schöner Schreiber, mein lieber
Herr,
Für dich wickle ich bunte Tücher um mein Haar.
Mein Schreiber, mein schöner Schreiber, mein lieber
Herr,
Deine Locken fallen über meine Wangen.
Als ich nach Üsküdar ging, fand ich ein Taschentuch;
Ich füllte mein Taschentuch mit Lokum (Süßigkeiten).
Während ich meinen Schreiber suchte, traf ich ihn
unterwegs,
Ich weinte vor Freude und füllte mein Taschentuch mit Tränen.
Mein Schreiber, mein schöner Schreiber, mein lieber
Herr,
Für dich binde ich Tücher um mein Haar.
Mein Schreiber, mein schöner Schreiber, mein lieber
Herr,
Deine Locken fallen auf meine Wangen.
Üsküdar steht als asiatischer Stadtteil
Istanbuls symbolisch für Alltagsleben und Romantik. Der
Kâtib ist ein Schreiber und ein gebildeter Mann. Die Setre ist
ein langer Mantel. Ein Yazma ist ein bedrucktes Kopftuch aus
Baumwolle. Zülüf steht für Haarlocke oder meist Stirnlocke als
erotisches Symbol der Zeit. Lokum ist ein türkisches Konfekt
und Symbol für Süße und Zärtlichkeit. Efendim heißt mein Herr
und ist eine höfliche Anrede, zugleich zärtlich-romantisch
(„mein Liebster“).