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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Laila
und Madschnun (die Nächtliche und der Liebesverrückte)
ist eine klassische orientalische Liebesgeschichte der
Mystik.
Die Figuren der Geschichte sollen angeblich eine
realen Hintergrund in einem Qais ibn al-Muwallah in der Zeit
der
Umayyaden haben, der in Liebe verfiel, als er Laila
gesehen hatte. Deswegen wurde er der "Verrückte [madschnun]
nach Laila" genannt. Nach manchen Legenden hat die Geschichte
ihren Ursprung im
Arabischen und ist dann ins
Persische übertragen worden.
Tatsächlich erhielten die Figuren später ein Eigenleben in dem
Laila das Göttliche und Madschnun das Menschliche symbolisierten
und die
Liebe Madschnuns das ewige Streben nach
Gott.
Als bedeutendste klassische Versionen gelten im 9.–10.
Jh.n.Chr. die Arabischen Anekdoten und Qasiden bei Abu
al-Faradsch al-Isfahani, im 12. Jh.n.Chr.
Nizami, im 13. Jh.n.Chr. Amir
Husraw Dehlavi, im 15. Jh.n.Chr. Ali Schir Navaʾi und später
unzählige osmanische, urdu- und arabische Nachdichtungen mit
populären Romantisierungen.
In der persisch-sufischen Rezeption wurde Madschnun zum
Archetyp des mystischen Liebenden. Layla symbolisiert das
Göttliche, die Wahrheit, die Schönheit Gottes. Madschnun ist
die Seele [nafs], die im
Liebeswahn nach Gott strebt. Die
Trennung beschreibt den Zustand des
Diesseits, der Tod die
Wiedervereinigung als mystische Vereinigung des
Entwerden [fana]. Die Wüste
ist der Ort der Läuterung und der reinen Sehnsucht.
Nizami formuliert es so: „Er
suchte Layla, doch fand er Gott in ihr Antlitz geformt.“
Eine der bekanntesten Geschichte der beiden Verliebten ist die
symbolisierte
Ergebenheit [taslim] des Menschen, die Auflösung seiner
eigenen
Seele [nafs] im Lichte der
Einheit [tauhid]:Madschnun kommt nach langen Suchen
endlich an das Haus der auf ihn wartenden Laila und klopft.
Sie fragt: "Wer ist da?". Madschnun antwortet: "Ich
bin es, Dein Geliebter, der dich so ersehnt, öffne die Tür,
damit wir uns endlich vereinen können!". Doch die Tür
bleibt verschlossen. Immer wieder versucht er es mit gleichem
Misserfolg. Er verzieht sich auf eine
Reise
in sein Inneres, bis ihm endlich die
Erkenntnis gereift, und er kommt wieder an die Tür und
klopft - "Wer ist da?". Nun antwortet er "Du bist
da", und die Tür geht auf.
In einer anderen Geschichte, die
Dschalaleddin Rumi über das Liebespaar als
Gedicht wiedergibt, wundern sich viele darüber, dass der
wunderschöne Jüngling Madschnun sich für Laila entschieden
hatte, da es doch viele schönere Frauen gäbe. Aber Madschnun
verweist darauf, dass alle anderen nur den Krug sehen würden,
während er allein den Wein genießen könne, wobei "Wein" in der
Mystik immer ein Synonym für
Liebe
ist. In dieser Art von Gedichten wird auch eine tiefer gehende
mystische Bedeutung der
Verhüllung [hidschab] deutlich.
Eines der bedeutendsten
Werke von
Fudhuli ist "Laila und Madschnun" wie auch von
Amir
Chusro oder
Nizami.
In seinem Werk
Chamsa ist die Geschichte eines der fünf Epen:
Die Liebe
zwischen Qais und Laila begann in der Schule. Lailas Eltern
lehnten aber eine Ehe mit dem überspannten Jüngling ab und
verhinderten jedes Treffen zwischen den beiden Verliebten.
Qais wurde darüber wahnsinnig vor Liebe "madschnun", weshalb
man ihn von da an Madschnun, nannte. Er ging in die Wüste und
drückte seine unglückliche Liebe in unvergleichlichen
Gedichten aus. Einmal versuchte er, zu Laila zu kommen, indem
er sich an eine Bettlerin anketten ließ, die ihn in der
Zeltstadt als Irren vorführte, um Mitleid zu erregen. Obwohl
die List gut geplant war, geriet Madschnun so sehr in Aufruhr,
sobald er sich Lailas Zelt näherte, dass er die Ketten
zerbrach und entdeckt wurde. Die dazugehörige Miniatur (s.) zu
Nizamis
Werk wird Mir Sayyid Ali, dem Sohn Mir Musawwirs
zugeschrieben.
Rudolf Gelpke übertrug den Epos 1963 erstmalig vollständig
ins Deutsche.
Auch
Johann Wolfgang Goethe hat in seinem Gedicht
Medschnun heißt dieser Figuren gedacht. Auch
Heinrich Heine nutzte die Vorlage für Sein Gedicht "Der
Asra".