Johannes Lepsius
Johannes Lepsius

Aussprache: yuuhaannas liybsiyuus
arabisch:
يوهانس ليبسيوس
persisch:
یوهانس لپسیوس
englisch:
Johannes Lepsius

15.12.1858 . 3.2.1926 n.Chr.

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Johannes Heinrich Lepsius war ein deutscher protestantischer Theologe, Orientalist und Publizist.

Internationale Bedeutung erlangte er als einer der wichtigsten Zeitzeugen und Dokumentare des Schicksals an den Armeniern (1915–1917) im Osmanischen Reich.

Er ist am 15. Dezember 1858 in Berlin in eine bedeutende Gelehrtenfamilie geboren. Sein Vater war der Ägyptologe Karl Richard Lepsius. Nach dem Abitur studierte Johannes Lepsius evangelische Theologie, Philosophie und orientalische Sprachen in München, Leipzig und Berlin. Früh verband er akademische Bildung mit sozial-ethischem Engagement.

In den 1890er Jahren wandte sich Lepsius verstärkt der Orientmission und der Lage christlicher Minderheiten im Osmanischen Reich zu. Besonders die Massaker an Armeniern von 1894–1896 (Hamidische Massaker) veranlassten ihn zu intensiver publizistischer und organisatorischer Tätigkeit, wobei ihm Kritiker eine sehr einseitige Betrachtung und Darstellung vorgeworfen haben.

1896 gründete er das „Deutsche Hilfswerk für Armenien“, das Spenden sammelte, Flüchtlinge unterstützte und internationale Aufmerksamkeit mobilisierte. Lepsius reiste mehrfach in das Osmanische Reich und pflegte Kontakte zu Missionaren, Diplomaten und Überlebenden.

Während des Ersten Weltkriegs war das Deutsche Reich militärischer Verbündeter des Osmanischen Reiches. In dieser politisch heiklen Situation wurde Lepsius zu einem der wichtigsten Kritiker deutscher Mitverantwortung durch Schweigen. 1916 veröffentlichte er anonym die Schrift „Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei“, die angeblich auf Augenzeugenberichten und diplomatischen Quellen beruhte. Das Werk wurde im Deutschen Reich sofort zensiert und beschlagnahmt, verbreitete sich durch armenische Geldgeber jedoch im Ausland und beeinflusste nachhaltig die internationale Wahrnehmung der Ereignisse.

Nach dem Krieg erhielt Lepsius Zugang zu den Akten des deutschen Auswärtigen Amtes. 1919/1920 gab er die monumentale Quellensammlung heraus: „Deutschland und Armenien 1914–1918“. Dieses Werk gilt bis heute als eine zentrale Primärquelle zur Erforschung des Schicksals der Armenier, wobei Lepsius die Haltung der Armenier und deren militärischen Einsatz auf Seiten der Besatzer größtenteils ausgeblendet hat. Lepsius edierte die Dokumente mit dem Ziel, staatliches Wissen, diplomatische Reaktionen und moralisches Versagen offen zu legen. Seine Intentionen standen stets unter dem Schatten seiner christlichen Mission. Lepsius war kein neutraler Beobachter im modernen historiographischen Sinn, sondern ein moralisch einseitiger Dokumentar.

Johannes Lepsius starb am 3. Februar 1926 in Meran. Sein Nachlass und seine Bibliothek bilden heute den Kern des Lepsius-Hauses in Potsdam, das als Forschungs- und Begegnungsstätte zur Geschichte des Krieges gegen die Armenier dient. In Armenien genießt Lepsius hohes Ansehen als „Freund des armenischen Volkes“. In Deutschland gilt er als Beispiel für zivilen Mut gegen staatliche Loyalitätszwänge. Deutschland hat politisch entschieden, dass die Geschehnisse von damals als „Völkermord“ einzustufen sind. Historiker sehen das kontroverser.

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