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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Johannes Heinrich Lepsius war ein deutscher protestantischer
Theologe, Orientalist und Publizist.
Internationale Bedeutung erlangte er als einer der
wichtigsten Zeitzeugen und Dokumentare des Schicksals an den
Armeniern (1915–1917) im
Osmanischen Reich.
Er ist am 15. Dezember 1858 in Berlin in eine bedeutende
Gelehrtenfamilie geboren. Sein Vater war der Ägyptologe Karl
Richard Lepsius. Nach dem Abitur studierte Johannes Lepsius
evangelische Theologie, Philosophie und orientalische Sprachen
in München, Leipzig und Berlin. Früh verband er akademische
Bildung mit sozial-ethischem Engagement.
In den 1890er Jahren wandte sich Lepsius verstärkt der
Orientmission und der Lage christlicher Minderheiten im
Osmanischen Reich zu. Besonders die Massaker an Armeniern
von 1894–1896 (Hamidische Massaker) veranlassten ihn zu
intensiver publizistischer und organisatorischer Tätigkeit,
wobei ihm Kritiker eine sehr einseitige Betrachtung und
Darstellung vorgeworfen haben.
1896 gründete er das „Deutsche Hilfswerk für Armenien“, das
Spenden sammelte, Flüchtlinge unterstützte und internationale
Aufmerksamkeit mobilisierte. Lepsius reiste mehrfach in das
Osmanische Reich und pflegte Kontakte zu Missionaren,
Diplomaten und Überlebenden.
Während des Ersten Weltkriegs war das Deutsche Reich
militärischer Verbündeter des
Osmanischen Reiches. In dieser politisch heiklen Situation
wurde Lepsius zu einem der wichtigsten Kritiker deutscher
Mitverantwortung durch Schweigen. 1916 veröffentlichte er
anonym die Schrift „Bericht über die Lage des armenischen
Volkes in der Türkei“, die angeblich auf
Augenzeugenberichten und diplomatischen Quellen beruhte. Das
Werk wurde im Deutschen Reich sofort zensiert und
beschlagnahmt, verbreitete sich durch armenische Geldgeber
jedoch im Ausland und beeinflusste nachhaltig die
internationale Wahrnehmung der Ereignisse.
Nach dem Krieg erhielt Lepsius Zugang zu den Akten des
deutschen Auswärtigen Amtes. 1919/1920 gab er die monumentale
Quellensammlung heraus: „Deutschland und Armenien 1914–1918“.
Dieses Werk gilt bis heute als eine zentrale Primärquelle zur
Erforschung des Schicksals der Armenier, wobei Lepsius die
Haltung der Armenier und deren militärischen Einsatz auf
Seiten der Besatzer größtenteils ausgeblendet hat. Lepsius
edierte die Dokumente mit dem Ziel, staatliches Wissen,
diplomatische Reaktionen und moralisches Versagen offen zu
legen. Seine Intentionen standen stets unter dem Schatten
seiner christlichen Mission. Lepsius war kein neutraler
Beobachter im modernen historiographischen Sinn, sondern ein
moralisch einseitiger Dokumentar.
Johannes Lepsius starb am 3. Februar 1926 in Meran. Sein
Nachlass und seine Bibliothek bilden heute den Kern des
Lepsius-Hauses in Potsdam, das als Forschungs- und
Begegnungsstätte zur Geschichte des Krieges gegen die Armenier
dient. In Armenien genießt Lepsius hohes Ansehen als „Freund
des armenischen Volkes“. In Deutschland gilt er als Beispiel
für zivilen Mut gegen staatliche Loyalitätszwänge. Deutschland
hat politisch entschieden, dass die Geschehnisse von damals
als „Völkermord“
einzustufen sind. Historiker sehen das kontroverser.