Nachahmung
Nachahmung westlicher Kultur

Aussprache: taqliyd ath-thaqaafa al-gharbiyya
arabisch:
تقليد الثقافة الغربية
persisch:
تقلید از فرهنگ غربی
englisch:
Imitation of Western culture

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Der Begriff „Nachahmung westlicher Kultur“ bezeichnet die bewusste oder unbewusste Übernahme westlicher Lebensweisen, Werte, Gewohnheiten, Kleidung, Sprache, Konsummuster oder gesellschaftlicher Normen durch Menschen aus einer anderen kulturellen oder religiösen Umgebung.

In islamischen Diskussionen ist damit meist eine Nachahmung der Westlichen Welt gemeint, die kritisch betrachtet wird, wenn sie zur Aufgabe eigener religiöser Werte, Schamhaftigkeit, Identität oder moralischer Prinzipien führt. Im Islam ist „Nachahmung westlicher Kultur“ nicht pauschal verboten. Entscheidend ist, was nachgeahmt wird, warum man es übernimmt und ob es islamischen Grundsätzen widerspricht.

Der Islam verbietet nicht, von anderen Völkern zu lernen. Technik, Medizin, Organisation, Wissenschaft, Verkehrssysteme, Verwaltung, Hygiene, Bildung oder sinnvolle Arbeitsmethoden sind keine „unislamische Kultur“, nur weil sie aus dem Westen kommen.

Wenn etwas nützlich, gerecht, moralisch neutral oder gut ist, kann es übernommen werden. Der Maßstab ist nicht „östlich oder westlich“, sondern: erlaubt [halal] oder verboten [haram], gerecht oder ungerecht, würdig oder entwürdigend.

Problematisch wird es, wenn Nachahmung bedeutet, Dinge zu übernehmen, die islamisch klar abzulehnen sind, etwa: öffentliche Nacktheit, Unzucht [zina] oder Normalisierung von Unzucht [zina], Alkohol- und Drogenkultur, Materialismus als Lebensziel, Respektlosigkeit gegenüber Eltern, Familie oder Religion, Spott über religiöse Werte Kleidung oder Verhalten, das Schamhaftigkeit bewusst verletzt. Dabei geht es nicht darum, jeden Kontakt mit westlicher Gesellschaft abzulehnen, sondern darum, keine Werte zu übernehmen, die dem Islam widersprechen.

Eine in diesem Zusammenhang oft zitierte Überlieferung [hadith] besagt: „Wer ein Volk nachahmt, gehört zu ihnen“ [من تشبه بقوم فهو منهم]. Gemeint ist vor allem eine Nachahmung, die aus Bewunderung für unislamische Werte, aus Unterlegenheitsgefühl oder als bewusste religiös-kulturelle Identifikation mit einer nichtislamischen Lebensweise geschieht. Bekannte äußerliche Merkmale sind unter anderem das Ablegen der Verhüllung [hidschab], das Rasieren des Bartes und das Tragen einer Krawatte.

Ein Muslim darf in einer westlichen Gesellschaft leben, ihre Sprache sprechen, arbeiten, studieren und höfliche gesellschaftliche Formen übernehmen. Aber er soll innerlich und äußerlich seine islamische Würde bewahren.

Imam Sayyid Ali Chamenei hat dazu am 7. Juli 2004 eine wegweisende Rede gehalten:

„Manche glauben, weil die Westler uns wissenschaftlich überlegen sind, müssten wir auch unsere Kultur, unsere Überzeugungen, unsere Umgangsformen, unsere Lebensweise sowie unsere sozialen und politischen Beziehungen von ihnen übernehmen. Das ist ein Irrtum.

Wenn ein Lehrer euch im Unterricht etwas beibringt und dabei ein sehr guter Lehrer ist, den ihr sogar mögt – müsst ihr dann unbedingt dieselbe Farbe für eure Kleidung wählen, die ihm gefällt?

Wenn dieser Lehrer auch eine schlechte Angewohnheit hätte, müsstet ihr diese ebenfalls von ihm übernehmen?

Angenommen, der Lehrer steckt sich während des Unterrichts den Finger in die Nase. Ihr sollt das Wissen von ihm lernen – warum solltet ihr auch dieses Verhalten übernehmen?

Die Europäer haben viele Fehler, Irrtümer und unschöne Verhaltensweisen. Warum sollten wir diese von ihnen übernehmen?

Jener Mann, der von dem Wissen der Westler fasziniert und geblendet war, sagte: „Wir müssen vom Scheitel bis zur Sohle westlich werden.“

Warum?

Wir sind Iraner und sollten Iraner bleiben. Wir sind Muslime und sollten Muslime bleiben.

Sie besitzen mehr Wissen als wir – gut, dann gehen wir hin und lernen ihr Wissen. Aber warum sollten wir ihre Gewohnheiten, ihre Kultur, ihr Verhalten und ihre Umgangsformen übernehmen?

Was ist das für eine falsche Logik?“

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