Gerard de Nerval
Gerard de Nerval

Aussprache: dschiyraar duu niyrfaal
arabisch:
جيرار دو نيرفال
persisch:
ژرار دو نروال
englisch:
Gérard de Nerval

22.5.1808 - 26.1.1855 n.Chr.

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Gérard de Nerval (eigentlich Gérard Labrunie) war ein französischer Dichter, Prosaschriftsteller, Übersetzer und einer der wichtigsten Wegbereiter der literarischen Moderne.

Innerhalb der französischen Romantik nimmt er eine Sonderstellung ein, insbesondere durch seine intensive Auseinandersetzung mit dem Orient, die Reiseerfahrung, Traum, Mythologie und Religionsgeschichte miteinander verband.

Nerval wurde am 22. Mai 1808 in Paris geboren und wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter überwiegend bei Verwandten im Valois auf. Er erhielt eine klassische humanistische Ausbildung und zeigte früh außergewöhnliche Sprachbegabung. Bereits als junger Mann machte er sich einen Namen durch seine vielgerühmte Übersetzung von Goethes „Faust I“, die großen Einfluss auf die französische Rezeption der deutschen Romantik hatte.

Sein Denken war geprägt von deutscher Idealphilosophie, Neuplatonismus, Mystik und antiker Mythologie. Diese geistige Offenheit bildete die Grundlage seiner späteren Orientbegeisterung.

Nerval unternahm in den Jahren 1842–1843 eine ausgedehnte Reise in den östlichen Mittelmeerraum und den Orient. Er besuchte unter anderem: Ägypten (Kairo), Palästina, Syrien, Libanon und Istanbul.

Diese Reise war eine existenzielle Suchbewegung. Nerval suchte im Orient: Ursprünge von Religion und Mythos, lebendige Formen von Spiritualität und Alternativen zur rationalistischen Moderne Europas.

Seine Erfahrungen verarbeitete Nerval in dem Werk „Voyage en Orient“ (1851), das zu den bedeutendsten literarischen Orientdarstellungen des 19. Jh. n.Chr. zählt. Charakteristisch ist seine Mischung aus Reisebericht, Essay, Traumprosa und Mythenerzählung. Er drückt sein Interesse an islamischen, christlich-orientalischen und vorislamischen Traditionen deutlich aus. Auffällig ist seine Darstellung des Orients als gleichwertiger kulturellen Kosmos. Besonders auffällig ist Nervals intensive Beschäftigung mit dem Sufismus. Er begegnet dem Islam mit Empathie und intellektueller Offenheit, fern von missionarischem oder kolonialem Überlegenheitsdenken.

Für Nerval war der Orient weniger ein geografischer Raum als ein symbolischer Ort Gegenmodell zur Entzauberung Europas, Bewahrungsraum von Mythos, Ritual und Sakralität und Spiegel der eigenen inneren Zerrissenheit. Im Unterschied zu vielen Zeitgenossen romantisierte er den Orient nicht naiv, sondern nutzte ihn als Projektionsfläche für metaphysische Fragen: Ursprung des Daseins, Einheit der Religionen und Durchlässigkeit von Traum und Wirklichkeit.

In seinen späten Schriften, insbesondere „Aurélia“, verschmelzen Orientmotive mit autobiographischer Traum- und Wahnsinnserfahrung. Hier erscheint der Orient als Teil eines universalen Symbolsystems, in dem: Isis, islamische Legenden, gnostische Motive und christliche Mystik gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

Nerval litt zeitlebens unter schweren psychischen Krisen. Am 26. Januar 1855 nahm er sich in Paris das Leben. Sein Werk wurde erst posthum in seiner ganzen Bedeutung erkannt.

In der Literaturgeschichte gilt Nerval als Bindeglied zwischen Romantik und Symbolismus sowie als Vorläufer des Surrealismus. Er gilt als einer der wenigen Autoren des 19. Jh. n.Chr., die den v nicht nur ästhetisch, sondern metaphysisch ernst nahmen.

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