Ringparabel
Ringparabel

Aussprache: hikaayat al-chaatim
arabisch:
حكاية الخاتم
persisch:
حکایت انگشتر
englisch:
Ring Parable

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Die Ringparabel ist eine der Schlüsselszenen des Dramas Nathan der Weise, wofür das Werk berühmt geworden ist.

Der Autor Gotthold Ephraim Lessing hat dabei auf historische Vorbilder ab dem 11. Jh. n.Chr. zurückgegriffen. Es wird vermutet, dass sie auf der iberischen Halbinsel erfunden worden ist.

Die unmittelbare Vorlage der Ringparabel stammt aus Giovanni Boccaccios Decamerone aus: Dritte Tag, Novelle 3 (Decamerone III,3). Gemäß Boccaccio lebt ein reicher Jude namens Melchisedech in Ägypten. Sultan Saladin möchte ihn mit einer Fangfrage in Verlegenheit bringen, um an sein Geld zu kommen, und fragt, welche Religion die wahre sei — Judentum, Christentum oder Islam. Melchisedech antwortet mit einer Gleichnisgeschichte über drei Ringe, die äußerlich gleich, aber nur einer echt sei. Da niemand den echten von den Nachbildungen unterscheiden kann, bleibt unklar, welche Religion die wahre ist. Sultan Saladin ist von der Klugheit des Juden beeindruckt und lässt ihn in Frieden, ja, gewinnt ihn sogar als Freund.

Boccaccio hat das Motiv nicht selbst erfunden, sondern es lässt sich noch weiter in orientalische Quellen zurückverfolgen. Bereits in mittelalterlich-islamischen Sammlungen (z. B. in arabischen oder persischen Adab-Werken) finden sich Gleichnisse über mehrere Ringe oder Siegel, die unterschiedliche Glaubenswege symbolisieren. Diese Erzählungen gelangten durch Übersetzungen und mündliche Überlieferung nach Europa, besonders über Spanien und Sizilien, wo Muslime, Christen und Juden eng zusammenlebten.

Lessings Geschichte handelt um einen sehr kostbaren Ring, den der Besitzer an denjenigen unter seinen Söhnen weitergibt, den er am meisten liebt und den er damit zum Erben einsetzt. So wird über mehrere Generationen verfahren bis ein Vater seine drei Söhne alle gleich liebt. Er lässt heimlich zwei weitere identische Ringe anfertigen, so dass die Söhne  nicht mehr erkenne können, welcher Ring der echte ist.

Diese Handlung ist mit einer sehr entscheidenden Variation die Schlüsselszene in Nathan der Weise: Der Muslim Saladin lässt den Juden Nathan zu sich rufen und legt ihm die Frage vor, welche der drei monotheistischen Religionen er für die richtige hält. Nathan will einer klaren Antwort ausweichen und erzählt daher die Ringparabel.

Der Ring bei Nathan der Weise ist nicht nur besonders wertvoll sondern hat vor allem die Eigenschaft, seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ zu machen, wenn der Besitzer ihn „in dieser Zuversicht“ trägt. Das Motiv stammt vom Ring Salomos.

Der Vater, der seine drei Söhne gleichermaßen liebt, lässt zwei verwechselbar ähnliche Duplikate herstellen und vererbt jedem seiner Söhne einen der Ringe. Er versichert jedem Sohn, dass sein Ring der echte sei.

Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter aber ist außerstande einen Unterschied festzustellen. So erinnert er die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen anderen Menschen beliebt zu machen; wenn aber dieser Effekt bei keinem der drei eingetreten sei, dann könne das wohl nur heißen, dass der echte Ring verloren gegangen sei. Falls jedoch einer der Ringe der echte sei, dann werde sich dies in der Zukunft an der ihm nachgesagten Wirkung zeigen. Daher solle jeder Ringträger sich bemühen, diese Wirkung bei sich herbeizuführen.

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