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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Die „Sichtung des Koran“ durch Nikolaus von Kues ist ein
theologisch-programmatisches Prüf- und Deutungsverfahren.
Der Originaltitel des Werks von 1460/1461 n.Chr. lautet
„Cribratio Alkorani“ und bedeutet wörtlich
„Siebung/Sichtung/Prüfung des Quran“. Mit „Sichtung“ ist also
ein Aussondern gemeint, nicht ein deskriptives Verstehen.
Nikolaus von Kues (1401–1464 n.Chr.) auch Cusanus genannt,
wurde 1401 in Kues an der Mosel (heute Bernkastel-Kues)
geboren. Er war katholischer Kardinal, Theologe, Philosoph,
Jurist, Diplomat und einer der bedeutendsten Denker des
Übergangs vom Mittelalter zur frühen Neuzeit. Er studierte
Kirchenrecht, Philosophie und Theologie unter anderem in
Heidelberg, Padua und Köln. Früh trat er als
kirchenpolitischer Vermittler hervor, insbesondere auf dem
Konzil von Basel, wo er zunächst konziliaristisch, später
päpstlich argumentierte. Nikolaus entwickelte eine
eigenständige Philosophie, deren Kernbegriffe „docta
ignorantia“ (gelehrte Unwissenheit), Einheit der Gegensätze (coincidentia
oppositorum) und die Unendlichkeit Gottes sind. Er verband
mittelalterliche Theologie mit neuem
mathematisch-philosophischem Denken und beeinflusste die
europäische Geistesgeschichte nachhaltig. Politisch und
kirchlich wirkte er als päpstlicher Legat, Reformator
kirchlicher Missstände und Vermittler zwischen
Konfliktparteien. 1448 wurde er zum Kardinal erhoben, später
zum Bischof von Brixen. In seinen religionsphilosophischen
Schriften, etwa „De pace fidei“, suchte er nach einer
übergeordneten Einheit der Religionen, während er im Werk „Cribratio
Alkorani“ den Islam aus christlich-theologischer Perspektive
prüfte. Nikolaus von Kues starb 1464 in Todi (Italien). Sein
geistiges Erbe gilt als Brücke zwischen Scholastik und
Renaissance.
In seinem Werk „Sichtung des Quran“ verfolgte er kein
islamwissenschaftliches Interesse, sondern ein
christlich-apologetisches Ziel. Seine Grundannahmen waren:
Es gebe eine einzige göttliche Wahrheit (christlich
verstanden). Der
Heilige
Quran enthalte wahre Elemente (von Gott stammend), aber
auch Irrtümer (menschlich oder dämonisch bedingt). Die
„Sichtung“ sollte das „Wahre“ herausfiltern, das „Irrige“
verwerfen und zeigen, dass der
Heilige
Quran implizit auf das
Christentum verweise.
Nikolaus las den
Heiligen Quran durch die Brille der christlichen
Trinitäts- und Inkarnationslehre anhand einer lateinischen
Übersetzung (nicht des arabischen Originals) ohne Kenntnis
islamischer
Auslegung [tafsir]. Er ordnet Quranstellen in drei
Kategorien ein:
Das war mit „Sichtung“ gemeint. Sein Werk ist entsprechend
keine vergleichende Religionswissenschaft, sondern normativ,
missionarisch und hierarchisch.
Der
Heilige Quran wird von ihm nicht als eigenständige
Offenbarung anerkannt, sondern als unvollständige, vermischte
oder fehlgeleitete Schrift. Sein Werk entstand wenige Jahre
nach dem Fall von
Konstantinopel. Die Angst vor den
Osmanen motivierte seine Suche nach einer intellektuellen
Antwort auf den
Islam.
Nikolaus wollte eine theologische Überlegenheit des
Christentums aufzeigen um Muslime „durch Einsicht“ zu
gewinnen.