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Die Tifli Moschee (Tıflı Camii) in
Tschanakkale (Çanakkale) ist eine kleine spätosmanische
Moschee im historischen Stadtzentrum.
Sie steht in der Fevzipaşa Mahallesi an der Çarşı Caddesi
ganz in der Nähe des
Spiegelbasar (Aynalı Çarşı). Sie gehört
zu den erhaltenen Moscheen des späten Osmanischen Reichs in
der Stadt.
Nach der Bauinschrift wurde die heutige Moschee 1892 n.Chr.
(1308
n.d.H.) unter Sultan
Abdülhamid II. errichtet.
Als Besonderheit gilt der Name „Tıflı“. Er wird mit dem
arabisch-osmanischen Wort „tifl“ [طفل] (Kind) in Verbindung
gebracht. Neben der
Moschee befand sich früher eine Sıbyan Mektebi, also eine
osmanische Elementar- bzw. Kinderschule. Vermutlich wurde die
Moschee eigens in Verbindung mit dieser Schule errichtet,
damit die Schüler dort auch praktisch in Gebet und Religion
unterrichtet werden konnten. Daraus könnte im Volksmund der
Name „Tıflı Camii“, sinngemäß „Kindermoschee“ entstanden sein.
Von dieser Schule ist das Gebäude nicht erhalten, wohl aber
ihre Inschrift. Sie befindet sich heute am Tor des
Moscheehofs. Aus ihr geht hervor, dass die Schule bereits
unter Sultan
Abdülaziz errichtet worden war; eine Quelle datiert sie
auf etwa 1870 und nennt den damaligen Gouverneur Kayserili
Ahmed Pascha als Stifter.
Ein osmanisches Archivdokument von 1922 zählt die Tıflı
Camii zu den Stiftungen des Yörük Hüseyin Ağa. Außerdem
existiert ein Dokument von 1891 über die Reparatur einer
damals in Kale-i Sultaniyye – dem alten Namen Çanakkales –
befindlichen Yörük Hüseyin Ağa Camii. Da heute keine Moschee
dieses Namens existiert, hält die Forschung es für möglich,
dass an derselben Stelle zuvor diese ältere Moschee stand und
1891 durch die heutige Tıflı Camii ersetzt wurde.
Architektonisch ist die Tıflı Camii typisch für die
kleineren spätosmanischen Moscheen in
Tschanakkale (Çanakkale): quadratischer Grundriss, Walmdach mit
traditionellen Ziegeln, Bruch- und grob behauenes
Steinmauerwerk sowie ein einzelnes Minarett an der
Nordwestecke. Für Tür- und Fensterfassungen wurde sauberer
Werkstein verwendet; unter dem Dach läuft ein gestufter
Ziegelfries. Auffällig ist auch, dass die Moschee zwei
Eingänge besitzt, was möglicherweise ebenfalls mit der
ehemaligen Schule zusammenhängt.
Als künstlerisch besonders bemerkenswert gilt das
Minarett. Es besteht aus Werkstein und trägt ungewöhnliche
spätosmanische Dekorationen, darunter geflecht- bzw.
seilartige Motive. Auch im Inneren ist ein dekorierter
hölzerner Deckenspiegel bzw. Deckenmedaillon erhalten
beziehungsweise dokumentiert.
Heute ist die Moschee weiterhin als Gotteshaus in Gebrauch
und als historisches Bauwerk geschützt.

Foto Y.Özoguz (2026 n.Chr.)